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Politik und Wirtschaft haben eine Allianz für die Aus- und Weiterbildung von Flüchtlingen beschlossen.
Politik und Wirtschaft haben eine Allianz für die Aus- und Weiterbildung von Flüchtlingen beschlossen.(Foto: dpa)
Freitag, 18. September 2015

"Deutsch, Deutsch, Deutsch": Bündnis will Integration beschleunigen

Wirtschaft, Politik und Gewerkschaften sind sich einig: Flüchtlinge müssen so schnell wie möglich Deutsch lernen und arbeiten. Das Bündnis macht eine Reihe von Vorschlägen, wie dies gelingen soll. Dazu gehört ein längeres Bleiberecht.

Die Wirtschaft verspricht sich viel von einer schnellen Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. Knapp 600.000 freie Stellen sind bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet. Gleichzeitig wollen viele Flüchtlinge in Deutschland studieren oder arbeiten. Bei einem Spitzentreffen in Berlin haben die Minister für Wirtschaft, Arbeit und Bildung und die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung mit Arbeitgebern und Gewerkschaften darüber beraten, was für eine erfolgreiche Integration der Flüchtlinge erforderlich ist.

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"Nichts wirkt mehr gegen Parallelgesellschaften und gegen Vereinsamung und Schwierigkeiten wie die Integration in Arbeit", sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel nach dem Treffen der 14 Bündnispartner, darunter Arbeitgeberverband BDA, Handwerk, Deutscher Gewerkschaftsbund und die Arbeits- und Wirtschaftsminister der Länder.

Vor allem die vielen jungen Flüchtlinge zu integrieren, sei "ganz wichtig", sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Die oft mit Smartphones ausgerüsteten Flüchtlinge sollten auch mit Hilfe von Apps an die deutsche Sprache herangeführt werden, außerdem könnten pensionierte Lehrer und Migranten in diese Aufgabe einbezogen werden. Außerdem sollten die Fähigkeiten junger Menschen in mehrtägigen Gesprächen ermittelt werden. Schließlich seien 50 Prozent der Flüchtlinge unter 25 Jahre alt.

Wirtschaft will Rechtssicherheit

Der Weg zum Arbeitsplatz führe über Sprache und Ausbildung: "Deutsch, Deutsch, Deutsch, spätestens in der Berufsschule müssen sie Deutsch können", fordert Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Flüchtlinge, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in Deutschland bleiben dürfen, sollen schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen mit dem Deutschunterricht beginnen, waren sich die Teilnehmer des Treffens einig. Flüchtlinge im berufschulpflichtigen Alter sollen in eigenen Klassen eine berufsbezogene Sprachförderung bekommen.

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Kramer appellierte aber an die Bundesregierung, den Managern die Sorge zu nehmen, "mit der speziellen Problematik nicht klar kommen zu können". Die Betriebe möchten, dass Azubis nach erfolgreichem Abschluss auf jeden Fall zwei weitere Jahre in Deutschland bleiben dürfen - und nicht gleich wieder gehen müssen.

Gabriel will für längeres Bleiberecht werben

Wirtschaftsminister Gabriel will sich in der Bundesregierung genau dafür einsetzen, dass junge Flüchtlinge nach Abschluss ihrer Ausbildung noch mindestens ein oder zwei weitere Jahre in Deutschland bleiben dürfen. Niemand werde eingestellt, wenn unklar sei, ob er bleibe, sagte Gabriel.

Bei den Innenministern und beim Koalitionspartner Union wolle er bis zum Flüchtlingsgipfel am 24. September dafür noch Überzeugungsarbeit leisten, sagte der SPD-Chef. Auch die Altersgrenze von 21 Jahren zur Aufnahme einer qualifizierten Ausbildung stehe zur Debatte.

Flüchtlinge und Arbeitgeber brauchen oft einen langen Atem: Generell dürfen Asylbewerber drei Monate nach Antragstellung nicht arbeiten. Der Sprachkurs dauert in der Regel sechs Monate. Bei Bewerbern mit laufendem Asylverfahren oder Duldung ist in den ersten 15 Monaten des Aufenthalts eine Vorrangprüfung erforderlich, die klärt, ob es einen geeigneten deutschen oder europäischen Kandidaten für eine Stelle gibt oder ob der Asylbewerber sie bekommen kann. Diese Vorrangprüfung entfällt bislang nur bei sogenannten Mangelberufen wie Klempner oder Sanitärtechniker.

Quelle: n-tv.de