Politik

Nervengiftanschlag in England Chemiewaffenexperten prüfen Skripals Blut

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Ein Experte der OPCW verstaut Schutzkleidung, nachdem die Experten den mutmaßlichen Tatort im englischen Salisbury auf Spuren untersucht haben.

(Foto: REUTERS)

Mit dem russischen Nervengift Nowitschok wird Sergej Skripal in England angegriffen - so die britische Darstellung des Falls. Chemiewaffen-Kontrolleure dürfen nun das Blut des früheren russischen Doppelagenten untersuchen, um Klarheit zu schaffen.

Internationale Chemiewaffenexperten dürfen Blutproben des vergifteten russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und seiner Tochter Julia untersuchen. Ein britischer Richter hat der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) die entsprechende Erlaubnis erteilt. Es sei "rechtmäßig", dass Ärzte den beiden Blut abnähmen, um dieses sowie "Kopien ärztlicher Notizen" der OPCW zur Verfügung zu stellen, urteilte Richter David Williams. Die OPCW soll den Fall als unabhängige Organisation untersuchen. Die Blutanalyse soll ihren Angaben der Organisation bis zu drei Wochen dauern.

Der Anschlag auf Skripal und seine Tochter ist auch Thema beim EU-Gipfel in Brüssel. "Russland hat eine schamlose und rücksichtslose Attacke gegen Großbritannien verübt", erklärte die britische Premierministerin Theresa May vor Beginn Treffens mit den anderen Staats- und Regierungschefs. Dies sei "Teil eines Musters russischer Aggression gegen Europa und seine Nachbarn".

Weitere Sanktionen möglich

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte in Brüssel ihre "Solidarität und Unterstützung" mit May. Es sei gut, dass die Stoffe, die bei der Attacke auf Skripal zum Einsatz kamen, von den Chemiewaffenbehörden untersucht werden. Die EU hat Russland aufgefordert, den Anschlag lückenlos aufzuklären. Auch weitere Sanktionen sind im Gespräch, stehen aber nach Angaben von EU-Diplomaten auf dem Gipfeltreffen noch nicht zur Debatte.

Der frühere russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März in der südenglischen Stadt Salisbury vergiftet worden. Die beiden befinden sich weiter in einem ernsten Zustand im Krankenhaus. Die britische Regierung macht Russland für den Giftanschlag verantwortlich und geht davon aus, dass dabei ein Gift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. Russland weist den Vorwurf zurück, hinter dem Attentat zu stecken, und bestreitet auch die Herstellung von Nowitschok.

Der Fall Skripal hat eine schwere diplomatische Krise zwischen London und Moskau ausgelöst. Nachdem Großbritannien die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten angeordnet hatte, reagierte Russland mit einem entsprechenden Schritt.

Quelle: ntv.de, chr/AFP/dpa