Politik

Appell an Politik "Corona- und Klima-Krise sind verknüpft"

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Auch in der Corona-Krise soll die Klima-Krise nicht in Vergessenheit geraten.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ist man sich sicher, dass die Corona-Krise Ausdruck desselben Versagens ist wie schon zuvor die Klima-Krise. Die Direktoren des PIK appellieren deswegen an die Regierung, aus der Pandemie die richtigen Lehren zu ziehen.

Die Direktoren des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Johan Rockström und Ottmar Edenhofer, sehen die Corona-Krise und die Klima-Krise beide als "Teil desselben Systemversagens". Es sei "von grundlegender Bedeutung" zu erkennen, dass die beiden Krisen "miteinander verknüpft sind", betonten die PIK-Direktoren in einer gemeinsamen Erklärung. Beim Wiederaufbau der Wirtschaft müsse es nun ein Umsteuern geben.

Beide Krisen hätten zu tun mit der zunehmenden Einmischung des Menschen in das Erdsystem, "von der Zerstörung natürlicher Ökosysteme bis hin zur globalen Erwärmung", schreiben Rockström und Edenhofer anlässlich des am Montag und Dienstag als Video-Konferenz geplanten internationalen Petersberger Klimadialogs. Dabei zeige die nicht nachhaltig wirtschaftende globale Welt ihre geringe Belastbarkeit.

"Dies ist unsere Chance"

"Wir überschreiten sichere planetare Grenzen, die für die planetare Gesundheit maßgeblich sind", mahnen die Wissenschaftler. Die zentrale Herausforderung der heutigen Zeit sei nun, "die Sicherheit der Gemeinschaftsgüter zu gewährleisten, von der öffentlichen Gesundheit bis hin zu einem stabilen Klima", schreiben Rockström und Edenhofer. Dies seien "die Lebenserhaltungssysteme, auf die wir alle angewiesen sind".

Entscheidend sei jetzt, aus der Pandemie die richtigen Lehren zu ziehen: "Dies ist unsere Chance, Prioritäten neu zu setzen und die Wirtschaft neu zu vernetzen", schreiben die Forscher. "Um Wohlstand zu haben, brauchen wir gesunde Menschen auf einem gesunden Planeten und dafür brauchen wir eine gesunde Wirtschaft", heben sie hervor.

Konkret bedeute dies, in den Wiederaufbauplänen nach der Corona-Krise den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger zu beschleunigen und diesen nicht etwa hinauszuschieben. "Es muss mehr Investitionen in saubere Infrastruktur geben, in zukunftsfähige Technologien und in den Schutz der Natur", fordern Rockström und Edenhofer.

"Klimafragen genauso auf der Tagesordnung"

All dies werde die Gesellschaften gesünder machen und für die Zukunft das Risiko des Ausbruchs von Pandemien verringern. "Wir müssen vor allem die Bepreisung des CO2-Ausstoßes nutzen und ausbauen, um unsere Systeme in einer nachhaltigen Weise neu zu starten", verlangen die PIK-Direktoren.

Am Petersberger Klimadialog, der normalerweise in Berlin stattfindet, nehmen hochrangige Regierungsvertreter von rund 30 Staaten teil. Er wird wegen der Corona-Pandemie diesmal als Video-Konferenz abgehalten. Am Dienstag wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und UN-Generalsekretär António Guterres vor den Teilnehmern sprechen.

In ihrem aktuellen Podcast sagt Merkel, sie gehe davon aus, dass die EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands wegen der Pandemie anders ablaufen werde, "als wir uns das vorgenommen hatten". Klimafragen werde man aber "genauso auf der Tagesordnung haben wie die Gesundheitsfragen". Man müsse sehen, dass man für die "wirtschaftliche Ertüchtigung Europas" und den sozialen Zusammenhalt etwas tue, sagte die Kanzlerin, und "dass wir an die Zukunft denken - und das sind die Klima- und Umweltfragen".

Quelle: ntv.de, nan/AFP