Politik

Comeback-Könige Merz und Scholz Das sind die Top-Politiker 2021

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Olaf Scholz startet mit der festen Überzeugung in den Wahlkampf, nächster Bundeskanzler zu werden.

(Foto: imago images/photothek)

Den inoffiziellen Titel "Top-Politiker 2021" wird sich wohl keiner der im Ranking Genannten ins Büro hängen. Die einzigen Titel, die in der Politik zählen, sind mit Ämtern verbunden. Und die haben sich einige unerwartet oder beeindruckend geholt. Eine - reichlich subjektive - Übersicht:

Top-Politiker 2021

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Kann Attacke, kann freundlich sein. Kann er auch Merz Paroli bieten?

(Foto: dpa)

10. Ralph Brinkhaus
Armin Laschet, Norbert Röttgen, Jens Spahn, Paul Ziemiak: Die Liste der CDU-Männer aus Nordrhein-Westfalen, die in diesem Jahr tief gefallen sind, ist lang. Nur einer ist immer noch auf dem Posten. Und dieser Posten ist in der CDU so viel wert wie seit 16 Jahren nicht: Ralph Brinkhaus ist als Unionsfraktionschef seit der Bundestagswahl Oppositionsführer. Zwar konnte auch er nicht glänzen, als sich Laschet im Sommer vergeblich um das Bundeskanzleramt bemühte. Verbockt hat es Brinkhaus aber auch nicht. Und wer seinen Auftritt nach der ersten Regierungserklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz erlebte, erinnert sich, welch großes rhetorisches Talent Brinkhaus ist. Der neue CDU-Chef Friedrich Merz wird gewichtige Argumente brauchen, wenn er Brinkhaus im Frühjahr den Vorsitz abnehmen will. Freiwillig gibt ihn Brinkhaus jedenfalls nicht her. Er hat schon ganz andere Männer aus NRW politisch überlebt.

Bärbel Bas (SPD) nach ihrer Wahl zur Bundestagspräsidentin des neuen Bundestags. Foto: Michael Kappeler/dpa

Hauptschule, Ausbildung, Studium neben dem Beruf, Leitungsfunktion: Bas hat sich schon vor ihrer Zeit im Bundestag nach oben gearbeitet.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

9. Bärbel Bas
Sie kennen Bärbel Bas nicht? Das spricht für einen gesunden Abstand zur Politik. Bis zum Herbst war die Fachpolitikerin der SPD vor allem jenen ein Begriff, die beruflich mit dem Bundestag zu tun haben. Bas' Aufstieg zur Bundestagspräsidentin ist auch ein Werk der Frauen ihrer Partei. Die wollten nicht zulassen, dass die Männer die höchsten Ämter unter sich aufteilen. So fiel die Wahl überraschend auf die 53-Jährige aus Duisburg. Die Gesundheitspolitikerin ist qua Biografie nicht nur nah am Volk, sie zeigt in ihren ersten Plenarsitzungen auch erfrischend viel Humor und eine Lockerheit, die ihrem verdienten Vorgänger Wolfgang Schäuble abgeht. Bis Ende nächsten Jahres dürfte Bas deswegen zu den bekanntesten Politikern im Land gehören - auch bei denen, die nie Phoenix schauen.

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Karl Lauterbach bewarb sich 2019 als SPD-Parteichef. Ob und wie sich das auf die spätere Corona-Politik ausgewirkt hätte, bleibt Spekulation.

(Foto: imago images/Chris Emil Janßen)

8. Karl Lauterbach
Wäre es nach Karl Lauterbach gegangen, wäre er jetzt nicht Bundesgesundheitsminister. Denn auf die Corona-Pandemie hätte der 58-jährige Medizinprofessor aus den Reihen der SPD sicher auch gerne verzichtet. So aber wird Lauterbach zum bekanntesten Gesundheitspolitiker im Land, der eineinhalb Jahre zwischen Studien-Lektüre und Fernsehauftritten pendelt. Anfeindungen bringen ihn nicht vom Weg ab. Dass er mit seiner Solo-Show mitunter Parteifreunde irritiert, ebenfalls nicht. Als die SPD im September überraschend deutlich die Bundestagswahl gewinnt, wird er als neuer Bundesgesundheitsminister gehandelt und muss doch lange bangen. Am Ende kommt Bundeskanzler Scholz aber nicht vorbei an dem von vielen Bürgerinnen und Bürgern geschätzten Mann aus Düren. Und: Wer in der SPD hätte schon unter Lauterbach Gesundheitsminister werden wollen?

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Von Mainz nach Berlin ist es politisch mitunter ein weiter Weg, doch Wissing ist schnell angekommen.

(Foto: picture alliance/dpa)

7. Volker Wissing
Dass am Ende wieder ein Mann mittleren Alters auf FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg folgt, wird von vielen Beobachtern als Niederlage für den dominanten Parteichef Christian Lindner gewertet. Tatsächlich erweist sich die Wahl des damaligen Wirtschaftsministers von Rheinland-Pfalz als geschickter Schachzug: Wissing bringt nicht nur das Format mit, um neben Lindner zu bestehen. Der Mann, der daheim Teil einer Ampelregierung ist, kann auch eigene Akzente in Berlin setzen und wird so perfekter Doppelpartner für Lindner, dem es anders als Wissing vor der Wahl noch an Fantasie zur Ampel fehlt. Nach der Wahl ist das bekanntlich anders, und es ist der Rot-Grün-erfahrene Wissing, der mit den Generalsekretären von SPD und Grünen das neue Regierungsbündnis eintütet. Der Lohn: einer der wichtigsten Kabinettsposten in der neuen Regierung, sehr zum Gram der Grünen.

Manuela Schwesig spricht im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Ihre Krebserkrankung hat in den vergangenen Jahren viele Menschen bewegt, doch Schwesig kommt umso stärker zurück.

(Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)

6. Manuela Schwesig
Als Bundesfamilienministerin ist sie der aufsteigende Stern der SPD, doch was Manuela Schwesig im September 2021 in Mecklenburg-Vorpommern gelingt, läuft lange Zeit unter dem Label "undenkbar". Mit rund 40 Prozent gewinnt Schwesig die Landtagswahl, und wo die Wähler gerade dabei sind, SPD zu wählen, machen viele auch bei der parallel stattfindenden Bundestagswahl ihr Kreuz bei den Sozialdemokraten. Die Partei gewinnt alle Bundestagsdirektmandate im Land. Schwesig wird hernach für den Bundesparteivorsitz gehandelt und scheint auch nicht abgeneigt. Saskia Esken will aber nicht weichen. Egal: Die 47-Jährige hat auch so ein gehöriges Wörtchen im Bund mitzureden - und zeigt nebenher, dass mit einer stringenten Kommunikation auch der Osten strenge Corona-Maßnahmen mitträgt.

5. Lars Klingbeil

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Mit 86 Prozent Zustimmung erhält Klingbeil beim Bundesparteitag zehn Prozentpunkte mehr als seine Co-Vorsitzende Esken.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Wie wird man im Alter von 43 Jahren SPD-Chef? Indem man die zerstrittene Partei erst zusammenführt und dann ins Kanzleramt bringt. Beides ist dem Soldatensohn nicht im Alleingang gelungen, doch am gehörigen Anteil des Generalsekretärs am SPD-Erfolg 2021 zweifelt niemand. Die Qualitäten Klingbeils werden nach der Wahl breit gepriesen, das erhoffte Amt des Verteidigungsministers fällt ihm dennoch nicht zu. Stattdessen ergreift Klingbeil die Chance, neuer Vorsitzender zu werden, und lässt keinen Zweifel daran, was er in dem Amt vorhat: Die Landtagswahlen im kommenden Jahr gewinnen und die SPD als neuen Platzhirsch der deutschen Politik verankern. Bei ntv.de kündigt Klingbeil an, er wolle seine Partei "prägen". Wenn ihm das gelingt, kann er ja immer noch ein Regierungsamt übernehmen.

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"Angst ist für mich keine Kategorie", sagt Merz im Gespräch mit ntv.de.

(Foto: AP)

4. Friedrich Merz
Merkel ist weg und er endlich Parteivorsitzender: Friedrich Merz steht am Ende des Jahres am Ziel, nachdem er 2018 sowie im Januar 2021 mit seiner Kandidatur jeweils gescheitert ist. Doch anders als die Delegierten in den letzten Wahlgängen können sich bei der digitalen Wahl die Mitglieder mit deutlicher Mehrheit auf den Sauerländer verständigen. Was Merz eher nicht hat kommen sehen: Er übernimmt die CDU in einem desaströsen Zustand. Ihre Rolle in der Opposition muss sie erst noch finden. Inhaltlich und personell sind viele Konflikte ungelöst. Aber Merz wäre nicht Merz, wenn er sich diese Aufgabe nicht zutrauen würde. Erster Showdown im Frühjahr, wenn der Fraktionsvorsitz neu gewählt wird.

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Gute Miene, schweres Spiel: Habeck stellt Baerbock als Kanzlerkandidatin vor.

(Foto: picture alliance/dpa)

3. Robert Habeck
Mitte April erlebt der Grünen-Vorsitzende den "schwersten Tag" seiner politischen Laufbahn, wie er hernach bekennt. Seine Co-Vorsitzende Baerbock zur ersten Kanzlerkandidatin der Grünen auszurufen, sei ein "bittersüßer" Moment gewesen. Zur Wahl zur Bundeskanzlerin muss er Baerbock aber nicht gratulieren. Ihr Wahlkampf misslingt trotz guter Ausgangslage, auch wegen handwerklicher Fehler von Partei und Kandidatin. Ob es Habeck besser gemacht hätte, bleibt Spekulation. Fakt ist dagegen: Für seinen Verzicht im Frühjahr hat sie ihm das Erstzugriffsrecht im Herbst zugesichert, sollten die Grünen nur Juniorpartner einer neuen Regierung werden: Habeck ist jetzt Vizekanzler und hat das Gelingen der Energiewende in der Hand. Zeigt er ein glückliches Händchen, wird es vielleicht ja doch noch etwas mit der Kanzlerkandidatur.

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Am Ziel: Lindner wird zum Bundesfinanzminister ernannt.

(Foto: picture alliance/dpa)

2. Christian Lindner
Mit Beginn des Jahres 2021 wendet sich das Blatt für Christian Lindner und die FDP. Im ersten Corona-Jahr können die Liberalen weder als Partner der Bundesregierung noch mit einer Fundamentalopposition punkten. Hinzu kommt Kritik an Lindners ewiger Solo-Show als Parteichef. Die FDP kratzt in Umfragen an der 5-Prozent-Marke. Doch je stimmiger die konstruktive Kritik der FDP an der Corona-Politik vorgetragen wird, je unprofessioneller und zerstrittener sich die Union präsentiert, desto mehr geht es ab Januar für die geschlossen und frisch auftretende FDP nach oben. Angesichts von Umfragezwischenhochs um die 14 Prozent nimmt sich das Wahlergebnis von 11,5 Prozent beinahe ernüchternd aus. Doch es reicht, um die Partei in die Ampel-Regierung zu führen, wobei Freund und Feind den Eindruck gewinnen, dass die Liberalen als kleinste Partei im Dreierbündnis besonders viel für sich herausgehandelt haben. Acht Jahre nachdem Lindner seine Partei zurück in den Bundestag geführt hat, darf er nun als Bundesfinanzminister sein Traumamt ausüben. Das Versprechen, das große politische Talent der FDP zu sein, hat Lindner mehr als erfüllt.

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Schon als 12-Jähriger wollte Scholz Bundeskanzler werden, berichtet sein Vater am Tag von Scholz' Ernennung zum Regierungschef.

(Foto: picture alliance/dpa)

1. Olaf Scholz
Seine Partei hat ihn als Vorsitzenden verschmäht. Die neuen Vorsitzenden zweifelten sogar öffentlich an, ob er ein aufrechter Sozialdemokrat sei. Untersuchungsausschüsse zum Wirecard-Skandal und zur Verschonung der Hamburger Warburg Bank in einer Betrugsaffäre hingen ihm im Nacken. Das Image der SPD: seit Jahren am Boden. Dennoch startet Olaf Scholz mit der festen Überzeugung ins Jahr, nächster Bundeskanzler zu werden. Sein Generalsekretär Klingbeil mag diese Überzeugung als einziger teilen. Doch das Undenkbare gelingt, auch weil die Konkurrenten Baerbock und Laschet patzen: "Die Bürgerinnen und Bürger", wie Scholz die Menschen grundsätzlich nennt, trauen dem Bundesfinanzminister und Vizekanzler am ehesten zu, in die großen und nach 16 Jahren etwas ausgelatschten Schuhe Angela Merkels zu schlüpfen. Am Tag seiner Wahl im Bundestag platzt der 63-Jährige beinahe vor Stolz und Freude. All das ist zwar inzwischen auserzählt, ändert aber nichts daran, dass Olaf Scholz der erfolgreichste Politiker des Jahres 2021 ist. Ab jetzt gilt für ihn ein anderer Maßstab: Merkel, Kohl, Schmidt, Brandt und Adenauer.

Lesen Sie hier, wer die Flop-Politiker des Jahres 2021 sind.

Quelle: ntv.de

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