U-Boot auf dem Weg nach Haifa Deutsche Waffenlieferungen an Israel nehmen wieder deutlich zu

Das in Deutschland hergestellte U-Boot "INS Drakon" kann laut Experten mit Atomwaffen nachgerüstet werden. Nun ist es auf dem Weg nach Israel. Obwohl Waffenlieferungen an das Land umstritten sind, steigt das Volumen der von Berlin genehmigten Exporte drastisch.
Die Bundesregierung hat alleine im zweiten Quartal 2026 Waffenexporte in Höhe von rund 736 Millionen Euro an Israel genehmigt. Dies geht aus einer kleinen Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Wie der "Spiegel" berichtet, geht die außergewöhnlich hohe Summe für das Quartal vor allem auf den Verkauf eines U-Boots zurück. Die Bundesregierung selbst spreche davon, dass rund 67 Prozent des Genehmigungswerts im zweiten Quartal auf ein "Großprojekt im maritimen Rüstungsbereich" entfallen.
Gemeint ist das U-Boot "INS Drakon", das von TKMS in Deutschland gebaut wurde und sich derzeit auf dem Weg nach Israel befindet. Es ist das letzte von sechs für Israel hergestellten U-Boote dieser Art. Es ist 68 Meter lang und mit zehn Torpedo-Rohren ausgerüstet.
Die Lieferung deutscher U-Boote nach Israel ist ein zentrales Projekt der deutsch-israelischen Rüstungskooperation und läuft bereits seit vielen Jahren. Der Export ist aber auch umstritten, weil nach Meinung von Experten eine Nachrüstung mit Atomwaffen möglich ist. Außerdem stehen deutsche Rüstungsexporte nach Israel wegen des Vorgehens der israelischen Armee im Gazastreifen grundsätzlich in der Kritik. Das israelische Militär sagte, das U-Boot "INS Drakon" sei auf dem Weg in die nordisraelische Küstenstadt Haifa.
"Grenzenlose Doppelmoral"
Die Sprecherin der Linksfraktion für internationale Beziehungen, Lea Reisner, sprach angesichts des hohen Volumens bei den genehmigten Rüstungsexporten nach Israel von einer "grenzenlosen Doppelmoral" der Bundesregierung. Dem "Spiegel" sagte sie: "Während sich Friedrich Merz gerade noch angeblich über die menschenverachtenden Aussagen von Ben-Gvir empört hat, treibt seine Bundesregierung die Kooperation mit einer Regierung und einer Armee voran, gegen die vor dem Internationalen Gerichtshof der Vorwurf des Genozids verhandelt wird, die Siedlergewalt im Westjordanland unterstützt und die weiterhin den Südlibanon besetzt."
Reisner bezog sich auf den israelischen Polizeiminister. Der rechtsextreme Itamar Ben-Gvir hatte gefordert, in Gaza jede Nacht mehrere Dutzend Palästinenser zu töten. Es sollten nicht nur Menschen getötet werden, von denen unmittelbar eine Gefahr ausgehe. "Es gibt dort Menschen, die des Lebens nicht würdig sind. Sie sollten nicht leben. Sie sind nicht einmal Menschen", sagte Israels Sicherheitsminister.
Dem Magazin zufolge genehmigte die Koalition aus Union und SPD zwischen Januar und Juni Rüstungsexporte nach Israel im Wert von knapp 800 Millionen Euro. Die Zahlen belegten eine drastische Steigerung, hieß es. Die Ausfuhrgenehmigungen seien schon jetzt nach einem Halbjahr viermal so hoch wie im gesamten Vorjahr. 2025 wurden Israel demnach Waffen und Rüstungsgüter im Wert von rund 201 Millionen Euro zugesagt. Bei den Zahlen handelt es sich um vorläufige Werte, die sich noch ändern können. Zunächst geht es um genehmigte Exporte, keine tatsächlichen.