Politik

Katjuschas aus dem Libanon schlagen in Israel ein Deutsches Heim von Raketen getroffen

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Die Spuren des Einschlags sind unverkennbar. Der Einsatz von Kugellagern als "Verstärker" wird seit Jahren praktiziert.

(Foto: AP)

Aus dem Libanon werden Raketen auf Israel abgefeuert. Im Norden des Landes laufen die Menschen in die Schutzräume, Luftalarm und Explosionen sind zu hören. Eine der Raketen trifft ein Erholungsheim für Holocaust-Überlebende. Das Heim wird von Deutschland finanziert.

Aus dem Libanon sind erstmals seit knapp zwei Jahren mehrere Raketen auf den Norden Israels abgefeuert worden. Einwohner und Reporter berichteten in dem Gebiet nördlich von Haifa von Explosionen und Sirenen-Luftalarm. Die israelische Armee teilte lediglich mit, das Abwehrsystem "Eiserne Kuppel" habe eine Rakete aus dem Libanon abgefangen. Weitere Informationen hält sich das Militär zurück. Die Überprüfung sei noch nicht abgeschlossen, teilte Militärsprecher Peter Lerner in einer Pressekonferenz mit.

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Fahrzeuge und Hauswände sind von den Kugeln "durchsiebt" worden.

(Foto: dpa)

Überprüft werden derzeit noch unbestätigte Augenzeugenberichte, wonach eine 122-Millimeter Katjuscha-Rakete im Hof eines Erholungsheims für Holocaust-Überlebende eingeschlagen sei. Dabei seien mehrere Gebäude und Fahrzeuge am Haus "Beth El" in Shavei Zion beschädigt worden. Personen seien nicht zu Schaden gekommen.

Zur Zeit des Raketeneinschlags soll sich eine Gruppe von etwa 40 Holocaust-Überlebenden in dem von Deutschen betriebenen Erholungsheim aufgehalten haben. Die Arbeit in dem Heim, in dem die Bewohner einen kostenlosen Erholungsurlaub verbringen können, wird mit Spenden aus Deutschland finanziert. Alle Gäste und die Mitarbeiter des Heims seien dem Luftalarm gefolgt und hätten rechtzeitig in Schutzräumen Zuflucht gefunden, heißt es.

Rakete wohl mit Kugellager gefüllt

"In den Wänden der beschädigten Gebäude sind viele kleine Einschusslöcher zu sehen", berichteten Bewohner und Angestellte des Heims. Beobachter gehen davon aus, dass der Sprengkopf der Rakete mit Metallsplittern oder mit Kugeln aus Kugellagern gefüllt war. Das habe eine Wirkung wie international geächtete Streubomben.

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Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen.

(Foto: imago stock&people)

Auf Anfrage wollte der Militärsprecher lediglich bestätigen, dass es dem Abwehrsystem "Eisenkappe" gelungen sei, eine der mutmaßlich vier Raketen aus dem Libanon aufzufangen. Über die anderen drei machte er keine Angaben.

Auch die libanesischen Medien berichteten über den Raketenbeschuss auf den Norden Israels. Mit Vermutungen über die Urheber halten sie sich zurück. Militärsprecher Lerner vermutet indes die radikale Salafisten der Gruppe "Globaler Dschihad" hinter dem Angriff. Das lege der Abschussort nahe.

Netanjahu deutet Vergeltung an

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu deutete noch am Abend umgehend die Möglichkeit von militärischen Reaktionen an. "Jeder der uns Leid zufügt oder dies versucht, sollte wissen, dass wir zurückschlagen", sagte Netanjahu in einer Fernsehansprache, die kurzfristig ins Programm aufgenommen wurde. Die Polizei forderte alle Einwohner in der Region auf, sich in der Nähe von Schutzräumen aufzuhalten.

Zuletzt war der Norden Israels am 29. November 2011 mit Raketen aus dem Südlibanon beschossen worden. Zu dem Angriff bekannten sich seinerzeit die islamistischen Abdallah-Assam-Brigaden, die dem Al-Kaida-Netzwerk zugerechnet werden. Damals schlugen vier Raketen in Israel ein, ohne große Schäden anzurichten.

Der Südlibanon wird zum großen Teil von der schiitischen Hisbollah-Miliz kontrolliert, die sich die Vernichtung Israels zum Ziel gesetzt hat und deren militärischer Arm kürzlich von der EU als Terrororganisation eingestuft wurde. Anhaltender Beschuss Israels durch die Hisbollah war vor sieben Jahren dem zweiten Libanonkrieg vorausgegangen. Die Entführung zweier israelischer Soldaten durch die Miliz löste am 12. Juli 2006 eine großangelegte Bodenoffensive der israelischen Streitkräfte aus.

Quelle: ntv.de, mit dpa/AFP