Politik

Weniger Sorgen als vor Corona Deutschland ist zuversichtlich

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Wer hätte im März gedacht, dass im Sommer Urlaub möglich wäre? In Deutschland ist die Erleichterung über den Verlauf der Pandemie spürbar, auch in einer neuen Studie.

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschland in der Corona-Krise? Die Menschen machen sich weniger Sorgen als zuvor, besagt eine neue Studie. Weniger Ängste, mehr Zuversicht, obwohl die Zukunft ungewiss bleibt.

In Deutschland macht sich gerade Zuversicht breit. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung sind die Deutschen aktuell weniger besorgt um ihre finanzielle Zukunft als vor der Corona-Krise. Während im Februar 2020 mehr als die Hälfte der Befragten Angst davor äußerten, arm zu werden, waren es in einer Befragung von Mai und Juni nur noch 47 Prozent. "Das ist für mich das überraschendste Ergebnis", sagte Kai Unzicker, Autor der Studie, ntv.de. Erwartbar sei gewesen, dass "jetzt im Sommer die Ängste und Sorgen wachsen". Das Gegenteil ist der Fall, auch über drohende Arbeitslosigkeit machen sich die Deutschen aktuell offenbar weniger Sorgen als vor Beginn der Pandemie. Der Prozentsatz sank von 44 auf 31 Prozent.

Den überraschenden Optimismus führt der Soziologe darauf zurück, dass im Frühsommer Beschränkungen zurückgenommen wurden. Das öffentliche Leben kehrte zurück, die Produktion wurde vielfach wieder hochgefahren. "Auch begann die Diskussion: Können wir in den Urlaub fahren? Weniger Ängste und Sorgen – dieses Ergebnis drückt ganz stark aus, wie erleichtert die Menschen in dem Moment waren, dass aus ihrer Sicht der erste große Brocken geschafft war."

Zu Beginn der Corona-Krise seien die Erwartungen deutlich schlimmer gewesen als das, was dann eintrat. Die Arbeitslosigkeit stieg, jedoch weniger dramatisch als von vielen befürchtet und auch schwächer als in anderen Ländern, zum Beispiel den USA. "Hier hat die Kurzarbeit sehr viel abgefedert", so Unzicker. "Auch die Konjunkturpakete und optimistische Berichte, dass die Wirtschaft weniger stark eingebrochen sei, nährten die Hoffnung, dass Deutschland doch gut durch die Krise kommt."

Der Zusammenhalt verbessert sich

Positiv bewerten die Deutschen auch, wie die Gesellschaft derzeit zusammenhält. Nur noch 36 Prozent der Befragten in der Studie sehen den Zusammenhalt im Land in Gefahr. Im Februar, vor Beginn der Corona-Krise, waren es noch 46 Prozent gewesen. Das spricht dafür, dass Deutschland in der Lage ist, inhaltliche Konflikte - wie beispielsweise pro und kontra Maskenpflicht - auszuhalten, ohne dass der gesellschaftliche Zusammenhalt infrage gestellt wird.

Die meisten Menschen sind laut der Umfragezahlen damit zufrieden, wie die Politik mit der Corona-Krise umgeht. "Das Vertrauen in die Bundesregierung hat sich in der Zeit vor Corona, also im Februar, bis zur zweiten Erhebung in Mai und Juni verdoppelt." Der Wert stieg von 19 Prozent vor Beginn des Lockdowns auf 45 Prozent im Juni.

Die Studie, für die im Februar und März 3.010 Personen vom Umfrageinstitut Infas befragt wurden, von denen man 1000 im Frühsommer erneut interviewte, legt aber auch offen, dass die Corona-Krise schon vorhandene soziale Verwerfungen verschärft. "Für Menschen in prekären Lebenslagen, mit niedrigem Einkommen, geringer qualifiziert, Alleinerziehende, Menschen mit Migrationshintergrund war die Situation vor Corona schon schwieriger", sagt Experte Unzicker. "In unserer Umfrage stellen wir fest: Genau diese Gruppe ist auch stärker von der Krise betroffen, und diese Menschen machen sich jetzt auch die größten Sorgen, wie es weitergeht."

Die Politik müsse diese Gruppe verstärkt in den Blick nehmen. "Alleinerziehende zum Beispiel, das wissen wir, haben ohnehin mit das größte Armutsrisiko in dieser Gesellschaft. Nun mussten sie Kinderbetreuung und Arbeit unter einen Hut bringen, möglicherweise haben sie durch Kurzarbeit geringeres Einkommen. Diesen Gruppen muss man gezielt Unterstützung anbieten mit öffentlicher Versorgung."

Quelle: ntv.de