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Klimaschutz weltweit schwieriger Deutschland verdoppelt Klimafonds-Beitrag

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Brasiliens Regenwald wird immer weiter gerodet.

(Foto: picture alliance/dpa)

1,5 Milliarden Euro zahlt Deutschland ab sofort in den weltweiten Klimafonds ein. Wenige Tage vor der Weltklimakonferenz in Kattowitz gibt es aber nicht nur gute Nachrichten: Das Land mit dem größten Regenwald der Welt scheint sich vom Klimaschutz abzukehren.

Deutschland will seinen Beitrag zum Weltklimafonds (GCF) auf 1,5 Milliarden Euro verdoppeln. Das kündigte CSU-Bundesentwicklungsminister Gerd Müller in Berlin an. Müller stellte dort eine "Allianz für Entwicklung und Klima" vor, der bisher 70 deutsche Unternehmen und Verbände angehören und die den Klimaschutz vor allem auch durch internationale Zusammenarbeit voranbringen wollen. Die Ankündigung kommt wenige Tage vor der Weltklimakonferenz in Kattowitz.

Bei der neuen Allianz geht es nach Müllers Worten darum, dass die beteiligten Unternehmen und Verbände einerseits für sich selbst Klimaneutralität anstreben und andererseits "mit privatem Geld Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern finanzieren". Ziel sei es, die jetzige Zahl von 70 Teilnehmern im kommenden Jahr zu verfünf- oder zu verzehnfachen.

Bislang hatte Deutschland 750 Millionen Euro für den Weltklimafonds zugesagt, die laut Müller auch gezahlt wurden. Da der Fonds aber "überzeichnet" sei, "muss er jetzt wiederaufgefüllt werden". Die zusätzlichen Mittel sollen demnach in den kommenden zwei Jahren fließen. Der Fonds unterstützt Entwicklungsländer beim Klimaschutz und der Bewältigung von Klimafolgen.

"Ernährung und Klimaschutz sind die Überlebensfragen der Menschheit", betonte Müller. Er wies darauf hin, dass der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen in den vergangenen 30 Jahren weltweit nicht gesunken, sondern um 60 Prozent angestiegen sei. "Das Erreichen des Zwei-Grad-Ziels ist nicht in Sicht", warnte Müller mit Blick auf die Vorgabe des Pariser Klimaschutzabkkommens, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad, mindestens aber auf deutlich weniger als 2 Grad zu begrenzen. Gelinge dies nicht, dürfte es in den kommenden 20 Jahren zwischen 50 und 100 Millionen Klimaflüchtlinge weltweit geben.

Auch Deutschland ist rückständig

Der Minister räumte ein, dass auch Deutschland bei der Umsetzung seiner Ziele im Rückstand sei, wollte sich aber zur innenpolitischen Debatte etwa um den Kohleausstieg nicht näher äußern. Stattdessen richtete er den Blick auf die Entwicklungs- und Schwellenländer, wo ohne rechtzeitiges Umsteuern ein dramatischer weiterer Anstieg der Emissionen drohe. Hier werde die Entscheidung über weltweiten Klimaschutz fallen.

Auf der Weltklimakonferenz in Kattowitz wird ab kommender Woche über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beraten, auf dem das Zwei-Grad-Ziel vereinbart worden war. Vergleichsmaßstab ist die Zeit vor der Industrialisierung. Auch wegen des Ausstiegs der USA unter Präsident Donald Trump sind die Pariser Klimaziele in Gefahr.

Der Ausstieg könnte einen gefährlichen Präzedenzfall für die Abkehr von Verpflichtungen gegen den Klimawandel weltweit darstellen: Medienberichten zufolge hat Brasilien, zwei Monate nachdem es als Standort für die UN-Klimakonferenz im nächsten Jahr beschlossen wurde, diese Verpflichtung abgesagt. Die "Washington Post" berichtet, ein Sprecher des dortigen Außenministeriums habe dies mit budgetären Schwierigkeiten begründet.

Umweltschützer befürchten jedoch andere Hintergründe: Brasiliens ultrarechter baldiger Präsident Jair Bolsonaro hatte während seines Wahlkampfs versprochen, dass das Land unter seiner Regierung aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen würde. Die Absage der Klimakonferenz vor Ort könnte eine Folge seiner Wahl sein. Bolsonaro wird ab dem ersten Januar 2019 das Amt des Präsidenten übernehmen.

In Brasilien stehen 60 Prozent des Amazonas-Regenwaldes. Sollten unter Bolsanaro weitere Schritte gegen den Klimaschutz eingeleitet werden, könnte dies global fatale Folgen nach sich ziehen.

Quelle: n-tv.de, agr/AFP/dpa

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