Politik

Köln-Attentäter seit 90ern aktiv Die rechte Vergangenheit des Frank S.

Einfach ist es nicht für die Ermittler, die Motive des Attentäters von Köln zu ergründen. Medienberichten zufolge bereitete Frank S. seine Tat akribisch vor. Doch er löschte auch mögliches Beweismaterial. Spuren aus seiner Vergangenheit sind schwer zu finden.

Der Attentäter von Köln hat nach Angaben des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes jahrelang Kontakte in die rechtsextreme Szene unterhalten. Das teilte die Behörde mit. Schon in den 1990er Jahren soll der 44-Jährige in Bonn aktiv gewesen sein. Dort habe er Kontakte zur "Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei" (FAP) unterhalten, einer aggressiven Neonazi-Partei, die 1995 verboten wurde.

1994 nahm der Mann laut Verfassungsschutz an einem sogenannten "Rudolf-Heß-Gedenkmarsch" in Luxemburg teil und wurde dort von der Polizei in Gewahrsam genommen. 2008 habe er Interesse an der NPD gezeigt. In jüngster Zeit sei er sporadisch in rechtsgerichteten Online-Foren in Erscheinung getreten. Der Messerstecher von Köln war nach Einschätzung von Verfassungsschutz-Chef Burkhard Freier aber nur "eine Randperson" im rechtsextremen Lager, wie er im WDR sagte.

Wie der Kölner "Express" berichtet, bereitete Frank S. seine Tat vom Samstag akribisch vor. Die Polizei habe bei der Durchsuchung seiner Wohnung praktisch nichts Verwertbares gefunden: Aus den Computern seien die Festplatten entfernt gewesen, nicht einmal ein Personalausweis oder Aufzeichnungen waren dort. Auch sein Facebook-Profil löschte der mutmaßliche Täter. Diese Daten versucht das Landeskriminalamt nun zu rekonstruieren. Berichten zufolge will die Generalbundesanwaltschaft die weiteren Ermittlungen im Fall Reker übernehmen.

Spuren führen zur Vorgeschichte

Für die Vorgeschichte von Frank S. in den 1990er Jahren gibt es dem Blatt zufolge keine Akten, da diese nicht so lange aufgehoben würden. Dennoch konzentrieren sich die Ermittler auf rechtextreme Motive, weil viele Indizien darauf hindeuten. Unter anderem sprach der Mann bei seiner Festnahme laut Augenzeugen von "Flüchtlingsschwemme", "Reker" und "Merkel". Der "Express" zählt außerdem noch folgende Spuren auf:

  • In Bonn war S. offenbar Teil einer rund 200 Mitglieder umfassenden Kameradschaft der FAP. Das Antifaschistische Aktionsbündnis Köln gegen Rechts habe unter anderem ein Foto vorgelegt, das S. bei einem Aufmarsch im Jahr 1993 zeige.
  • In den frühen 1990er Jahren soll S. in der rechten Szene von Rostock aktiv gewesen sein. Der damals 21-Jährige wurde damals wegen eines Brandanschlags auf ein Flüchtlingsheim zu Jugendhaft verurteilt. Nach dem Brandanschlag auf das Heim in Rostock-Lichtenhagen dürfte sich dort sein Weg mit dem des Bonner FAP-Häuptlings Norbert W. gekreuzt haben, der extra anreiste, um vor Ort Interviews zu geben.
  • Hinweise gibt es auch auf einen rechtsradikalen Bekannten von Frank S. aus Bad Honnef. Dieser betreibt einen Militaria-Versand. Im Angebot unter anderem: Messer.

Unmittelbar nach der Tat hatte S. laut Zeugen gestammelt, die von ihm angegriffene Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker habe "unser Land verraten". Ebenfalls der "Express" berichtet, ein 54-jähriger Kölner habe den Attentäter angeschrien und so womöglich schlimmeres verhindert. "Ich hörte Schreie, drehte mich um und sah diesen Mann mit einem langen Messer zustechen", erzählte Martin Bachmann dem Blatt. "Als er zusätzlich ein Klappmesser rausholte, habe ich mir die Beachflag geschnappt und bin auf ihn losgegangen. Ich habe zugeschlagen und geschrien "Warum willst Du töten?" – da hat er das Messer fallen lassen. Das lange hatte er in ein Gebüsch geworfen."

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa

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