Politik

"Respektloses Verhalten anderer" Dobrindt unterstützt Essener Tafel

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Die Entscheidung der Essener Tafel sorgte vielerorts für Kritik.

imago/epd

Seit einigen Wochen nimmt die Essener Tafel nur noch deutsche Staatsbürger auf. Andere Hilfsvereine und auch die Bundeskanzlerin finden die Entscheidung falsch, der CSU-Landesgruppenchef dagegen richtig. Er will eine "Verdrängung" verhindern.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt befürwortet die Entscheidung der Essener Tafel, bis auf Weiteres nur noch Deutsche neu in ihre Kartei bedürftiger Menschen aufzunehmen. "Es ist richtig, dafür zu sorgen, dass es nicht zu einer Verdrängung kommt an der Tafel", sagte er in Berlin. Er habe mit dem Vereinsvorsitzenden Jörg Sartor gesprochen und unterstütze seine Entscheidung. Es dürfe nicht sein, dass "die, die angestammt berechtigt sind" durch respektloses Verhalten anderer von der Tafel ausgeschlossen würden.

"Der Handlungsdruck war groß an dieser Stelle", sagte Dobrindt. Die Balance müsse wieder hergestellt werden. Die Diskussion zeige, dass die Integrationsfähigkeit des Landes eine Grenze habe.

Die Essener Tafel vergibt neue Berechtigungen zum Empfang von Lebensmitteln seit dem 10. Januar vorübergehend nur noch an Bürger mit deutschem Ausweis. Die Leitung der Hilfsorganisation begründet dies mit einem sehr hohen Anteil an Ausländern: Viele ältere Menschen hätten sich deswegen nicht mehr wohlgefühlt und das Hilfsangebot nicht mehr wahrgenommen.

Mit seiner Haltung geht Dobrindt auch auf Konfrontationskurs zu Kanzlerin Angela Merkel. Sie hält nach eigener Aussage nichts von der Entscheidung der Essener Tafel. Auch Sozialverbände, Politiker verschiedener Parteien und Tafeln anderer Bundesländer halten das Vorgehen der Essener Tafel für falsch.

"Ausputzer der Nation"

Die Nationale Armutskonferenz bezeichnete den vorübergehenden Aufnahmestopp ebenfalls als "Alarmsignal" - allerdings aus anderem Grund. Die Tafeln dürften nicht länger Ausputzer der Nation sein, erklärte die Diakoniedirektorin in Berlin-Brandenburg und Armutskonferenz-Sprecherin Barbara Eschen. Die Entscheidung der Essener Tafel zeige überdeutlich, wie groß die Zahl derer ist, deren Existenzminimum nicht zum Leben reiche. Es sei "unerträglich", dass von Armut Betroffene jetzt in Konkurrenz zueinander stünden.

Die Nationale Armutskonferenz ist ein Zusammenschluss aus Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und deutschlandweit tätigen Fachverbänden und Betroffeneninitiativen.

Quelle: n-tv.de, chr/dpa

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