Politik
Drei frühere US-Präsidenten erwiesen John McCain die letzte Ehre.
Drei frühere US-Präsidenten erwiesen John McCain die letzte Ehre.(Foto: AP)
Samstag, 01. September 2018

Trump geht währenddessen golfen: Drei Ex-Präsidenten würdigen McCain

Das politische Washington nimmt Abschied von John McCain. Der langjährige Senator habe sie zu besseren Präsidenten gemacht, sagen Barack Obama und George W. Bush. Währenddessen zieht es den amtierenden Präsident auf den Golfplatz.

Bei der zentralen Trauerfeier in Washington haben die früheren US-Präsidenten Barack Obama und George W. Bush den verstorbenen Senator John McCain gewürdigt. "Er hat uns zu besseren Präsidenten gemacht, so wie er den Senat besser gemacht hat, so wie er dieses Land besser gemacht hat", sagte Obama in der Nationalen Kathedrale in der US-Hauptstadt.

Obamas Amtsvorgänger Bush sagte über McCain: "Er war ehrenhaft, immer anerkennend, dass seine Kontrahenten immer noch Patrioten und Menschen waren." Bush fügte hinzu: "Im Angesicht der Herrschenden bestand McCain darauf: Wir sind besser als das. Amerika ist besser als das." McCain habe "Machtmissbrauch" verachtet.

Die zentrale Trauerfeier fand in Washington statt. An diesem Sonntag wird der Verstorbene im US-Bundesstaat Maryland beigesetzt.
Die zentrale Trauerfeier fand in Washington statt. An diesem Sonntag wird der Verstorbene im US-Bundesstaat Maryland beigesetzt.(Foto: REUTERS)

McCain hatte die Präsidentenwahl 2008 als Kandidat der Republikaner gegen den Demokraten Obama verloren. Im Jahr 2000 unterlag er Bush in den Vorwahlen für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. US-Präsident Donald Trump nahm an der Trauerfeier für seinen innerparteilichen Widersacher in Washington nicht teil. Er besuchte stattdessen seinen Golfclub im benachbarten Bundesstaat Virginia.

McCains Tochter Meghan spielte in ihrer Trauerrede auf Trumps Wahlkampfslogan "Macht Amerika wieder groß" an: "Das Amerika von John McCain muss nicht wieder groß gemacht werden, denn das war es schon immer", sagte sie in einer tränenreichen Rede, ohne Trumps Namen zu nennen. Sie erntete dafür lang anhaltenden Applaus.

Obama: Prinzipien gehen über Politik hinaus

Obama sagte: "Präsident Bush und ich gehören zu den wenigen Glücklichen, die gegen John auf der höchsten Ebene der Politik antreten konnten." McCain habe verstanden, "dass manche Prinzipien über Politik hinausgehen, dass manche Werte über Parteien hinausgehen. Deswegen hat er eine freie und unabhängige Presse als lebenswichtig für eine gute Debatte verteidigt." Dies kann als Seitenhieb auf Trump verstanden werden, der einen Großteil der US-Medien immer wieder verunglimpft und ihnen unterstellt, bewusst unwahr zu berichten.

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McCain habe daran geglaubt, auch die andere Seite zu hören, sagte Obama. Er habe außerdem gewusst, dass Demokratie nicht funktioniere, wenn man die Wahrheit aus Gründen politischer Opportunität beugt.

Bush: "Er hat auch mich besser gemacht"

Bush und Obama waren auf persönlichen Wunsch McCains als Trauerredner zu der Zeremonie geladen worden - ein Signal der überparteilichen Einigkeit in der stark polarisierten Ära Trump. Unter den Trauergästen waren zahlreiche prominente Vertreter der verschiedenen politischen Lager. McCain, der als Außenpolitiker ein "Falke" war und die Kriege im Irak und in Afghanistan befürwortet hatte, genoss großen Respekt über Parteigrenzen hinweg.

Auch die Würdigung von Bush ließ sich als Distanzierung zu Trump verstehen. "John war vor allem ein Mann mit Haltung", sagte Bush. "Er hat die Würde jedes einzelnen Lebens respektiert - eine Würde, die nicht an Grenzen haltmacht und die nicht vor Diktatoren weicht." Der Ex-Präsident beschrieb auch, wie sich nach dem parteiinternen Wahlkampf eine Freundschaft zwischen ihm und McCain entwickelt habe. "Er hat auch mich besser gemacht", sagte Bush. Auch der frühere Außenminister Henry Kissinger ergriff das Wort.

Trump ist bei Trauerfeier unerwünscht

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Dass Trump nicht eingeladen war, hatte McCain vorab so verfügt. Das Verhältnis der beiden Republikaner war von tiefer gegenseitiger Abneigung geprägt gewesen. McCain war in seiner Partei einer der schärfsten Kritiker des Präsidenten. Trump hatte im Wahlkampf in Anspielung auf McCains Gefangenschaft in Vietnam gesagt: "Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden."

Bei der Zeremonie ließ Trump sich von Verteidigungsminister Jim Mattis, dem nationalen Sicherheitsberater John Bolton und Stabschef John Kelly vertreten. Auch Trumps Tochter Ivanka und Ehemann Jared Kushner waren in der Washingtoner Kathedrale dabei. Zu einer Gedenkveranstaltung im Kapitol am Freitag hatte Trump Vizepräsident Mike Pence geschickt.

Zu den prominentesten Demokraten bei der Trauerfeier zählten Ex-Präsident Bill Clinton und sein früherer Vizepräsident Al Gore, die ehemaligen Außenministerinnen Hillary Clinton und Madeleine Albright und Ex-Außenminister John Kerry.

Am Samstagmorgen war der Sarg mit den sterblichen Überresten McCains vom Kapitol, wo er am Freitag aufgebahrt worden war, zur Kathedrale gebracht worden. Auf dem Weg dorthin hielt der schwarze Leichenwagen am Mahnmal für die Vietnam-Veteranen an, wo die Witwe Cindy McCain einen Kranz niederlegte.

Der Vietnam-Veteran war am vergangenen Samstag im Alter von 81 Jahren nach einem einjährigen Kampf gegen einen Gehirntumor gestorben. Am Sonntag wird er auf dem Friedhof der Marineakademie in Annapolis im Bundesstaat Maryland beigesetzt.

Quelle: n-tv.de