Politik

"Folgen des Klimawandels" Dürre bringt Landwirte in Bedrängnis

c0fbde60e215d58a17aa5ddf5c27c849.jpg

Eine Szenerie wie aus Nordafrika oder dem Nahen Osten: Getreideernte bei Hildesheim.

(Foto: dpa)

Die Hitzewelle macht Landwirten in Deutschland schwer zu schaffen. Aufgrund der Trockenheit dürfte die Ernte nicht nur beim Getreide mager ausfallen. Der Bauernverband ruft nach Hilfe. Umweltministerin Schulze will die Landwirtschaft von Grund auf "krisenfester" machen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze fordert angesichts des Klimawandels ein Umdenken in der Landwirtschaftspolitik. Es müsse mit zunehmenden Extremwetterereignissen gerechnet werden, sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) mit Blick auf die zuletzt in Teilen Deutschlands registrierten heftigen Starkregen und langen Dürreperioden. Notwendig sei eine "kluge Anpassung an die jetzt schon nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels".

Die Agrarpolitik müsse Umweltaspekte stärker berücksichtigen. "Wir brauchen eine Agrarpolitik, die eine nachhaltig wirtschaftende Landwirtschaft fördert", so Schulze. Das funktioniere nur, "wenn künftig Umwelt-, Natur- und Klimaschutz integrale Bestandteile der Agrarpolitik werden", sagte sie. "Dann wäre die Landwirtschaft krisenfester - und somit auch ökonomisch robuster."

Die vom Bauernverband geforderten Dürre-Beihilfen stoßen in der Politik derweil auf wenig Gegenliebe. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bemühte sich, die Hoffnungen der Landwirte auf rasche Unterstützung zu dämpfen. "Wir müssen schauen, wie ist die Lage nach der Ernte, und dann entscheiden wir, auf welcher Ebene wir kurzfristig helfen", sagte die CDU-Politikerin.

Im Tagesverlauf kommen Vertreter von Bund und Ländern zusammen, um über die Lage in der deutschen Landwirtschaft zu beraten. Dabei soll es dem Vernehmen nach auch um etwaige Milliardenhilfen für Ernteausfälle aufgrund der ungewöhnlichen Trockenheit gehen. Herbe Einbußen werden derzeit unter anderem auch beim Anbau von Kartoffeln erwartet. Daneben kämpfen Milchbauern in einigen Landesteilen bereits mit Engpässen bei Futtermitteln. Aufgrund der ausbleibenden Regenfälle fiel die Heuernte mager aus. Viele Bauern müssen zufüttern oder ihre Vorräte für den Winter angreifen.

62acbe189e2491b06326357135ccabab.jpg

Staubtrockener Boden: "Wir brauchen schnell Unterstützung für die Betriebe."

(Foto: dpa)

Für Soforthilfen sind laut Klöckner erst einmal die Bundesländer gefordert. Nur wenn die "Wetterkapriolen" am Ende ein nationales Ausmaß hätten, würde der Bund "wie 2003" finanziell unterstützen, erklärte die Ministerin.

Landwirte fordern Staatshilfe

Der Deutsche Bauernverband verlangt rasch 1 Milliarde Euro vom Staat, um die Ausfälle auf den Feldern auszugleichen. Verbandspräsident Joachim Rukwied reagierte mit scharfer Kritik darauf, dass über Soforthilfen erst nach Vorlage des Ernteberichts Ende August entschieden werden soll. "Wir brauchen schnell Unterstützung für die Betriebe. Hier müssen in den nächsten Wochen Entscheidungen fallen, da brauchen wir nicht auf eine endgültige Erntestatistik zu warten", sagte Rukwied dem "Handelsblatt". Rukwied geht allein beim Anbau von Getreide von einem Rückgang der Ernte um 20 Prozent aus.

Nordrhein-Westfalens Agrarministerin Ursula Heinen-Esser äußerte sich mit Blick auf die Forderungen des Bauernverbands ebenfalls zurückhaltend: "Staatliche Hilfen sind nur in extremen Ausnahmesituationen und bei Existenzgefährdungen von Betrieben zu rechtfertigen", betonte sie. "So eine Ausnahmesituation liegt beispielsweise dann vor, wenn es zu mindestens 30 Prozent Ertragsrückgang kommt", erklärte die CDU-Politikerin. Aktuell könne noch nicht gesagt werden, ob dies der Fall sei.

"Pauschales Handaufhalten"

Aus den Reihen der Grünen kommen unterdessen Forderungen, etwaige Kompensationen für die Dürre an einen Kurswechsel in der Agrarwirtschaft zu knüpfen. "Die industrielle Landwirtschaft kann nicht mehr weiter so wirtschaften wie bisher", betonte Fraktionschef Anton Hofreiter in der "Rheinischen Post". Er warf dem Bauernverband "pauschales Handaufhalten" vor. Die Bauern müssten wieder mit statt gegen die Natur arbeiten.

Die Lage auf deutschen Äckern und Weiden, in Scheunen und Ställen hat damit längst auch die Bundespolitik erreicht. Für viele Bauern, so heißt es, dürfte es über kurz oder lang auch an die Existenz gehen, wenn nicht bald größere Mengen an Regen fallen. Bundesagrarministerin Klöckner wird über die Folgen der Hitzewelle in Deutschland am Mittwoch auch im Kabinett berichten. Ob dabei auch eine Entscheidung über schnelle Nothilfe fallen wird, ist noch offen.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/DJ

Mehr zum Thema