Politik

Ex-Agenten tadeln US-Prahlerei Duma-Chef sieht die USA als Kriegspartei

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Die USA würden militärische Operationen gegen Russland koordinieren und entwickeln, schreibt Wolodin.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Westen liefert zwar Waffen an die Ukraine, ist aber erpicht darauf, nicht direkt in den Krieg einzugreifen. Der Chef des russischen Parlaments Wolodin wirft den USA nun vor, sich "unmittelbar an Militäraktionen" zu beteiligen. Er könnte sich auf Geheimdienst-Aktivitäten beziehen.

Der einflussreiche russische Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin bezichtigt die USA einer unmittelbaren Beteiligung am Krieg in der Ukraine. "Washington koordiniert und entwickelt wesentlich militärische Operationen und beteiligt sich damit unmittelbar an Militäraktionen gegen unser Land", schreibt der Gefolgsmann von Präsident Wladimir Putin auf dem Nachrichtendienst Telegram.

Wolodin ist Vorsitzender der Duma, des Unterhauses des russischen Parlaments. Russland bezeichnet sein Vorgehen nicht als Krieg, sondern als militärische Spezialoperation. Die USA und ihre Verbündeten in der NATO unterstützen zwar nach eigenen Angaben die Ukraine unter anderem mit Waffen, haben aber erklärt, damit seien sie keine Kriegspartei. Allein die USA haben der Ukraine bereits milliardenschwere Militärhilfen bereitgestellt.

Doch neben militärischen Hilfspaketen mehren sich zuletzt auch Berichte über geheimdienstliche Schützenhilfe aus den USA. Mehrere US-Medien wie die "Washington Post" oder die "New York Times" hatten zuvor unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen gemeldet, die Ukraine hätte das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte "Moskwa" mithilfe von US-Geheimdienstinformationen versenkt.

Auch gab es Berichte, amerikanische Geheimdienste hätten der Ukraine dabei geholfen, russische Generäle auszuschalten. Das Weiße Haus wies das zumindest teilweise zurück. Präsidialamtssprecherin Jen Psaki sagte aber, man würde der Ukraine eine Reihe von Informationen zur Verfügung stellen. Diese würden dabei helfen, "die Bedrohung durch russische Schiffe im Schwarzen Meer zu verstehen und sich auf mögliche Angriffe von See aus vorzubereiten".

Geheimdienstler kritisieren Prahlerei

Duma-Chef Wolodin könnte sich mit seinen Aussagen darauf beziehen. Ein Bericht des "Guardian" zitiert ehemalige CIA-Mitarbeiter, die davor warnen, mit der Weitergabe von Geheimdienstinformationen zu prahlen. "Meine persönliche Ansicht ist, dass es unklug ist", sagte demnach Paul Pillar, ein früherer ranghoher CIA-Beamter.

Das Ausmaß der offiziellen Bestätigung der Rolle des US-Geheimdienstes beim Untergang der "Moskwa" und noch mehr bei der Ermordung der Generäle überrasche ihn. "Die große Sorge ist, dass diese Art der öffentlichen Bestätigung der umfassenden US-Rolle bei den Rückschlägen, die den Russen zugefügt wurden, Putin in einer Weise zur Eskalation provozieren könnte, die er sonst möglicherweise nicht für notwendig hält."

Ein weiterer ehemaliger CIA-Mitarbeiter, John Sipher, kritisiert laut "Guardian" ebenfalls das Bekanntwerden der Weitergabe von Geheimdienstinformationen. Das sei vor allem den ukrainischen Kräften gegenüber respektlos. "Es nimmt den Leuten, die tatsächlich vor Ort sind, die die Informationen nutzen, die ihre eigenen Informationen sammeln, die Tag und Nacht kämpfen, etwas weg."

Sipher, der 28 Jahre lang für die CIA gearbeitet haben soll, glaube aber nicht, dass sich durch die Intransparenz der US-Geheimdienstler die Gefahr einer Eskalation zwischen der NATO und Russland wesentlich erhöhe. "Putin weiß, wie das Spiel gespielt wird", so Sipher. Russland habe ebenfalls Jahre damit verbracht, die USA mit Cyberkrieg und Desinformation anzugreifen.

Quelle: ntv.de, mdi/rts

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