Politik

Grüne fordern NachbesserungE-Auto-Förderung ist Erfolg, aber nicht im Osten

10.08.2026, 20:10 Uhr
imageVon Clara Pfeffer und Sebastian Huld
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Ein BYD-Händler wirbt für die staatliche Förderung für einen vergleichsweise erschwinglichen Elektrokleinwagen der chinesischen Marke. (Foto: picture alliance / Snowfield Photography)

Bis zu drei Milliarden Euro will der Staat ausgeben, um Beziehern kleiner und mittlerer Einkommen den Kauf eines Elektrofahrzeugs zu bezuschussen. Neue Zahlen zeigen, das Angebot wird gut angenommen - allerdings vor allem im Westen und nicht unbedingt zum Vorteil deutscher PKW-Hersteller.

Mehr als 100.000 Menschen haben bereits einen Antrag auf tausende Euro Zuschuss zum Elektrofahrzeug gestellt, doch das im Frühjahr gestartete Förderprogramm kommt im Osten nicht an. Wie aus einer RTL und ntv vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von Grünen-Politikerin Lisa Badum hervorgeht, ist die Nachfrage in den westdeutschen Flächenländern pro Einwohner mehr als doppelt so hoch wie in den fünf ostdeutschen Flächenländern. Zudem entfällt rund ein Viertel der Anträge den Angaben des Bundesumweltministeriums zufolge auf die höchste förderfähige Einkommensgruppe von 60.001 bis 90.000 Euro zu versteuerndem Haushaltseinkommen.

Die klimapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Badum, forderte gegenüber RTL und ntv, die Einkommensgrenze auf 60.000 Euro zu senken: "Da das Programm so ein Riesenerfolg ist, muss man sich einfach überlegen: Wie gibt man das Geld schlau aus?" Die Förderung erreicht mehrheitlich zwar Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen - knapp die Hälfte der Bewilligungen gingen an Haushalte mit bis zu 45.000 Euro Jahreseinkommen. Ein weiteres Viertel betrifft Einkommen zwischen 45.000 und 60.000 Euro. Aber ein Viertel der Anträge entfällt eben auch auf Haushalte mit höherem Einkommen, die womöglich auch ohne Zuschuss ein Elektroauto kaufen würden.

Badum kritisierte zudem als "widersprüchlich", dass die schwarz-rote Bundesregierung zwar einerseits E‑Autos fördere, zugleich aber weiter über eine Verschiebung des Verbrenner‑Aus diskutiere. Auch der Tankrabatt habe schon jetzt mehr gekostet als die gesamte E-Auto-Förderung. Dass binnen zweieinhalb Monaten schon Anträge für etwa ein Achtel des bereitstehenden Fördertopfes gestellt wurden, sieht man im Bundesumweltministerium gelassen: "Vor dem Hintergrund des vorgesehenen Fördervolumens und des bisherigen Programmverlaufs stellt sich die Frage nicht, ob Bürgerinnen und Bürger, die die Anschaffung eines förderfähigen Fahrzeugs planen, befürchten müssen, dass bei Auslieferung keine Fördermittel zur Verfügung stehen." Sollten die bereitgestellten Mittel ihrem Ende entgegengehen, werde das Ministerium die Öffentlichkeit rechtzeitig informieren.

Prämie kommt gut an - vor allem im Westen

Insgesamt hat die Bundesregierung bis Ende 2029 drei Milliarden Euro eingeplant, um E-Autos je nach Einkommen mit 4000 bis 6000 Euro zu bezuschussen. Dies soll für 800.000 Fahrzeuge ausreichen. Nach Angaben des für die Förderanträge zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAfA) wurden zwischen 19. Mai und 5. August 103.500 Anträge auf die E-Auto-Förderung gestellt. In der Regel gehen die Anträge auch durch: Im Antwortschreiben der Bundesregierung an Badum heißt es, dass im Zeitraum bis 16. Juli 20.015 Anträge bewilligt und nur 291 abgelehnt worden seien. "Das sind tatsächlich sehr gute Zahlen. Und es zeigt aus meiner Sicht, dass die Gesellschaft wirklich weiter ist als die Bundesregierung", sagte Badum.

Auffällig: Die Förderung wurde in den ersten beiden Monaten im Westen ungleich besser nachgefragt als im Osten. Auf Saarland entfielen pro 100.000 Einwohner rund 34 Anträge, gefolgt von Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein mit rund 31 und 29 Anträgen pro 100.000 Einwohner. Die Werte für die ostdeutschen Flächenländer sind allesamt niedriger als im Westen: zwischen rund 19 Anträgen pro 100.000 Einwohner in Thüringen und 13 Anträgen pro 100.000 Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern. Bei annähernd gleich großer Zahl an Einwohnern wurden in dem Zeitraum 1282 Anträge aus Rheinland-Pfalz bewilligt und nur 544 aus Sachsen.

Auf Nachfrage von RTL und ntv erklärte das Bundesumweltministerium hierzu: "Etwaige Unterschiede können vielfältige Ursachen haben." Zudem sei das Förderprogramm "nicht darauf ausgerichtet, regionale Unterschiede auszugleichen; eine regionale Differenzierung der Förderung ist daher nicht vorgesehen". In einer Umfrage des Versicherers HUK-Coburg zeigen sich auch bei den Großstädten deutliche Unterschiede: Stuttgart liegt mit einem E‑Auto‑Anteil von 5,3 Prozent am gemeldeten Fahrzeugbestand vorn. In Dresden und Leipzig liegt der Anteil bei weniger als der Hälfte.  

Umfrage: Ausländische Hersteller profitieren

Der Start der Förderung fällt zeitlich mit den wegen der Sperrung der Straße von Hormus stark gestiegenen Spritpreisen zusammen. In einer repräsentativen Befragung der HUK Coburg gaben 24 Prozent an, nur wegen dieser Teuerungen erstmals über ein E‑Auto nachzudenken oder einen geplanten Kauf vorzuziehen. Zum ersten Mal bewertet außerdem mehr als die Hälfte der Deutschen Elektroautos inzwischen als "gut" oder "sehr gut".

Nach der HUK‑Auswertung profitieren allerdings vor allem ausländische Marken von den Umstiegen auf neue E‑Autos. Der chinesische Hersteller BYD steigerte seinen Anteil in dieser Gruppe von 0,8 auf 3,3 Prozent, der ebenfalls chinesische Hersteller Leapmotor von 1,8 auf 3,4 Prozent. Die US-Firma Tesla legte nach einem Einbruch im Vorjahr wieder auf 12,2 Prozent zu. Die deutschen Hersteller verloren bei den Wechseln von Verbrennern auf neue E‑Autos dagegen überwiegend Anteile. Auch Zahlen des Kraftfahrzeugbundesamts deuten auf hohen Zuspruch zu chinesischem Herstellern, die vor allem mit Elektroautos auf den Markt drängen: BYD etwa steigerte seinen Absatz auf 5240 Autos im vergangenen Juli - im Vorjahresmonat waren es noch 1126 neu zugelassene Pkw.

Das Bundesumweltministerium erklärte gegenüber RTL und ntv, anhand der bisherigen Bewilligungen lasse sich nicht bestätigen, dass der größte oder überwiegende Teil der geförderten Fahrzeuge auf in China produzierende Hersteller in chinesischem Mehrheitsbesitz entfalle. "Aufgrund des noch kurzen Förderzeitraums und der hohen Dynamik des Marktes für Elektrofahrzeuge mit fortlaufenden Modellneueinführungen lassen sich daraus noch keine belastbaren Rückschlüsse auf die Verteilung der Förderung über die Gesamtlaufzeit des Förderprogramms ziehen", so das Ministerium.

Insgesamt zog die Nachfrage nach Elektroautos zuletzt deutlich an: Nach Zahlen des Kraftfahrzeugbundesamts war im vergangenen Juli jedes dritte neu zugelassene Auto rein elektrisch - insgesamt 78.609 E-Autos, was einer Steigerung um 62 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspreche. Reine Elektroautos bleiben im deutschen Fahrzeugbestand dennoch eine Minderheit. Zum 1. Januar 2026 waren 2,03 Millionen batterieelektrische Pkw zugelassen - gut vier Prozent aller Pkw. Das frühere Ziel von mindestens 15 Millionen vollelektrischen Pkw bis 2030 ist damit weit entfernt: Rein rechnerisch müssten künftig fast neun von zehn neu zugelassenen Autos elektrisch sein, um das Ziel noch zu erreichen.

Quelle: ntv.de

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