Nach Ehren für KriegsverbrecherEU-Kommissarin sagt Serbien-Reise wegen "Verherrlichung" Mladics ab

Mit militärischen Ehren wird der Leichnam des bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers Mladic in Belgrad empfangen. Das geht der EU-Erweiterungskommissarin Kos zu weit. Sie ändert kurzfristig ihre Reisepläne und mahnt das Land mit Blick auf den angestrebten EU-Beitritt.
Die Ehrung des vor wenigen Tagen gestorbenen bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers in Serbien hat zu Spannungen zwischen Serbien und der EU geführt. Wegen der "Verherrlichung" Ratko Mladićs in Serbien sagte EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos einen für die kommende Woche geplanten Besuch in Serbien ab.
Der Leichnam des 84-Jährigen war am Donnerstag mit einem serbischen Regierungsflugzeug aus den Niederlanden nach Belgrad gebracht und dort mit militärischen Ehren empfangen worden. Auf dem Weg vom Flughafen versammelten sich Menschen auf Autobahnbrücken, hielten Transparente zu Ehren Mladićs hoch und zündeten Leuchtfackeln, uniformierte Polizisten salutierten am Straßenrand.
Mladić sei wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen während des Bosnien-Kriegs verurteilt worden, betonte Kos. Die "Verherrlichung" des früheren bosnisch-serbischen Militärchefs sei "unvereinbar" mit den Werten, auf denen Serbiens Weg in die EU beruhe, erklärte sie im Onlinedienst X. Dazu gehörten eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, ehrliche Versöhnung und Respekt vor den Opfern.
Serbiens Präsident Aleksandar Vučić wies die Kritik zurück. Die Vorwürfe von Kos seien "dumm", sagte er. "Sollten wir die Beerdigung verbieten? Den Menschen verbieten, daran teilzunehmen?" Der Staatschef hatte zuvor erklärt, er rechne mit zehntausenden Besuchern bei Mladićs Beisetzung. Mladić soll am kommenden Montag in Belgrad beigesetzt werden, wie sein Sohn Darko am Freitag mitteilte.
Wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs war Mladić 2017 vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Während des Krieges zwischen 1992 und 1995 wurden rund 100.000 Menschen getötet, etwa 2,2 Millionen Menschen mussten fliehen.