Politik

Nach Jahrzehnten auch in Polen Ehemalige Ghettoarbeiter bekommen Rente

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Zwei Juden während des Warschauer Ghettoaufstands.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Es war ein Spiel auf Zeit. Erst Jahrzehnte nach dem Weltkrieg zahlte Deutschland ehemaligen Ghettoarbeitern Renten aus - und das oft zögerlich. Erst jetzt sollen auch ehemalige Ghettobeschäftigte in Polen Renten bekommen. Viele sind es nicht mehr.

Fast 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bekommen auch ehemalige Ghettoarbeiter, die in Polen wohnen, eine Rente. Ein entsprechendes Gesetz hat der Bundesrat nun gebilligt.

Ob noch viele in den Genuss dieser Regelung kommen, ist allerdings höchst fraglich. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums wurden bei der Deutschen Rentenversicherung rund 500 Anträge auf Ghetto-Rente aus Polen gestellt. Unbekannt sei allerdings, wieviele der Antragsteller noch leben.

Nach den bisherigen Bestimmungen konnten die in Polen lebenden früheren Ghettobeschäftigten eine solche Rente nicht beziehen. Die Bundesrepublik hatte mit Polen im vergangenen Dezember ein Abkommen zur Auszahlung der Renten an Bürger des Nachbarlandes abgeschlossen, das mit dem jetzigen Gesetz besiegelt wird.

Jahrzehnte stand Ghettoarbeitern überhaupt keine Rente zu. Die Arbeit im Ghetto galt als Zwangsarbeit, und diese sei bereits entschädigt worden aus Mitteln der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, so hieß es. Dabei zahlten Ghettoarbeiter von ihrem Lohn durchaus noch Sozialversicherungsbeiträge und füllten damit die deutsche Rentenkasse.

Erste Ghettorente 1997

Erstmals erstritt 1997 eine jüdische Überlebende des Ghettos von Lodz eine Rente. Fünf Jahre später reagierte auch der Bundestag und beschloss einstimmig ein Gesetz zur "Zahlbarmachung von Renten aus Beschäftigungen in einem Ghetto". Danach sollten Ghettoarbeiter rückwirkend ab dem 1. Juli 1997 eine Rente erhalten.

Allerdings stand in den Jahren danach immer wieder die zögerliche Auszahlungspraxis der Rentenkassen in der Kritik. Ein Großteil der Anträge wurde abgelehnt oder nur zögerlich behandelt - unterdessen starben viele ehemalige Ghettoarbeiter. Insgesamt wurden nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums bis Mitte Februar 55.600 Ghetto-Renten bewilligt.

Polen war eines der Länder, das am meisten unter der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik im Zweiten Weltkrieg gelitten hat. Rund 6 Millionen Polen starben, die Hälfte von ihnen waren Juden.

Quelle: ntv.de, ghö/AFP

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