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"Aktion Erntefest" unterstützt Ehemaliger SS-Wachmann angeklagt

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Im Konzentrationslager Majdanek wurden mehr als 70.000 Menschen getötet.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Es ist mehr als 70 Jahre her, nun soll sich ein ehemaliger SS-Wachmann vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Er soll unter anderem eine Massenerschießung in einem KZ unterstützt haben. Mehr als 17.000 Juden starben.

Einem ehemaligen SS-Wachmann des Konzentrationslagers Majdanek soll in Frankfurt der Prozess gemacht werden. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen den 96-Jährigen aus Frankfurt Anklage wegen Beihilfe zum Mord. Ihm wird vorgeworfen, als Wachmann im Zweiten Weltkrieg zwischen August 1943 und Januar 1944 Teil der Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten gewesen zu sein. Als Angehöriger der fünften Kompanie des SS-Totenkopfsturmbanns soll der damals 22 Jahre alte Mann regelmäßig Wachdienst verrichtet und dabei mit der Sicherung des Lagers und der Bewachung der zur Tötung bestimmten Gefangenen befasst gewesen sein.

Der Staatsanwaltschaft zufolge soll der Beschuldigte ebenso wie alle anderen SS-Angehörigen des Lagers um die Grausamkeit der organisierten Massentötungen gewusst haben. Ihm soll zudem bekannt gewesen sein, "dass die ihrem Schicksal arg- und wehrlos gegenüberstehenden Menschen aus rassischen menschenverachtenden Motiven getötet wurden", heißt es in der Anklage.

Im Einzelnen wird dem 96-Jährigen vorgeworfen, am 3. November 1943 die sogenannte "Aktion Erntefest" unterstützt zu haben, bei der mindestens 17.000 deportierte jüdische Gefangene im Konzentrationslager Lublin-Majdanek in eigens ausgehobenen Gräben erschossen wurden. Mit seiner Tätigkeit als Teil einer Postenkette sowie als Turmwache soll er dazu einen Beitrag geleistet und die heimtückischen und grausamen Taten wissentlich und willentlich gefördert haben.

Der Verdacht gegen den in Frankfurt am Main wohnenden Mann stützt sich demnach auf Vorermittlungen der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg, die seit 2012 geführt wurden.

Ob der Prozess gegen den 96-jährigen Frankfurter zustande kommt und die Anklage zugelassen wird - darüber muss nun das Landgericht entscheiden. Verhandlungsfähig ist der betagte Angeklagte jedenfalls, wie Oberstaatsanwältin Nadja Niesen sagte. Der Beschuldigte sei begutachtet worden. Demnach dürfe nicht mehr als zwei Tage pro Woche verhandelt werden, und auch nur maximal zwei Stunden pro Tag.

Rechtspraxis hat sich verändert

In Deutschland hatte es in den vergangenen Jahren noch einmal mehrere Strafprozesse wegen der Massenmorde in Konzentrations- und Vernichtungslagern während des Holocausts gegeben. Dabei ging es bisher allerdings stets um Taten im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Im wohl bekanntesten Fall verurteilte das Landgericht Lüneburg den früheren SS-Buchhalter Oskar Gröning 2015 wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen zu vier Jahren Haft.

Hintergrund ist eine veränderte Rechtsprechungspraxis. Anders als früher gingen deutsche Staatsanwälte und Richter in den vergangenen Jahren dazu über, Mitglieder des Lagerpersonals auch dann wegen Beihilfe zum Massenmord anzuklagen und zu verurteilen, wenn sie damals nicht unmittelbar an Tötungen mitwirkten. Seit der Bundesgerichtshof die Revision gegen das Gröning-Urteil verwarf, ist dies höchstrichterlich abgesegnet.

Die auf NS-Verbrechen spezialisierten Ermittler der bundesweit tätigen Zentralen Stelle in Ludwigsburg befassten sich daraufhin neben den Verbrechen in Auschwitz-Birkenau schwerpunktmäßig auch noch einmal mit möglichen Tätern des weitaus weniger bekannten Lagers in Lublin-Majdanek. Das Lager im damals von Deutschland besetzten Ostpolen war einerseits ein Gefangenen- und Zwangsarbeiterlager, diente nach historischen Erkenntnissen daneben aber auch als ein Vernichtungszentrum.

So waren dort Gaskammern in Betrieb, in denen massenhaft kranke und schwache Gefangene getötet wurden. Die Lebensbedingungen in dem Lager galten zudem als besonders schrecklich. Insgesamt starben dort mutmaßlich 78.000 Menschen. Bei der sogenannten Aktion Erntefest im Spätherbst 1943 diente es außerdem noch als eines von drei Erschießungszentren.

Dabei töteten deutsche SS- und Polizeieinheiten in nur zwei Tagen die letzten polnischen Juden, die den Holocaust bis dahin etwa als Zwangsarbeiter überlebt hatten. Sie wurden in den Lagern zusammengetrieben und erschossen. Insgesamt waren es 42.000 Menschen.

Quelle: hny/dpa/AFP

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