Politik

UNESCO-Beratung in Sevilla Elbtal verbaut sich Welterbe

Dem Dresdner Elbtal droht wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke die Aberkennung des Welterbetitels. Das Wattenmeer kann dagegen auf die Auszeichnung hoffen - es wäre die erste deutsche Naturlandschaft auf der Liste.

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Blick auf das Dresdner Elbtal. Im Hintergrund ist die Baustelle der geplanten Waldschlößchenbrücke zu sehen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

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Das ist absolut kein Welterbe: Die Computersimulation von der Grünen Liga Sachsen zeigt eine Darstellung der Waldschlößchenbrücke über die Elbe.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Deutschland drohen weltweit negative Schlagzeilen: Im südspanischen Sevilla berät das Welterbekomitee der UNESCO über die Zukunft des Dresdner Elbtals als Welterbe. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist in der Beschlussvorlage die Aberkennung des begehrten Titels vorgesehen. Eine solche Entscheidung gab es zuvor erst einmal in der UNESCO-Geschichte. Eine endgültige Entscheidung sei für den Mittwoch vorgesehen, teilte der Sprecher der deutschen UNESCO, Dieter Offenhäußer, der dpa mit.

Grund für den vermutlich bevorstehenden Titelverlust ist der Bau der "Waldschlößchenbrücke" in dem rund 20 Kilometer langen Flussabschnitt. Die UNO-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation hatte mehrfach kritisiert, dass das Bauwerk das Elbtal irreversibel zerschneidet und die Kulturlandschaft mit ihren Flussauen zerstört. Zum Auftakt der 33. Sitzung, die noch bis Monatsende dauert, hatten die Teilnehmer zu einem besseren Schutz einzigartiger Kultur- und Naturstätten weltweit aufgerufen. Es müsse gewährleistet werden, dass diese auch künftigen Generationen erhalten bleiben. Der Erhalt des Kultur- und Naturerbes müsse den gesamten Globus umspannen, erklärte die Präsidentin des UN-Gremiums, María Jesús San Segundo.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Stadt Dresden hofft dennoch, dass die Vertreter aus 21 Ländern – Deutschland ist nicht darunter - ihre Entscheidung bis zur Fertigstellung der Brücke aufschieben. Doch seit drei Jahren schon steht die einzigartige Kulturlandschaft wegen des Baus der Brücke auf der Roten Liste des gefährdeten Weltkulturguts. Dass die UNESCO Dresden nochmals eine Galgenfrist gewährt und die Entscheidung vertagt, gilt als unwahrscheinlich.

"Wenn die Konstruktion der Brücke nicht gestoppt und der Schaden gutgemacht wird, wird (das Elbtal) 2009 von der Liste des Welterbes gestrichen", erklärte die UNESCO im vergangenen Jahr. Zum ersten Mal hatte die UNESCO 2007 einen Welterbetitel aberkannt. Das arabische Land Oman hatte die Verkleinerung eines Naturschutzgebiets um 90 Prozent beschlossen, weil es in der Region Erdgas und Öl fördern will.

"Dammbruch" in Dresden befürchtet

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Die Baustelle der umstrittenen Brücke. Werden jetzt alle Elbauen zubetoniert?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mit einem Verlust des UNESCO-Welterbe-Titels befürchtet Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange weitere schädliche Bauinvestitionen im Dresdner Elbtal. "Wenn die UNESCO den Titel aberkennt und es nicht gelingt, die Flusslandschaft mit einem Schutz zu belegen, haben wir einen Dammbruch, dass ins Elbtal hineingebaut wird", sagte die SPD-Politikerin. Die Elbauen seien aus Sicht reicher Investoren für eine Bebauung attraktiv. "Ich kann nur hoffen, dass die Stadt Dresden klug genug ist, anderen Schaden in der Landschaft zu verhindern."

Gute Chancen für das Wattenmeer

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Das Wattenmeer hat gute Chancen auf den Welterbe-Titel: Blick bei Niedrigwasser auf den Leuchtturm von Westerhever an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste.

(Foto: dpa)

Einziger Trost für Deutschland dürfte die Entscheidung der Komitee-Mitglieder über das Wattenmeer werden. Die Chancen auf den Welterbetitel stehen gut. Die Aufnahme des Feuchtgebiets als eine der letzten ursprünglichen Naturlandschaften Mitteleuropas hatten der Bund, die Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie die Niederlande beantragt. Gibt es ein "Ja" aus Sevilla, stünde das Watt auf einer Stufe mit so bekannten Naturwundern wie dem Great Barrier Reef, dem Grand Canyon, den Galapagos-Inseln oder dem Serengeti-Nationalpark.

Bewerbungen aus 30 Staaten

Insgesamt liegen dem Komitee Bewerbungen aus 30 Staaten vor. Die Barockstadt Schwetzingen (Baden-Württemberg) hatte ihr Schloss und die Gartenanlagen für die Welterbe-Liste nominiert, den Antrag dann aber zurückgezogen. Sie musste eine Ablehnung befürchten und will sich so eine zweite Chance wahren. Die Stadt Stuttgart setzt sich weiter für einen Welterbetitel für die Weißenhofsiedlung ein. Zwei der Gebäude sind gemeinsam mit 21 weiteren Bauwerken des französischen Architekten Le Corbusier in Frankreich, Argentinien, Belgien und Japan für das Weltkulturerbe nominiert.

Diskussionen gab es bis zuletzt über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Rheinland-Pfalz will in diesem Jahr die Entscheidung über einen Brückenbau treffen. Vom Welterbekomitee erhofft es sich eine klare Stellungnahme dazu, ob das Bauwerk mit dem Welterbetitel vereinbar ist.

Für eine Aufnahme in die Welterbeliste haben sich zudem Österreich mit der historischen Altstadt und dem Schloß Eggenberg in Graz, die Schweiz mit der Stadtlandschaft Uhrenindustrie La Chaux-de-Fonds/Le Locle, Italien mit den Dolomiten oder Brasilien mit dem Goldweg von Paraty beworben.

Weltweit 878 Stätten sind Welterbe

Die UNESCO hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kulturleistungen der Menschheit und Naturphänomene von "außergewöhnlich universellem Wert" zu erhalten. Weltweit sind 878 Stätten in 145 Staaten auf der Welterbe-Liste verzeichnet, darunter 33 in Deutschland. Zuletzt wurden 2008 die Siedlungen der Moderne in Berlin aufgenommen, die einen neuen Typus des sozialen Wohnungsbaus aus der Zeit der klassischen Moderne darstellen. Über Neuaufnahmen entscheidet das jährlich tagende Welterbe-Komitee.

Quelle: ntv.de, hdr/dpa

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