Politik

Lücke im MH17-Bericht Ermittler: Rakete kam aus Rebellen-Gebiet

Die Ermittler bestätigen in ihrem Abschlussbericht: Der Passagierjet MH17 wurde im Sommer 2014 von einer Buk-Rakete abgeschossen. Von wo sie gestartet wurde, erklären die Experten allerdings an anderer Stelle und auch erst später.

Das im Juli 2014 über der Ostukraine abgestürzte Flugzeug der Malaysian Airlines wurde von einer Buk-Rakete russischer Bauart abgeschossen. Eine Buk-Rakete sei auf der linken Seite des Cockpits von Flug MH17 eingeschlagen, erklärten die niederländischen Ermittler bei der Vorlage des Abschlussberichts zu dem Unglück. Die Ermittler kritisierten, dass die Ukraine den Luftraum über der umkämpften Ostukraine damals nicht gesperrt hatte.

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Der Ermittlungsbericht wurde vor den zusammengesetzten Trümmern von MH17 vorgestellt.

(Foto: REUTERS)

Das Flugzeug wurde nach Angaben des niederländischen Sicherheitsrates vom Gebiet der pro-russischen Rebellen aus abgeschossen. Das sagte der Vorsitzende des Rates, Tjibbe Joustra, dem niederländischen Fernsehen. Bei der Vorstellung des Abschlussberichtes hatte Joustra zuvor noch erklärt, dass nicht genau festzustellen sei, wo die Rakete abgefeuert worden war. Später sagte er jedoch: "Es ist ein Gebiet, wo die Grenzen fließend waren. Aber es ist ein Gebiet, wo die pro-russischen Rebellen die Kontrolle hatten." Das bestätigte eine Sprecherin des Sicherheitsrates.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte betonte, dass nun die strafrechtliche Verfolgung der Täter Priorität habe. Er forderte Russland auf, bei den strafrechtlichen Ermittlungen vollständig mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Die Klärung der Schuldfrage war nicht Aufgabe der Kommission. Dies ist Sache der Staatsanwaltschaft. Diese erklärte, sie habe Verdächtige identifiziert. Die Ermittlungen würden aber nicht mehr in diesem Jahr abgeschlossen.

Zuvor hatte der Sicherheitsrat mehrere hundert Angehörige der Opfer über die Untersuchungsergebnisse informiert. Die Menschen in der Maschine hätten den Absturz kaum bewusst miterlebt, stellte der Rat fest. Die meisten müssen bereits in wenigen Sekunden bewusstlos oder tot gewesen sein. Alles sei sehr schnell und unerwartet geschehen, heißt es in dem Bericht. Es gab demnach kaum Zeit für eine bewusste Reaktion.

War Geschoss eine ältere Buk-Rakete?

Der russische Hersteller der Buk-Raketen widersprach der niederländischen Version. Nach Angaben der staatlich kontrollierten Firma Almaz Antey hätten Tests gezeigt, dass die Rakete nicht von einem von prorussischen Rebellen gehaltenen Gebiet abgeschossen worden sein könne, sondern von einem umkämpften Gebiet aus. Zudem habe es sich bei dem Geschoss um eine ältere Buk-Version vom Typ 9M38 gehandelt, die vom russischen Militär nicht mehr verwendet werde.

Sowohl Russland wie die Ukraine verfügen über Buk-Raketen. Westliche Länder wie die USA und die Ukraine hatten Moskau nach dem Abschuss von Flug MH17 vorgeworfen, den Rebellen in der Ostukraine die Raketen zumindest geliefert zu haben. Moskau bestreitet dies und macht die Ukraine verantwortlich.

Da der Abschlussbericht die Täterfrage offenlässt, vereinbarten die Ukraine und die Niederlande eine enge Zusammenarbeit bei der Suche nach den Schuldigen des Absturzes. Das teilte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko nach einem Telefonat mit dem niederländischen Regierungschef Mark Rutte mit. Vertreter beider Länder wollten zunächst mit Kollegen aus Australien, Malaysia und Belgien die strafrechtlichen Ermittlungen zum Abschuss der Passagiermaschine über der Ostukraine abschließen. Anschließend solle ein "optimaler Mechanismus" gefunden werden, um die Schuldigen der Katastrophe von Juli 2014 zu bestrafen.

Quelle: ntv.de, jog/kpi/AFP/dpa/rts

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