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Nobert Röttgen sieht Zäsur "Es wird eine tiefe Entfremdung geben"

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Norbert Röttgen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Er ist der Vorsitzende im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages und spürbar geschockt. Norbert Röttgen erwartet nach der Wahl von Donald Trump dramatische Veränderungen  - nicht nur innerhalb der USA.

n-tv: Ist Deutschland ausreichend vorbereitet auf die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit einem Präsidenten Donald Trump?

Norbert Röttgen: Nein, das sind wir nicht.

Warum nicht?

Das kann man nicht sein. Das wäre ja sozusagen der Plan B, aber da der amerikanische Präsidentschaftskandidat keinen Plan A hatte, konnte man sich auch nicht darauf vorbereiten. Wir wissen - und das ist das Günstigste, was man sagen kann – schlicht nicht, wie seine Außenpolitik aussehen wird. Ich glaube, das weiß er selber nicht und auch das Personal, das er mitbringen wird, kennen wir überhaupt nicht. Ich glaube, er auch nicht.

Kann man Ihren Gemütszustand mit dem Wort "schockiert" zusammenfassen?

Ja. Ich bin darüber schockiert, was stattgefunden hat. Dass ich damit nicht gerechnet habe, ist nicht das Wesentliche. Meine Befürchtung ist, dass das eine dramatische Zäsur auch von historischer Dimension ist für die USA selber, aber auch für die Rolle der USA in der Welt und auch für das transatlantische Verhältnis. Ich glaube, das wird eine tiefe Entfremdung geben und darum halte ich das für einen dramatischen historischen Moment, den wir erleben.

Wo befürchten Sie denn die dramatischsten Auswirkungen des Regierungswechsels in den USA? Auf welchem Gebiet werden die Veränderungen am stärksten sein?

Es ist schwer voraussagbar, weil der Kandidat Trump zur Außenpolitik keine wirklich genauen zusammenhängenden Angaben gemacht hat. Er hat mal eben im Vorbeigehen die Nato infrage gestellt. Er hat angekündigt, sich sehr positiv dem Autokraten Wladimir Putin zuzuwenden. Er hat irgendetwas von der Verbreitung von Nuklearwaffen, die er weitergeben möchte, erzählt. Insgesamt könnte es sein, dass die Erwartung an ihn auf die amerikanische Innenpolitik gerichtet wird und er hat ja gesagt "America great".

Es wird sich also auch die Rolle der USA in der Weltpolitik wandeln.

Ja. Trump ist ein großes Ich-Programm und darum könnte es sein, dass es einen großen Rückzug gibt und Amerika nicht mehr als ein stabilisierender Faktor für eine internationale, liberale Ordnung auftreten wird. Das in einer Zeit, in der sich die Welt immer weiter atomisiert, chaotisiert, wo wir die Amerikaner dringend bräuchten.

Mit Norbert Röttgen sprach Christoph Teuner

Quelle: n-tv.de

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