Politik

"Erhebliche Unsicherheiten" Ethikrat lehnt Immunitätsnachweise ab

Seit Beginn der Pandemie gibt es in Deutschland immer wieder die Diskussion um einen möglichen Immunitätsnachweis. Ein Dokument, das jeder bekommt, der gegen das Coronavirus immun ist. Doch wie sicher ist eine solche Bescheinigung? Der Ethikrat hat zumindest zur aktuellen Lage eine klare Meinung.

Der Deutsche Ethikrat lehnt eine Einführung von Immunitätsnachweisen für das Coronavirus derzeit klar ab. Grund seien "erhebliche Unsicherheiten" über die Immunität und die Aussagekraft von Antikörpertests, erklärte das unabhängige Beratergremium in einer in Berlin vorgelegten Stellungnahme. Zugleich sollten frei verkäufliche Tests zum Nachweis einer Unempfindlichkeit gegen das Coronavirus wegen "zweifelhafter Verlässlichkeit" und eines daraus folgenden Gefährdungspotenzials strenger reguliert werden. Die Empfehlung des Ethikrats fiel einstimmig aus.

Derzeit gehen Experten zwar davon aus, dass genesene Patienten nur ein geringes Risiko haben, ein zweites Mal an Covid-19 zu erkranken. Bislang ist aber noch unklar, wie lange die Immunität bei Menschen mit überstandener Sars-CoV-2-Infektion anhält, wie robust diese ist und ob es von Mensch zu Mensch Unterschiede gibt.

Kritik an Spahns Plänen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte einen solchen Immunitätsausweis ursprünglich geplant. Falls wissenschaftlich bewiesen ist, dass nach einer Coronavirus-Infektion Immunität besteht und ein Genesener niemanden mehr anstecken kann, sollten sich die Betroffenen diese Immunität bescheinigen lassen können - analog zum Impfpass.

Im Mai legte er sein Vorhaben allerdings zunächst auf Eis. Zugleich bat er den Deutschen Ethikrat um eine Stellungnahme. Hintergrund war breite Kritik an ursprünglichen Plänen, dass Immunitätsausweise auch Ausnahmen von Alltagsbeschränkungen ermöglichen könnten. Spahn zog die Pläne auch nach scharfem Protest des Koalitionspartners SPD zurück.

Gremium bei Zukunftsbewertung gespalten

Für den Fall, dass eine Immunität künftig hinreichend verlässlich nachweisbar sein sollte, gab es demnach unterschiedliche Auffassungen, inwiefern eine Einführung solcher Bescheinigungen zu empfehlen wäre. Die eine Hälfte der Experten hält unter bestimmten Voraussetzungen eine stufenweise anlass- und bereichsbezogene Einführung einer Immunitätsbescheinigung für sinnvoll. Zugleich warnt sie, dies dürfe nur auf freiwilliger Basis passieren, und es dürfe auch keinen Druck etwa von Arbeitgebern oder Versicherungen geben. Die andere Hälfte der Ratsmitglieder lehnt einen solchen staatlich kontrollierten Immunitätsausweis auf jeden Fall aus praktischen, ethischen und rechtlichen Gründen ab.

Der Deutsche Ethikrat berät über zentrale ethische Fragen und gibt regelmäßig Stellungnahmen ab. Dem Gremium gehören 26 Mitglieder an, die je zur Hälfte auf Vorschlag des Bundestages und der Bundesregierung benannt werden. Die Mitglieder werden dann vom Bundestagspräsidenten für die Dauer von vier Jahren berufen. Darunter sind Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen.

Quelle: ntv.de, hek/AFP/dpa