Politik

Teilweise Überlastung möglich Expertenrat warnt vor Gefährdung des Gesundheitssystems

269869993.jpg

Durch die Omikron-Welle wird es laut Experten auch beim Pflegepersonal zu Ausfällen kommen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach Einschätzung des Corona-Expertenrats der Bundesregierung werden die kommenden Wochen für die Krankenhäuser in Deutschland eine "erhebliche Belastung und regional auch Überlastung" bedeuten. Das Gremium empfiehlt deshalb, Personal umzuverteilen und Operationen zu verschieben.

Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung hat wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante vor einer "erheblichen Belastung und regional auch Überlastung der Krankenhäuser" gewarnt. Auch ambulante Versorgungseinrichtungen wie Praxen und Tageskliniken könnten überlastet werden, wenn es zu "sehr hohen Inzidenzwerten" komme, heißt es in einer Stellungnahme. "Ein hohes Patientenaufkommen kombiniert mit akutem Personalmangel kann innerhalb von kurzer Zeit die allgemeine medizinische Versorgung in Deutschland gefährden."

"Da auch Geimpfte wieder in das Infektionsgeschehen mit einbezogen werden, entsteht ein weiteres wesentliches Problem durch Personalausfälle aufgrund von Ansteckungen innerhalb der Belegschaften von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und ambulanten Versorgungsstrukturen", hießt es in der einstimmig beschlossenen Stellungnahme, die vor den Bund-Länder-Beratungen am Freitag zu Corona veröffentlicht wurde. Alle medizinischen und pflegerischen Einrichtungen müssten sich deshalb "auf eine erhebliche Belastungssituation einstellen".

Notaufnahmen wie Normalstationen müssten sich auf die "vermehrte Beanspruchung" vorbereiten, gerade auch Kinderkliniken, die "ohnehin eine eng limitierte stationäre Versorgungskapazität" aufwiesen. Neben der Umverteilung von Personal raten die Experten zudem zur Verschiebung planbarer Eingriffe. Die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung werde "angesichts einer bereits jetzt schon sehr angespannten Personalsituation nur durch eine abgestufte Aussetzung planbarer Eingriffe" möglich sein, hieß es. "Daher sollten in allen Bundesländern Vorbereitungen zur Reduktion planbarer Eingriffe getroffen werden, die im Falle einer starken Belastung ad hoc aktiviert werden können."

Keine konkrete Empfehlung bei Quarantäne

In der Debatte um verkürzte Quarantänezeiten blieben die Experten bei Kranken- und Pflegeeinrichtungen zurückhaltend und gaben keine konkrete Empfehlung. "Für die Aufrechterhaltung der Versorgung ist eine ausgewogene Quarantäneregelung erforderlich, die gleichzeitig den Erfordernissen des Infektionsschutzes insbesondere für vulnerable Gruppen gerecht wird", hieß es. Die Experten appellierten "dringlich" an die Leitungen medizinischer Einrichtungen, "auf eine hohe Impf- und Boosterimpfquote in den Belegschaften hinzuwirken".

Trotz der Annahme, dass die Variante einen milderen Krankheitsverlauf im Vergleich zur Delta-Mutation hat, warnen die Experten: "Es ist zu betonen, dass sich die Omikron-Variante erst allmählich in älteren Bevölkerungsgruppen ausbreitet und die Krankheitsschwere in dieser gefährdeten Gruppe noch nicht ausreichend beurteilbar ist." Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wie Großbritannien oder Spanien sei in Deutschland der Anteil an Geimpften über 60 Jahren gering.

Mehr zum Thema

Für andere Schlüsselbereiche in Staat, Verwaltung und Wirtschaft verwies der Expertenrat auf seine erste Stellungnahme. In diesem Bereichen seien "bei hohen Inzidenzen und dem damit verbundenen Personalausfall ähnliche Belastungssituationen" zu erwarten. "Auch hier sind entsprechende Vorbereitungen dringlich zu treffen."

Die Expertinnen und Experten halten weitere Corona-Beschränkungen für nötig, wenn in den kommenden Wochen die Belastung durch hohe Infektionszahlen und Personalausfälle zu hoch werde. Dann sei "kurzfristig eine weitere Intensivierung der Kontaktbeschränkungen erforderlich", hieß es.

Quelle: ntv.de, chf/AFP/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen