Politik

22 Verbände offen für ZivisFalls Wehrpflicht zurückkommt: Koalition bereitet Zivildienst vor

04.08.2026, 03:49 Uhr
00:00 / 03:10
Die-Zivildienstleistenden-Philipp-Kindermann-l-und-Tony-Hass-kuemmern-sich-um-die-Dialysepatientin-Maritta-Siegbert-im-Rollstuhl-am-Dienstag-24-08-2010-in-Leipzig-Die-beiden-leisten-beim-Malteser-Hilfsdienst-noch-den-neun-Monate-dauernden-Wehrersatzdienst-ab-Nach-den-Plaenen-zum-Aussetzen-der-Wehrpflicht-sind-sich-nun-die-Experten-uneins-wie-man-den-damit-verbundenen-Wegfall-des-Zivildienstes-kompensieren-soll
Viele soziale Einrichtungen hätten laut einem Ministeriumssprecher grundsätzlich Interesse an der Hilfe von Zivildienstleistenden. (Foto: picture alliance / ZB)

Derzeit ist die Wehrpflicht ausgesetzt. Sollte diese reaktiviert werden, soll es die Möglichkeit eines Wehrersatzdienstes geben. Bei ntv bestätigt der Unionsfraktionsvorsitzende Frei entsprechende Vorbereitungen der Bundesregierung.

Der neue Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Thorsten Frei, bestätigt Pläne der Bundesregierung für einen neuen Zivildienst. "Für den Fall, dass es zu einer Wiedereinführung einer Wehrpflicht käme, müsste es ja auch einen entsprechenden Ersatzdienst geben. Und dass sich das Bundesfamilienministerium mit allen Eventualitäten darauf vorbereitet und auch auf unterschiedliche Situationen und Szenarien vorbereitet, ist, glaube ich, sehr klug und richtig", sagte Frei in der ntv-Sendung Frühstart. 

Frei verneint, dass es aktuell in der schwarz-roten Koalition Bewegung in der Wehrdienstdebatte gebe: "Nein, da gibt es keine neue Diskussion und auch keine neuen Diskussionsstand. Aber nichtsdestotrotz muss sich eine Bundesregierung natürlich auf unterschiedliche Eventualitäten vorbereiten. Und für den Fall der Fälle kann man ja nie ausschließen, dass Entscheidungen schnell getroffen werden müssten. Dann müssen auch die sich daraus ergebenden Konsequenzen klar sein", so Frei. 

Zuvor hatte bereits die "Bild" berichtet, dass die Bundesregierung Vorkehrungen für die Einführung eines neuen Zivildienstes für den Fall treffe, dass auch die Wehrpflicht zurückkehren sollte. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend bestätigte der "Bild"-Zeitung, dass in den vergangenen Monaten 23 große Verbände und Organisationen befragt worden seien, welche Kapazitäten sie im Falle einer Rückkehr zur Wehrpflicht für Wehrdienstverweigerer zur Verfügung stellen könnten.

"22 der 23 Verbände gaben an, dass ihre Infrastrukturen und Einsatzstellen grundsätzlich bereit wären, im Falle einer Reaktivierung einer Wehrpflicht Wehrersatzdienstleistenden ein vielfältiges Angebot zu machen", sagte ein Ministeriumssprecher der Zeitung.  "Zwar gibt es keinen Zivildienst, solange wir keine Wehrpflicht haben. Aber falls die Wehrpflicht einmal nötig werden sollte, müssen wir die Basis für einen modernen Zivildienst schon vorbereitet haben", betonte der Sprecher. Das Ministerium wolle die Pläne laut dem Medienbericht offiziell nach der Sommerpause vorstellen.

Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt

Die Wehrpflicht war in Deutschland im Juli 2011 ausgesetzt worden, was in der Praxis einer Abschaffung von Wehr- und Zivildienst gleichkam. Anstelle des Zivildienstes wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Seit Anfang dieses Jahres greift ein neuer Wehrdienst. Kern ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008. So sollen Freiwillige für einen Ausbau der Truppe rekrutiert werden. Deutschland reagierte damit auf die Bedrohung durch Russland und die in der Folge geänderten Nato-Ziele. Sollten die Zielkorridore verfehlt werden, kann der Bundestag über eine sogenannte Bedarfswehrpflicht entscheiden. 

Vor diesem Hintergrund steigt die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung stark an. Im ersten Halbjahr dieses Jahres gingen bereits 5862 Anträge beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) zuvor unter Berufung auf eine Sprecherin der Behörde berichtete. Im gesamten Jahr 2025 hatten in Deutschland 3867 Menschen einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt, 2024 waren es 2998.

Quelle: ntv.de, bho/dpa

BundeswehrFamilienministeriumWehrpflichtVerteidigungsministerium