Politik

Tausende auf der "Balkan-Route" Flüchtlingsandrang nimmt dramatisch zu

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Tausende Flüchtlinge passierten am Wochenende die mazedonische Grenze.

(Foto: REUTERS)

In nur einer Nacht kommen mehr als 7000 Flüchtlinge von Mazedonien nach Serbien. In den nächsten Tagen werde der Ansturm noch einmal zunehmen, sagen Hilfsorganisationen. Berlin und Paris wollen eine neue Krisenstrategie entwickeln.

Der Flüchtlingsandrang im Balkan nimmt nach der Wiedereröffnung der griechisch-mazedonischen Grenze dramatisch zu. Allein in der Nacht zu Sonntag seien mehr als 7000 Migranten von Mazedonien nach Serbien gelangt, teilte das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR in Genf mit. Hunderte Menschen warteten noch an der Grenze, mit weiterem Andrang sei zu rechnen. Mazedonien habe zugesichert, seine Grenzen für die Flüchtlinge geöffnet zu lassen.

Das UNHCR forderte die mazedonischen Behörden auf, mehr Personal an den Grenzübergängen einzusetzen, um Empfang und Weiterreise der Flüchtlinge besser organisieren zu können. Die UN-Organisation erklärte sich zugleich zur Unterstützung bereit. In Serbien verteilten UN-Hilfsorganisationen bereits Nahrungsmittel an die Migranten.

Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes rief zu einer besseren Zusammenarbeit und gemeinsamen Anstrengungen bei der Flüchtlingshilfe auf. In den kommenden Tagen sei mit einem "dramatischen Anstieg" von den griechischen Inseln auf das europäische Festland drängender Flüchtlinge zu rechnen.

Einheitliche Regeln

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande werden am Rande eines Treffens zur Ukraine-Krise in Berlin über die Flüchtlingskrise sprechen. Sie wollen sich für eine gemeinsame europäische Linie einsetzen, wie es aus dem Elysée-Palast hieß. Die bislang gefällten Entscheidungen der EU seien nicht ausreichend.

Merkel und Hollande wollen demnach die Asylpolitik ihrer Länder aufeinander abstimmen, zum Beispiel was die Verfahren und die Regeln für die Anerkennung betreffe. Besonders wichtig sei auch eine einheitliche Haltungen dazu, welche Staaten als "sichere Herkunftsländer" eingestuft werden. Bislang legt dies jedes EU-Mitglied selber fest, besonders mit Blick auf die Balkanländer gibt es sehr unterschiedliche Regelungen.

Beschleunigen wollen Berlin und Paris den Angaben zufolge auch die Einrichtung von Aufnahmezentren und die Identifizierung von berechtigten Asylbewerbern und illegalen Migranten bereits vor Ort in Italien und Griechenland, wo derzeit die meisten Flüchtlinge eintreffen. Es sei nötig, "an allen Fronten gleichzeitig" voranzukommen, hieß es in Paris.

Auf EU-Ebene gibt es seit Monaten keinen Konsens über die Verteilung der Flüchtlinge. Pläne der EU-Kommission, verpflichtende Quoten für die Verteilung einzuführen, scheiterten bislang am Widerstand Großbritanniens und einer Reihe osteuropäischer Staaten. Derzeit erfolgt die Aufnahme der Flüchtlinge auf der Basis freiwilliger Zusagen.

Quelle: ntv.de, hul/AFP