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Plädoyers im Auschwitz-Prozess Freispruch für Ex-SS-Mann gefordert

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Der einstige SS-Buchhalter Oskar Gröning (l.) zeigte vor Gericht Reue.

Im vielleicht letzten Auschwitz-Prozess plädieren die Verteidiger des ehemaligen SS-Mannes Oskar Gröning auf Freispruch. Die Nebenkläger fordern kein exaktes Strafmaß, halten die von der Staatsanwaltschaft geforderten dreieinhalb Jahre jedoch für zu wenig.

Hat der ehemalige SS-Buchhalter Oskar Gröning eine Mitschuld am Holocaust? Geht es nach der Verteidigung des heute 94-Jährigen, ist die Frage klar zu beantworten. Der Angeklagte sei zwar im Konzentrationslager Auschwitz tätig gewesen, habe dabei aber keine strafrechtlich relevante Beihilfe zum Massenmord in den Gaskammern geleistet, sagte Anwalt Hans Holtermann vor dem Lüneburger Landgericht.

"Weder durch seine Anwesenheit an der Rampe noch durch die Weiterleitung und Zählung der Devisen noch durch sonst irgendetwas anderes hat Herr Gröning eine Beihilfe geleistet, die den Holocaust befördert hat, jedenfalls nicht in strafrechtlich relevanter Weise", so Holtermann.

Der ehemalige SS-Mann soll während der sogenannten Ungarn-Aktion im Frühsommer zur Lagerverwaltung von Auschwitz gehört haben. Damals waren mehr als 400.000 Juden aus Ungarn in das größte deutsche Vernichtungslager deportiert und die meisten von ihnen sofort nach der Ankunft in Gaskammern ermordet worden. Gröning hat gestanden, als Mitglied der Abteilung für "Häftlingsgeldverwaltung" Geld aus dem Gepäck von verschleppten Juden gezählt und an die SS weitergeleitet zu haben.

Vor dem Schlussvortrag der Verteidigung hatten mehrere Vertreter der Nebenklage ihre Plädoyers gehalten. Anwalt Markus Goldbach forderte wie mehrere seiner Kollegen, den Angeklagten wegen mindestens 300.000-fachen "Mordes in Mittäterschaft" zu verurteilen. Angeklagt ist Gröning wegen Beihilfe zum Mord in diesen Fällen.

Gröning selbst äußerte in seinem letzten Wort an das Gericht mit bewegter Stimme Reue. "Es tut mir ausdrücklich leid", sagte er. Das Urteil will das Gericht überraschend bereits am Mittwoch verkünden.

Quelle: n-tv.de, wue/AFP

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