Politik

Gegen teure VolkskrankheitenGKV-Chef fordert hohe Zucker-, Tabak- und Alkoholsteuer

07.04.2026, 00:02 Uhr
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Auch die Expertenkommission plädiert für eine Steuer auf Süßigkeiten. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

In der Debatte um Milliarden-Lücken bei den Krankenkassen setzt der GKV-Chef auf Konsumsteuern. Eine Verteuerung von Zucker, Tabak und Alkohol erspare dem System die Kosten der Folgeerkrankungen, erläutert der Spitzenfunktionär.

Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, hat in der Debatte um Gesundheitsreformen die Einführung einer Zuckersteuer und eine Erhöhung der Alkohol- und Tabaksteuer gefordert. "Wir müssen als Gesellschaft dahin kommen, dass nicht mehr so viele Menschen an sogenannten Volkskrankheiten leiden", sagte Blatt der "Rheinischen Post". Mit Blick auf den Katalog der Expertenkommission zu den GKV-Finanzen sagte er: "Die Kommission macht gute Vorschläge für eine höhere Alkohol- und Tabaksteuer und auch die Einführung einer Zuckersteuer wurde ins Spiel gebracht. Lieber etwas teureres Bier und Zigaretten, als die milliardenteuren Folgeerkrankungen vom Trinken und Rauchen."

Auch weitere Reformvorschläge befürwortete Blatt: "Eine Pflicht zur Zweitmeinung würde ich sehr begrüßen, wenn es etwa um Operationen an Knien, Hüften und anderen besonders häufigen derartigen Eingriffen geht." Die Zahlen würden ja für sich sprechen, so der GKV-Vorstandschef: "Wenn eine Zweitmeinung eingeholt wurde, sehen rund drei Viertel der Patientinnen und Patienten von einer Operation ab und setzen lieber auf Physiotherapie oder eine andere Behandlung", sagte Blatt.

"Zahl der Krankenkassen wird sinken"

Zum Vorschlag einer Abschaffung der kostenfreien Mitversicherung von nicht arbeitenden Ehepartnern äußerte er sich zurückhaltend: "Ich sehe das skeptisch und warne vor einem Schnellschuss. An anderen Stellen ließe sich einfacher und schneller mehr Einsparpotenzial erreichen."

Bei der Zahl der Krankenkassen rechnet Blatt in den kommenden Jahren mit einem weiteren Rückgang. "Ich bin sehr sicher, dass wir wahrscheinlich in zehn Jahren auch nicht mehr die gleiche Zahl der Krankenkassen haben werden", sagte Blatt der Zeitung. "Schon heute sind die Krankenkassen dabei zu prüfen, wo ein Zusammenschluss ökonomisch sinnvoll ist. Das passiert laufend", so der GKV-Chef.

Staatliche Eingriffe lehnte er in dem Prozess allerdings ab. "Die Antwort soll der Wettbewerb liefern. Ich bin Ökonom. Wer sollte eine Gesamtzahl festlegen? Der Staat?", sagte Blatt. "Die Präferenzen der Menschen gehen stark auseinander, wenn es um ihre Krankenkasse geht. Manche wollen alles digital erledigen, andere brauchen Ansprechpartner in einer Geschäftsstelle. Das wird sich von allein regeln", so der GKV-Vorstandsvorsitzende. "Im Jahr 2000 gab es schließlich noch über 400 Krankenkassen", so Blatt - heute sind es etwas mehr als 90.

Quelle: ntv.de, mau

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