Politik
Sigmar Gabriel wäre gerne Außenminister geblieben.
Sigmar Gabriel wäre gerne Außenminister geblieben.(Foto: dpa)
Donnerstag, 08. Februar 2018

Kritik an "respektlosem" Umgang: Gabriel geht hart mit Schulz ins Gericht

Der scheidende SPD-Chef Schulz will Außenminister der neuen Groko werden - und ruft damit den Zorn von Noch-Amtsinhaber Gabriel hervor. Dieser findet bittere Worte für seine Partei und bedauert, "wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt".

Der scheidende Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat in scharfer Form seine Partei kritisiert. Der frühere SPD-Chef bedauerte in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe, dass er die Leitung des Auswärtigen Amtes abgeben soll, und kritisierte den Umgang in seiner Partei.

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"Was bleibt, ist eigentlich nur das Bedauern darüber, wie respektlos bei uns in der SPD der Umgang miteinander geworden ist und wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt", sagte Gabriel. Welches Versprechen er meint, sagte er nicht. Gabriel hatte im Januar 2017 zugunsten von Martin Schulz auf den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur verzichtet, um Außenminister zu werden. Es wird kolportiert, dass Schulz ihm damals für den Fall einer neuen Großen Koalition versprochen hat, dass er das Außenamt behalten darf. Ob das stimmt, ist unklar.

Schulz hatte am Mittwoch erklärt, dass er in einer neuen Großen Koalition selbst Außenminister werden will. "Sigmar Gabriel hat eine sehr gute Arbeit als Außenminister geleistet, aber ich habe mich entschieden, in die Bundesregierung einzutreten und zwar als Außenminister", so Schulz. Nach der Wahl hatte Schulz noch ausgeschlossen, in ein Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel einzutreten. Gabriel, der acht Jahre Bundesminister und sieben Jahre SPD-Parteichef war, droht damit der Sturz in die politische Bedeutungslosigkeit.

"Ich habe das Amt des Außenministers gern und in den Augen der Bevölkerung offenbar auch ganz gut und erfolgreich gemacht. Und da ist es ja klar, dass ich bedauere, dass diese öffentliche Wertschätzung meiner Arbeit der neuen SPD-Führung herzlich egal war", sagte Gabriel, der laut dem letzten ARD-"Deutschlandtrend" Deutschlands beliebtester Politiker ist. Er wisse, dass in der Politik auch schon mal mit harten Bandagen gestritten werde. "Aber es sollte mit offenem Visier erfolgen." Gabriel sagte weiter: "Ich komme wohl noch zu sehr aus einer analogen Welt, in der man sich nicht immer nur umschleicht, sondern sich einfach mal in die Augen schaut und die Wahrheit sagt. Das ist scheinbar aus der Mode gekommen."

"Du musst nicht traurig sein, Papa"

Gabriel, der geschäftsführend weiter im Amt ist, hat seit Bekanntwerden des Wechsels mehrere Termine abgesagt, darunter die Münchner Sicherheitskonferenz. "Für mich beginnt jetzt eine neue Zeit. Meine kleine Tochter Marie hat mir heute früh gesagt: "Du musst nicht traurig sein, Papa, jetzt hast Du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht.", sagte er.

Nach dem Aus der Jamaika-Verhandlungen witterte Gabriel noch einmal kurz die Chance, sein Büro im Auswärtigen Amt nicht räumen zu müssen. Aber schon beim Parteitag in Bonn im Januar musste der 58-Jährige auf der Bank der früheren Parteichefs Platz nehmen - neben Kurt Beck, Rudolf Scharping und Franz Müntefering. Vor der GroKo-Einigung hatte Gabriel noch darüber nachgedacht, mit Schulz und Fraktionschefin Andrea Nahles für ein Ja beim Mitgliederentscheid der SPD über den Koalitionsvertrag zu werben. Jetzt ist unklar, ob er überhaupt nochmal öffentlich auftritt.

Gabriel wird nach einem Ausscheiden aus seinem Amt zunächst ganz normaler Abgeordneter sein - ohne Führungsfunktion. Einen Nebenjob hat er sich allerdings schon organisiert: einen Lehrauftrag an der Uni Bonn. Und falls alle Stricke reißen, hat er noch eine andere Option parat. Bei der niedersächsischen Volkshochschule, an der er mal Deutsch für Ausländer unterrichtete, habe er noch einen ruhenden Arbeitsvertrag, sagte Gabriel vor der Bundestagswahl: "Wird ja gebraucht."

Quelle: n-tv.de