Politik

"Unser Sohn wurde ermordet"Giftdiagnose bestätigt Nawalnys Mutter - und der Kreml äußert sich

16.02.2026, 12:24 Uhr
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Die-Mutter-des-verstorbenen-russischen-Oppositionsfuehrers-Alexej-Nawalny-Ljudmila-Nawalnaja-r-und-seine-Schwiegermutter-Alla-Abrosimowa-M-legen-zwei-Jahre-nach-seinem-Tod-Blumen-an-seinem-Grab-auf-dem-Borisowskoje-Friedhof-nieder
Die Mutter Ljudmila Nawalnaja (r.) und die Schwiegermutter Alla Abrosimowa (Mitte) legen zwei Jahre nach Nawalnys Tod Blumen am Grab nieder. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Zwei Jahre nach seinem Tod stellen Labore fest: Russlands Oppositionsführer Nawalny wurde vergiftet. Der Kreml spricht nun von "Voreingenommenheit", Menschenrechtler sind besorgt. Schließlich sitzen noch Tausende politische Gefangene in Putins Lagern.

Die Mutter des verstorbenen russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny hat Gerechtigkeit für ihren Sohn gefordert, nachdem eine Analyse mehrerer europäischer Länder ergeben hat, dass Nawalny vergiftet wurde. "Das bestätigt, was wir von Anfang an wussten. Wir wussten, dass unser Sohn nicht einfach im Gefängnis gestorben ist, er wurde ermordet", sagte sie an diesem Montag, dem zweiten Jahrestag von Nawalnys Tod, in der Nähe seines Grabes in Moskau.

"Ich denke, es wird einige Zeit dauern, aber wir werden herausfinden, wer es getan hat. Natürlich wollen wir, dass das in unserem Land geschieht, und wir wollen, dass die Gerechtigkeit siegt", sagte sie zu Reportern. "Ich habe bereits gesagt, dass diejenigen, die diesen Befehl gegeben haben, der ganzen Welt bekannt sind; ich wiederhole es nur", sagte Nawalnys Mutter weiter. "Und wir wollen, dass alle, die daran beteiligt waren, identifiziert werden."

Dutzende Menschen versammelten sich zum Jahrestag des Todes am Grab Nawalnys, der ein entschiedener Gegner von Kremlchef Wladimir Putin war. Nawalny war am 16. Februar 2024 im Alter von 47 Jahren im Gefängnis gestorben. Deutschland, Großbritannien, Schweden, Frankreich und die Niederlande beschuldigten Russland am Samstag, ihn mit einem seltenen Toxin vergiftet zu haben. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es, Wissenschaftler hätten schlüssig den Giftstoff Epibatidin in Proben des Leichnams von Nawalny nachgewiesen. Das hochgiftige Sekret kommt in der Natur in südamerikanischen Pfeilgiftfröschen vor.

Der Kreml selbst weist den Vorwurf eines Giftmords an Nawalny scharf zurück. "Natürlich akzeptieren wir solche Anschuldigungen nicht", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. "Wir halten sie für voreingenommen und unbegründet und weisen sie entschieden zurück."

Die russischen Behörden behaupten seit zwei Jahren, dass Nawalny eines natürlichen Todes gestorben sei. Sie hatten zunächst widersprüchliche Angaben zu seinem Tod gemacht und seine Leiche trotz Bitten von Nawalnys Mutter tagelang nicht herausgegeben. Deshalb wurde befürchtet, dass etwaige Giftspuren womöglich nicht mehr nachgewiesen werden können. Unklar ist, wie die Gewebeproben Nawalnys in den Westen gelangt sind.

Amnesty fordert Aufklärung der Todesumstände

Menschenrechtler kritisieren, dass es in Russland keine Aufklärung gab. "Bis heute vertuschen die russischen Behörden die Umstände seines Todes", erklärt Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland. Zugleich führe der Machtapparat eine "gnadenlose Kampagne" gegen Anhänger Nawalnys. Seine Anwälte sind inhaftiert. "Diese systematische Repression zeigt, wie kompromisslos der russische Staat gegen jede Form friedlicher Kritik vorgeht", sagte sie. Jede Regierungskritik werde kriminalisiert.

Duchrow appellierte an die russischen Behörden, die Inhaftierten freizulassen und "ungerechtfertigte Verurteilungen" aufzuheben. Zugleich forderte sie die Bundesregierung dazu auf, politisch verfolgten Menschen aus Russland etwa durch flexible Visa- und Aufenthaltsregelungen zu helfen.

Nawalny war einer von Tausenden politischen Gefangenen in Russland, von denen Putin bisher nur einige im Tausch mit im Westen inhaftierten Russen freigelassen hat. Menschenrechtler sehen viele Gefangene in Lebensgefahr in den russischen Straflagern - wegen Folter oder anderer als menschenunwürdig kritisierten Umstände.

Laut der Menschenrechtsorganisation Memorial hält Russland mindestens 5027 Menschen wegen politischer Motive in Gefangenschaft. Memorial führt eine namentliche Liste. "Das ist eine minimale Schätzung. Wir gehen davon aus, dass es in Wirklichkeit mindestens doppelt so viele Gefangene geben könnte", heißt es in einer Mitteilung.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa/AFP/rts

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