Politik

Ablenkungsmanöver unterbinden "Gottesdienst"-Demo in Nürnberg verboten

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Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König weist darauf hin, dass ein "Spontangottesdienst" nicht zulässig sei.

(Foto: imago images/IPA Photo)

Eine Demonstration als Gottesdienst tarnen? Nicht in Nürnberg: Nachdem das Verbot von Versammlungen Demonstranten einen Strich durch die Rechnung macht dachten sie sich, findig zu sein, und einfach vor eine Kirche zu ziehen.

Nach dem Verbot von Versammlungen gegen die aktuellen Corona-Beschränkungen in Nürnberg ist für Sonntag in den sozialen Netzwerken zu einem Gottesdienst vor der Lorenzkirche aufgerufen worden. Polizei und Stadt wiesen darauf hin, dass auch ein solches Treffen verboten ist. Das Evangelisch-Lutherische Dekanat Nürnberg und die Katholische Stadtkirche distanzierten sich von dem Aufruf und teilten mit, die geplante Demonstration habe nichts mit den liturgischen Feiern in den Kirchen zu tun.

"Die Initiatoren dieser Veranstaltung wollen damit wohl einen Ersatz für die verbotene Demonstration schaffen", erklärten die Kirchen in einer gemeinsamen Mitteilung. Auf Twitter bat das Evangelisch-Luterische Dekanat Nürnberg die Menschen, zu Hause zu bleiben und nicht zu der Versammlung vor der Lorenzkirche zu kommen.

Ein Sprecher der Polizei Mittelfranken sagte, dass alle Veranstaltungen gegen die Corona-Beschränkungen am Sonntag verboten seien. Auch Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König wies per Twitter auf das Verbot hin, ein "Spontangottesdienst" sei nicht zulässig, da "keine Sondernutzungserlaubnis für den öffentlichen Grund vorliegt und ein solcher außerdem nur durch anerkannte Religionsgemeinschaften und einem hierzu beauftragten religiösen Vertreter möglich sind.

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Die Stadt Nürnberg hatte am Mittwoch drei Veranstaltungen aus dem Umfeld von Gegnern der Corona-Maßnahmen abgesagt. Grund dafür sei, dass zu erwarten ist, dass die Auflagen missachtet und Abstandregeln nicht eingehalten werden, hieß es. Eine vierte angekündigte Versammlung wurde von den Veranstaltern zurückgezogen. Die vier Veranstaltungen sollten am Sonntagnachmittag zeitgleich an verschiedenen Orten in der zweitgrößten Stadt Bayerns vonstatten gehen.

Im November hatten in München bei einer zum Gottesdienst erklärten Versammlung auf der Theresienwiese fast 2000 Menschen gegen den Teil-Lockdown protestiert. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hatte danach strenge Kontrollen angekündigt. "In Zukunft werden Polizei und Versammlungsbehörden solche Ablenkungsmanöver von Beginn an unterbinden", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung im November.

Quelle: ntv.de, soe/dpa