Politik

Analyse der Thüringer CDU "Haben mit Spitzenkandidaten gefremdelt"

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Hirte zieht eine ernüchternde Bilanz zum CDU-Wahlkampf.

(Foto: dpa)

Für die CDU in Thüringen ist die Bundestagswahl ein Desaster. Erstmals wird die Partei im Freistaat nur dritte Kraft. Für Landeschef Hirte das Ergebnis einer Fehlerkette. Themen, Zeitpunkt, Kandidat - alles falsch.

Zu spät, der falsche Kandidat, keine Ost-Themen: Der Thüringer CDU-Chef Christian Hirte hat den Wahlkampf seiner eigenen Partei für die Bundestagswahl scharf kritisiert. "Die CDU wurde abgewählt", sagte er vor rund 150 Delegierten bei einem Landesparteitag der Thüringer CDU in Suhl. Man könne sich wohl darauf einstellen, dass es noch vor Weihnachten einen neuen Kanzler Olaf Scholz gebe.

Hirte machte klar, dass man auf den falschen Kandidaten gesetzt hat: "Unsere eigene Unionsfamilie - und da nehme ich uns in Thüringen nicht aus - hat gefremdelt mit unserem Spitzenkandidaten", sagte Hirte. Er habe früh gewarnt, dass mit Armin Laschet jemand als Kandidat vorgeschlagen werden könnte, den große Teile der Partei nicht unterstützten, sagte Hirte.

Der Wahlkampf sei auch sehr schwierig gewesen, "weil wir extrem spät dran waren". Alle hätten geglaubt, dass es einen polarisierenden Wahlkampf "CDU gegen Grüne" geben werde. Dies sei aber nicht eingetreten.

Ergebnis der CDU in Thüringen "desaströs"

Gekrankt habe der Wahlkampf der CDU aber auch an den Themen, betonte Hirte. Dies sei in den ostdeutschen Bundesländern besonders deutlich geworden. Man habe es dort nicht geschafft, die besondere Situation in den neuen Bundesländern ausreichend zu thematisieren.

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Das Ergebnis der CDU in Thüringen nannte Hirte nicht nur schlecht, sondern "desaströs". Die Christdemokraten hatten bei der Bundestagswahl in Thüringen 16,9 Prozent erreicht - ihr bisher schlechtestes Ergebnis im Freistaat bei einer Bundestagswahl. Die CDU landete erstmals auf Platz drei - hinter AfD und SPD. Die Bundestagswahl 2017 hatte die CDU in Thüringen noch gewonnen. Damals holte sie auch alle acht Direktmandate in den Wahlkreisen. Sieben davon musste sie nun nach der Wahl am 26. September wieder abgeben.

Hirte hatte dreimal in Folge ein Direktmandat im Freistaat gewonnen. Bei der Wahl im September kam er hinter AfD und SPD nur auf Platz drei - zog aber über die Landesliste wieder in den Bundestag ein. Seit einem Jahr führt er den Landesverband. Zuvor war er Ostbeauftragter der Bundesregierung, musste den Posten aber auf Betreiben von Kanzlerin Angela Merkel abgeben, nachdem er im Februar 2020 die Wahl des FDP-Politikers Thomas L. Kemmerich zum Ministerpräsidenten des Freistaats mithilfe der AfD und der CDU begrüßt hatte.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa

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