Politik

Mit Planierraupen IS verwüstet antike Kultstätte

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Ein Wächter bewacht im Jahr 2003 die archäologische Stätte der ehemaligen assyrischen Haupstadt Nimrud.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Terrormiliz IS setzt ihren Zerstörungszug gegen einzigartige historische Kultstätten fort. Mit schweren Militärfahrzeugen zerstören sie die tausende Jahre alte Kultstätte in Nimrud. Und ihr Furor wird vermutlich weitergehen.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben der irakischen Regierung mit der Zerstörung der einzigartigen historischen Stadt Nimrud im Nordirak begonnen. Kämpfer des IS hätten die südlich von Mossul gelegene, altorientalische Stadt überrannt, berichtet das irakische Altertumsministerium auf seiner Facebook-Seite. "Mit schweren Militärfahrzeugen" hätten sie danach begonnen, Nimruds antike Stätten zu zerstören.

Ein Vertreter der Antikenverwaltung bestätigte die Angaben. Das Ausmaß der Zerstörung in der Ausgrabungsstätte sei aber noch unklar. Demnach wurden auch Lastwagen vor Ort gesichtet, die womöglich zum Abtransport von Kunstgegenständen verwendet wurden. Die Extremisten stehen im Verdacht, sich teilweise durch den Verkauf von archäologischen Fundstücken aus Grabungen und Museen zu finanzieren.

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IS-Dschihadisten zerstören antike Statuen in Niniwe.

Nimrud ist eine bedeutende assyrische Kultstätte, deren Ursprünge mehr als 3000 Jahre zurück liegen. Zeitweilig fungierte Nimrud als Hauptstadt des assyrischen Reiches. Der Name der Stadt leitet sich vom biblischen König Nimrod ab. Die Stätte beherbergt Festungsruinen, Tempelanlagen, Obelisken und reich verzierte Reliefs.

Zerstörungsfeldzung gegen Heiligengräber

Gemäß der extremen Interpretation des Islam der Dschihadisten sind Götterbilder und Heiligengräber aber verboten, da nichts außer Gott selbst angebetet werden dürfe. So hatten die Extremisten bereits kürzlich die Zerstörung antiker Statuen im Museum von Mossul und am Eingang der Ausgrabungsstätte von Niniwe begründet.

Erst Ende Februar hatten die IS-Dschihadisten ein Video veröffentlicht, das die Zerstörung assyrischer Kulturgüter in Ninive zeigt, darunter eine mehr als 2600 Jahre alte Figur. Die sunnitischen Extremisten zerstörten die Figur mit einem Presslufthammer.

Es tut mir Leid, das zu sagen, aber wir haben das alle befürchtet", sagte der irakische Archäologe Abdulamir Hamdani von der Stony Brook Universität in New York zu den jüngsten Zerstörungen. Der Plan der Islamisten sei es, "das irakische Erbe zu zerstören". Nach den Zerstörungen in Mossul vor rund einer Woche hatten sich Experten bereits besorgt gezeigt, dass die Extremisten weitere archäologische Stätten wie Nimrud oder Hatra angreifen könnten.

"Hatra wird sehr sicher die nächste Stätte sein", sagte Hamdani. "Ich bin wirklich bestürzt. Aber es war nur eine Frage der Zeit." Die antike Stadt Hatra liegt hundert Kilometer von Mossul entfernt und gehört zum Unesco-Weltkulturerbe.

Der IS hatte im Sommer vergangenen Jahres weite Landesteile im Irak und in Syrien erobert. Die Organisation herrscht dort mit brutaler Hand und setzt eine extreme Auslegung des Islam durch. Seit Montag läuft eine Offensive der irakischen Regierung zur Rückeroberung der Stadt Tikrit nördlich von Bagdad aus den Händen des IS. Der Einsatz ist mit rund 30.000 Mann die bislang größte Offensive seit dem IS-Eroberungszug.

Die UNO teilte unterdessen mit, dass wegen der Offensive zur Rückeroberung Tikrits bereits 28.000 Menschen die Region verlassen haben. Berichte von vor Ort ließen darauf schließen, dass derzeit zahlreiche weitere Menschen versuchten, zu fliehen, erklärte die UNO am Donnerstag. Im Land gibt es bereits rund 2,5 Millionen Vertriebene.

Quelle: ntv.de, ghö/AFP