Politik

Soldaten zeigen PRTL-GepardIn Deutschland einst ausgemusterter Panzertyp ist in der Ukraine unverzichtbar

23.06.2026, 17:20 Uhr
imageVon Robin Grützmacher, Ukraine
00:00 / 06:20
FG 00_03.12795
Das Chassis stammt vom Leopard 1. (Foto: Robin Grützmacher)

Seit 2022 sind Gepard-Flakpanzer in der Ukraine im Einsatz. In dieser Zeit haben sie Tausende russische Ziele eliminiert und viele Menschenleben gerettet. Obwohl die Kreml-Streitkräfte ihre Drohnen weiterentwickeln, kann das alte Kriegsgerät mithalten.

Im Jahr 2012 endete in Deutschland eine Ära: Nach Jahrzehnten im Einsatz wurden die letzten verbliebenen Gepard-Flugabwehrpanzer der Bundeswehr ausgemustert. In den benachbarten Niederlanden wurde dieser Schritt sogar schon einige Jahre zuvor vollzogen. Gründe dafür gab es viele: zu alt, zu teuer, dazu eine geringe Bedrohungslage. Dass die Geparden mal in einem modernen Krieg eine größere Rolle spielen würden, ahnte wohl niemand. Dann begann im Februar 2022 die russische Invasion in der Ukraine - und das schwere Kriegsgerät vom Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann wurde wieder wertvoll.

Im Westen der Ukraine bekommt ntv.de die Möglichkeit, einen Gepard zu besichtigen. Der Ort ist geheim, die Panzer sind ein begehrtes Ziel für russische Luftangriffe - allerdings gelang es den Kreml-Streitkräften in den vergangenen Jahren so gut wie nie, sie erfolgreich zu attackieren.

Kommandeur "Drago" von der 540. Flugabwehrbrigade berichtet ntv.de von einem Vorfall, bei dem mehrere russische Drohnen in einen der Flakpanzer aus Deutschland eingeschlagen sind. Um die Sicherheit zu erhöhen, müssen die Positionen oft gewechselt werden, sagt der Kommandeur.

Der Gepard wurde zwar in Deutschland entwickelt und produziert, er war aber auch in anderen Staaten ein Eckpfeiler der Flugabwehr. "Drago" kommandiert einen der niederländischen PRTL-Version (Spitzname Cheetah, Englisch für Gepard). Diese besitzen unter anderem ein anderes Radar.

Im Führungsstand des Panzers ist viel Technik zu sehen, die einen an vergangene Jahrzehnte erinnert. Bildschirme gibt es eher wenige, es dominieren Schalter und Knöpfe. An den Wänden finden sich Hinweise in niederländischer Sprache - und in deutscher. Auf einem kleinen Schild steht, dass der Panzer im Jahr 1998 bei der Firma Wegmann in Kassel überholt wurde.

Die niederländische Regierung hatte 60 Cheetahs ab 2013 nach Jordanien verkauft. 2023 bemühten sich die USA darum, dass sie in die Ukraine geliefert werden. Das Land wird seit Jahren fast jede Nacht von schweren russischen Luftangriffen terrorisiert.

Wie auf der Jagd

Ursprünglich ist der Gepard eine Entwicklung aus den 70ern. Doch trotz des hohen Alters kann die Ukraine kaum genug davon haben, denn sie sind hocheffektiv bei der Bekämpfung aller Arten von Drohnen - darunter auch die modernen, schnelleren russischen Geran-3. "Es hängt stark davon ab, ob die meteorologischen Werte richtig in die Maschine eingesetzt werden", sagt "Drago" ntv.de. Zudem lassen sich Marschflugkörper wie der russische Kh-101 eliminieren.

Maßgeblich für den Abschuss eines Luftzieles ist zum Beispiel die Windgeschwindigkeit. Wenn die Angaben falsch sind, soll die Chance auf einen Treffer nur noch bei 50 Prozent liegen. Drohnen zu eliminieren, sei wie auf die Jagd gehen, so der Kommandeur. "Wenn man das Ziel erfasst hat, will man es abschießen." Bei schweren russischen Attacken aus der Luft kann eine Besatzung in einer Nacht mehrere Ziele vom Himmel holen.

IMG_4775
Zum Fotografieren musste ein unauffälliger Ort ausgewählt werden. (Foto: Robin Grützmacher)

Neben "Drago" befinden sich zwei weitere Soldaten ständig in direkter Nähe des Cheetahs: der Fahrer und der Richtkanonier. Die drei sind sieben Tage die Woche rund um die Uhr in Bereitschaft und schlafen auch neben dem Panzer. Zeit für andere Dinge gibt es kaum.

Dass der Gepard in Deutschland und anderen Staaten einst ausgemustert wurde, findet "Drago" nicht überraschend. "Damals dachte man noch an den klassischen militärischen Konflikt und nicht an Drohnen". Seit 2022 habe sich das geändert. Der Cheetah sei ein sehr guter Flugabwehrpanzer - vor allem für die damalige Zeit.

Wenn man eine neue Version für das 21. Jahrhundert bauen würde, müsste sie autonom sein, so der Kommandeur - also wie eine Bodendrohne selbst fahren können. Die Zielerfassung und das Schießen könnten per Fernsteuerung erfolgen. Den Personalaufwand würde das erheblich reduzieren. Im Notfall kann der Cheetah von nur einem Soldaten zur Position gefahren werden, ein Ziel erfassen und es abschießen. Doch das sei sehr schwer, sagt "Drago".

Viele Reparaturen benötigt der Panzer laut Angaben der Männer nicht. Stehen größere Instandsetzungen an, kümmert sich eine Reparaturbrigade darum. Ins Ausland muss der Cheetah nicht. Die drei Soldaten erledigen kleine Reparaturen selbst.

Mehr Geparden für Schutz des Luftraums nötig

Die Ukraine hat aus Deutschland mindestens 60 Gepard-Flugabwehrpanzer erhalten. Hinzu kommen die niederländischen Cheetahs aus Jordanien über die USA. Belgien wird laut einem Bericht von "L'Echo" aus dem April 15 Gepard-Flugabwehrpanzer von einem privaten Unternehmen erwerben und sie nach der Instandsetzung zur Verfügung stellen.

Armed-Forces-Day-Parade-In-Poland-Gepard-anti-aircraft-gun-during-Armed-Forces-Day-parade-in-Warsaw-Poland-on-August-15-2024-Warsaw-Poland-PUBLICATIONxNOTxINxFRA-Copyright-xJakubxPorzyckix-originalFilename-porzycki-armedfor240815-npU5w
Rumänische Soldaten mit Gepard-Panzern bei einer Parade in Warschau im Jahr 2024. (Foto: IMAGO/NurPhoto)

Der Gepard kann Luftziele in einer Reichweite von rund fünf Kilometern eliminieren. Um ein großes Land wie die Ukraine ausreichend vor Drohnen zu schützen, bräuchte es also eigentlich noch deutlich mehr davon. Neben Rumänien betreibt zum Beispiel Brasilien noch Gepard-Flugabwehrpanzer.

(Übersetzungen: Oleksiy Obolenskyj)

Quelle: ntv.de

PanzerDeutschlandNiederlandeKNDSAngriff auf die UkraineLuftangriffeKriege und KonflikteUkraine