Politik

Wirklich nur fürs Wetter? Iran-Satellit verärgert USA und Israel

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Der erfolgreiche Satellitenstart führt zu neuen Spannungen zwischen dem Iran, Israel und den USA.

(Foto: AP)

Mehrmals versucht der Iran, einen Satelliten ins All zu bekommen, nun ist dies geglückt. Die USA und Israel sind besorgt und drohen mit Konsequenzen. Teheran behauptet, es gehe nur um Wetterdaten und Schutz vor Naturkatastrophen.

Die USA haben dem Iran wegen des Starts eines Militär-Satelliten Konsequenzen angedroht. US-Außenminister Mike Pompeo sagte in Washington, Teheran habe gegen Vorgaben des UN-Sicherheitsrates verstoßen. "Ich denke, der Iran muss zur Verantwortung gezogen werden." Der Iran hatte zuvor erklärt, erstmals einen Militär-Satelliten erfolgreich ins All befördert zu haben. Der Satellit sei mit einer Trägerrakete aus einem Wüstengebiet im Zentrum des Landes in die Umlaufbahn gebracht worden, erklärten die iranischen Revolutionsgarden. Zuletzt hatte der Iran Anfang Februar eine Rakete mit einem Satelliten ins All geschossen. Er verfehlte jedoch aufgrund einer zu geringen Geschwindigkeit die geplante Umlaufbahn.

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US-Außenminister Pompeo sieht im iranischen Satellitenstart einen Verstoß gegen UN-Regeln.

(Foto: imago images/MediaPunch)

Israel reagierte auf den Start mit einem Aufruf an die internationale Gemeinschaft, schärfere Sanktionen gegen den Iran zu verhängen. Iran berichtete, der Satellit "Nur-1" (Licht-1) sei erfolgreich in eine Umlaufbahn von 425 Kilometern Höhe gebracht worden. Nach Angaben Teherans sollen die iranischen Satelliten eigentlich nur Daten zu Wetter, Naturkatastrophen und Landwirtschaft liefern und keine militärischen Ziele verfolgen. Daher stehe der Einsatz auch im Einklang mit internationalen Vorschriften. Bei dem Satelliten "Nur-1" handelt es sich aber nach Angaben der Iranischen Revolutionsgarden um einen Militär-Satelliten.

Die USA und Israel sehen das iranische Satellitenprogramm allgemein kritisch, weil sie befürchten, dass der Iran die Raumfahrttechnik zum Bau militärischer Langstreckenraketen nutzen könnte. Pompeo sagte, der Start des Satelliten beweise, dass der Iran noch über Ressourcen verfüge. Die Regierung solle diese Mittel zum Schutz der Bevölkerung in der Corona-Pandemie aufwenden, statt ihre "weltweite Terrorkampagne" fortzuführen.

Lieber um Coronavirus kümmern

Das israelische Außenministerium wertete den Start von "Nur-1" als Verstoß gegen iranische Zusicherungen. Teheran arbeite weiter an seinem Raketenprogramm, darunter auch an Geschossen, die mit einem Atomsprengkopf bestückt werden könnten. "Das iranische Regime konzentriert seine Bemühungen weiterhin auf seine militärischen Aggressionen, anstatt seinen gescheiterten Umgang mit dem Ausbruch des Coronavirus zu verbessern, der Zehntausende iranische Bürger betrifft", erklärte das Ministerium.

Im Februar hatte der 130 Kilogramm schwere Satellit "Safar" (Triumph) nach einem erfolgreichen Start vom Raumfahrtzentrum Semnan im Zentraliran nicht die gewünschte Umlaufbahn erreicht. Davor waren zwei weitere Satellitenstarts gescheitert. Seit dem einseitigen Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran im Mai 2018 verfolgt US-Präsident Donald Trump eine Politik des "maximalen Drucks" und führte erneut harte Sanktionen gegen das Land ein.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP

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