Angriff über Saudi-ArabienIsraelischer Minister spricht von "versuchtem Anschlag" auf Flydubai-Flugzeug
An Bord eines Flugzeugs auf dem Weg nach Tel Aviv ist offenbar eine Katastrophe verhindert worden. Israel geht von einem versuchten Terroranschlag aus. Was bisher zu dem Vorfall bekannt ist.
Nach dem gewaltsamen Vorfall auf einem Flug von Dubai nach Tel Aviv geht Israels rechtsextremer Verteidigungsminister Israel Katz von einem versuchten Terroranschlag aus. Katz sprach vom "Versuch eines dschihadistischen Anschlags". Die Flydubai-Maschine war im saudi-arabischen Tabuk notgelandet. Der Verdächtige wird dort noch befragt. Israels Ministerpräsident Netanjahu hatte den Vorfall kurz zuvor als "sehr schwerwiegenden Sicherheitsvorfall" bezeichnet, das Wort Anschlag jedoch nicht benutzt.
Ein "Terrorist" habe ein Flugzeug der Fluggesellschaft Flydubai zum Absturz bringen wollen, das in Saudi-Arabien notlanden musste, sagte auch der rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir. Ziel sei es gewesen, "die 180 Israelis an Bord zu ermorden". Die Maschine befand sich auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv, als sie am Morgen nach Angaben der Airline wegen eines "Zwischenfalls" ins saudi-arabische Tabuk umgeleitet wurde. Noch gibt es jedoch keine eindeutigen Belege für die Aussagen der Minister oder das Motiv des Co-Piloten.
Flydubai erklärte in einer ersten Stellungnahme, der Hintergründe der Auseinandersetzung im Cockpit seien noch unbekannt. Es seien Ermittlungen eingeleitet worden. "Wir bitten alle Beteiligten dringend, von voreiligen Spekulationen abzusehen, während die Behörden den Sachverhalt aufklären", erklärte ein Sprecher der Fluggesellschaft.
Nach übereinstimmenden Berichten israelischer Medien soll ein Pilot seinen Kollegen mit einem Messer verletzt haben. Passagiere halfen demnach dabei, den Angreifer zu überwältigen. Nach Angaben der Fluggesellschaft wurde die Maschine von einer zweiten Besatzung, die in der Kabine mitreiste, gelandet. Israelischen Medienberichten zufolge handelte es sich dabei um Europäer.
Das Flugzeug sei über Saudi-Arabien abgedreht und auf dem Flughafen Tabuk gelandet, hieß es in israelischen Medienberichten. Flydubai bestätigte laut dem Sender Al-Arabija einen "Vorfall" an Bord. Der Flughafen in Tabuk bestätigte die Notlandung und teilte mit, der Kapitän und der erste Offizier seien mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Angaben über weitere Verletzte gab es zunächst keine. Zuvor war berichtet worden, die Maschine habe zunächst den Code 7700 abgesetzt, der auf eine Notlage hinweist, und anschließend den Code 7500, der zur Meldung einer Flugzeugentführung verwendet wird.
Das israelische Nachrichtenportal ynet berichtete, die Maschine sei zu Beginn des Vorfalls steil in die Tiefe geflogen. Einer der Piloten habe den anderen mithilfe von Passagieren daran gehindert, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Ein Bild von Bord der gelandeten Maschine soll einen Passagier mit einem blutbefleckten Hemd zeigen. Einer der Piloten habe eine Stichverletzung erlitten.
ynet veröffentlichte eine Videobotschaft, die einen israelischen Passagier mit blutüberströmtem Gesicht direkt nach dem Vorfall an Bord zeigen soll. "Wir haben die Terroristen überwältigt", sagte er. Die Landung stehe unmittelbar bevor. "Wir brauchen Hilfe."
"Schreie und Panik"
Wie ynet weiter berichtet, stammt der tatverdächtige Copilot aus dem Oman. Dafür gibt es aber bislang keine offizielle Bestätigung. Eigentlich dürfen auf Flügen nach Israel nur Piloten aus Staaten eingesetzt werden, die diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten. Der Oman gehört nicht dazu. Israelische Behörden prüfen derzeit, ob der Pilot eine doppelte Staatsbürgerschaft besaß.
Eine Israelin erzählte dem TV-Sender N12, unter den Passagieren habe große Angst geherrscht, es habe "Schreie und Panik" gegeben. "Einige Männer, darunter auch Israelis, standen auf und überwältigten den Angreifer", sagte sie. Es gehe den Passagieren der Maschine inzwischen gut. "Die Situation hätte aber auch anders enden können", sagte sie. Eine weitere Israelin erzählte dem Sender, sie habe Schreie im Flugzeug gehört und anschließend viel Blut im Cockpit gesehen. "Es gab Momente, in denen wir dachten, dass wir das nicht lebend überstehen würden."
Eine israelische Sprecherin bestätigte, der tatverdächtige Copilot werde gegenwärtig in Saudi-Arabien befragt. Die israelischen Passagiere warten den Berichten zufolge auf ihre Heimreise. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte mit, die Lage sei unter Kontrolle und man unternehme alles, um die sichere Rückkehr der israelischen Passagiere in ihre Heimat zu gewährleisten.
Die Emirate hatten Israel 2020 im Rahmen eines Annäherungsabkommens anerkannt und haben seitdem die Zusammenarbeit unter anderem in den Bereichen Wirtschaft und Verteidigung verstärkt. Dubai ist unter Israelis in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Reiseziel geworden. Netanjahu war erst am Sonntag auf Einladung von Präsident Mohammed bin Sajid in die Emirate gereist. Beide Länder unterhalten bislang keine diplomatischen Beziehungen, arbeiten jedoch hinter den Kulissen in einigen Bereichen zusammen. Eine mögliche Normalisierung der Beziehungen ist seit Jahren Gegenstand diplomatischer Bemühungen, ist seit dem Gaza-Krieg aber unwahrscheinlicher geworden.



