Politik

Mehrere Schiffe weiter unterwegsIsraels Militär nimmt 175 Aktivisten der Gaza-Hilfsflotte fest

30.04.2026, 17:46 Uhr
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Boote mit Aktivisten und humanitärer Hilfe während einer symbolischen Verabschiedungszeremonie Mitte April in Barcelona. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Die Aktion war erwartet worden - nicht aber ihr Ausmaß. Rund 1000 Kilometer von Israel entfernt, westlich der griechischen Insel Kreta, stoppt die israelische Marine mehr als 20 Schiffe einer internationalen Gaza-Hilfsflotte. Die Organisatoren sprechen von einem "gewaltsamen Akt der Piraterie".

Die israelische Marine hat im Mittelmeer mehr als 20 Schiffe einer internationalen Gaza-Hilfsflotte abgefangen und Dutzende Aktivisten festgenommen. Nach Angaben des Außenministeriums in Jerusalem werden rund 175 Aktivisten "friedlich" nach Israel gebracht. Die "Global Sumud Flotilla" sprach dagegen von einem "gewaltsamen Einsatz in internationalen Gewässern". Marinesoldaten hätten mehrere Boote geentert und "systematisch außer Gefecht gesetzt".

Der Einsatz erfolgte westlich der griechischen Insel Kreta, die rund 1000 Kilometer Luftlinie von Israel entfernt liegt. Mit einem Eingreifen war gerechnet worden, der Zeitpunkt und die Entfernung überraschten jedoch. Das israelische Außenministerium teilte mit, aufgrund der großen Anzahl an Schiffen sowie des Risikos einer Eskalation sei "ein frühzeitiges Eingreifen im Einklang mit dem Völkerrecht erforderlich" gewesen. Die Operation sei "in internationalen Gewässern friedlich und ohne Verletzte durchgeführt" worden. 

Mehrere Schiffe der Flotte setzen nach dem Zwischenfall ihre Fahrt nach Osten fort. Einige der Boote bewegten sich am Nachmittag entlang der Küste Kretas innerhalb der griechischen Hoheitsgewässer, wie Daten des Online-Trackers der Initiatoren der Flottille sowie des Schiffsverfolgungssystems Marine Traffic zeigten. Von den Veranstaltern gab es zunächst keine Aussagen zu den weiteren Plänen der beteiligten Schiffe.

Schwere Vorwürfe

Die Organisatoren warfen Israel vor, Motoren und Navigationssysteme zerstört zu haben. Zudem seien Zivilisten auf beschädigten, manövrierunfähigen Schiffen zurückgelassen worden. Dies sei trotz eines herannahenden Sturms geschehen. Auch Kommunikationsverbindungen seien gestört worden.

Die Armee äußerte sich dazu nur knapp. Sie verwies auf die Durchsetzung der Seeblockade des Gazastreifens, die Israel mit Sicherheitserwägungen begründet. Man handele gemäß den Anweisungen der politischen Führung.

Teilnehmer berichteten, Schnellboote des Militärs hätten sich nachts genähert. Soldaten hätten Laser und halbautomatische Waffen auf sie gerichtet. Sie seien gezwungen worden, sich an den Bug zu begeben und auf Hände und Knie zu gehen.

Bislang größte Mission dieser Art

Die Hilfsflotte war am Sonntag von Sizilien aus in See gestochen. An Bord waren Aktivisten aus zahlreichen Ländern. Die Organisatoren sprachen von der bislang größten Mission dieser Art. Israel warf den Veranstaltern vor, bei der Vorbereitung mit der islamistischen Terrororganisation Hamas zusammengearbeitet zu haben, die noch etwa die Hälfte des Küstenstreifens kontrolliert. 

Das Außenministerium von Jerusalem sprach von "professionellen Provokateuren" und warf ihnen vor, sie wollten den Übergang in die zweite Phase des Gaza-Friedensplans von US-Präsident Donald Trump sabotieren und die Aufmerksamkeit ablenken von der Weigerung der Hamas, ihre Waffen niederzulegen. 

Der Angriff der israelischen Streitkräfte auf die Flotte sei ein "Akt der Piraterie" gewesen, hieß es vom türkischen Außenministerium. Damit habe Israel humanitäre Werte und das Völkerrecht ins Visier genommen. Gemeinsam mit den betroffenen Ländern würden alle notwendigen Schritte unternommen, um die Lage zu klären.

Ziel der Hilfsflotte war es, die seit 2007 bestehende Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Zugleich sollten Hilfsgüter in das Gebiet gebracht werden, das in mehr als zwei Jahren Krieg weitgehend verwüstet worden ist. Außerdem fordert die Initiative einen dauerhaften humanitären Korridor.

Israel hat ähnliche Versuche in der Vergangenheit stets unterbunden. Auch eine frühere Fahrt der Flottille im vergangenen Herbst wurde gestoppt.

Quelle: ntv.de, uzh/dpa

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