Politik

"Sea-Watch 3" legt in Italien an Italien nimmt deutsche Kapitänin fest

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Polizisten führen Rackete in Lampedusa von Bord.

(Foto: REUTERS)

Es ist ein Schritt mit Ankündigung: Kaum legt das deutsche Rettungsschiff "Sea-Watch 3" im Hafen von Lampedusa an, verhaftet die italienische Polizei die deutsche Kapitänin Rackete. Die 40 Geflüchteten verharren weiter an Bord.

Nach wochenlangem Tauziehen hat das deutsche Flüchtlings-Rettungsschiff "Sea-Watch 3" nach Angaben der Hilfsorgansation Sea-Watch im Hafen der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa angelegt. Nach dem Festmachen sei die deutsche Kapitänin Carola Rackete festgenommen worden, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer. Die 40 Geflüchteten befinden sich weiterhin an Bord.

Im Hafen wurde das Schiff von Unterstützern mit Applaus begrüßt. Rackete wurde anschließend von Polizisten in Handschellen abgeführt. Ihr wird vorgeworfen, die Anweisungen eines Militärschiffs missachtet zu haben, nachdem sie das Schiff ohne Erlaubnis in den Hafen gesteuert hatte. Laut der Zeitung "La Repubblica" hatte ein Boot der Küstenwache vergeblich versucht, die "Sea-Watch 3" am Einlaufen zu hindern, indem es mehrfach zwischen dem Flüchtlings-Rettungsschiff und dem Kai kreuzte.

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"Niemand hörte uns zu. Niemand übernahm Verantwortung. Einmal mehr ist es an uns, (...), die 40 Geretteten in Sicherheit zu bringen", twitterte die Organisation. Daraufhin habe man die Behörden auf Lampedusa informiert und das Schiff in italienische Hoheitsgewässer gesteuert. "Ich fahre in italienische Gewässer und ich bringe sie (die Migranten) in Sicherheit auf Lampedusa", betonte Rackete. Nach dem Anlegen sagte sie: "Wir sind nicht erleichtert, wir sind wütend. Diese Landung hätte vor mehr als zwei Wochen stattfinden sollen, und sie hätte von den Behörden koordiniert statt behindert werden sollen."

Rackete für Gang ins Gefängnis bereit

Sea-Watch-Geschäftsführer Johannes Bayer erklärte bei Twitter, die Kapitänin habe "genau das Richtige getan". Rackete habe das Seerecht eingehalten und die Geflüchteten in Sicherheit gebracht. Die 31-Jährige hatte am Mittwoch trotz eines Verbots Italiens Kurs auf die italienischen Hoheitsgewässer genommen und Lampedusa angesteuert. Auf Anweisung der Polizei musste das Schiff aber rund eine Seemeile vor dem Hafen stoppen. Rackete gab an, sie wisse, was sie riskiere und sei bereit, für ihre Entscheidungen ins Gefängnis zu gehen.

Kurz zuvor war bekannt geworden, dass die italienischen Behörden gegen Rackete ermitteln. Der Kapitänin würden von der Staatsanwaltschaft im sizilianischen Agrigent unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts vorgeworfen, hieß es. Innenminister Matteo Salvini hatte Rackete und ihre Mannschaft als "Piraten" bezeichnet, die kriminellen Banden den Schmuggel von Afrikanern nach Europa ermöglichten.

Lage an Bord sehr angespannt

Laut Rackete war die Lage an Bord zuletzt sehr angespannt. "Die Sorge vor Selbstverletzungen ist sehr, sehr groß", sagte sie. Zwei Männer wurden als medizinische Notfälle eingestuft und konnten das Schiff bereits in der Nacht zu Freitag verlassen. Es handelt sich laut Sea-Watch um einen 19-Jährigen, der an starken Schmerzen gelitten habe, sowie dessen jüngeren Bruder. "Wir können nicht darauf warten, dass jeder einzelne Mensch ein medizinischer Notfall wird, bis Europa erkennt, dass sie grundlegende Rechte haben", erklärte Rackete.

Das Schiff hatte am 12. Juni insgesamt 53 Menschen vor der Küste Libyens von einem Schlauchboot gerettet. Neben den zwei Brüdern wurden 11 weitere von ihnen, darunter Frauen, Kranke und Kinder, waren in den vergangenen Tagen bereits an Land gebracht worden. Fünf Länder - Deutschland, Portugal, Frankreich, Finnland und Luxemburg - hatten sich bereits erklärt, Migranten von dem Schiff zu übernehmen.

Quelle: n-tv.de, lou/AFP/dpa/rts

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