Politik

"Kampf der Dynastien" Jeb Bush will US-Präsident werden

Der Republikaner Jeb Bush will nach seinem Vater und seinem Bruder ins Weiße Haus einziehen. Er verspricht Millionen Jobs, Geld für das Militär und eine harte Linie gegenüber Russland. Doch der ehemalige Gouverneur von Florida hat starke Konkurrenten.

Es war keine Überraschung mehr: Auch Jeb Bush will ins Weiße Haus. Mit der Verkündung seiner Kandidatur für die Präsidentenwahl 2016 auf einer Kundgebung in Miami geht der Ex-Gouverneur von Florida künftig auch offiziell auf Wähler- und Spendenfang. "Ich bin Kandidat für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten", erklärte Bush vor jubelnden Anhängern.

Der 62-Jährige zählt zu den eher gemäßigten Republikanern. Experten halten ihn für einen der potenziell gefährlichsten Gegner für Ex-Außenministerin Hillary Clinton, die sich auf demokratischer Seite bewirbt. US-Medien sprechen bereits vom "Kampf der Dynastien".

Bush machte große Versprechen: Er wolle die US-Wirtschaft zu vier Prozent Wachstum bringen und 19 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Amerika solle "eine Supermacht wie keine andere" sein. Er sprach sich auch für eine "vernünftige Einwanderungsreform" aus.

Gewinnt Jeb Bush die Wahl, wäre er nach seinem Vater George und seinem Bruder George W. das dritte Mitglied der Familie, das ins Weiße Haus einzieht. Allerdings muss Jeb Bush dazu erst einmal eine ganze Reihe republikanischer Mitbewerber aus dem Feld schlagen.

Dazu gehören die Senatoren Rand Paul und Ted Cruz - Lieblinge der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung, die Bush als Vertreter des politischen Establishments brandmarken dürften. Auch Senator Marco Rubio aus Florida und der Gouverneur von Wisconsin, Scott Walker, gelten als ernstzunehmende Herausforderer. Walkers offizieller Einstieg in den Wahlkampf wird Ende Juni erwartet.

"Ich bin nicht George"

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Jeb Bush kandidiert nun offiziell.

(Foto: REUTERS)

Im demokratischen Lager zeichnet sich hingegen keine ernsthafte Konkurrenz für Hillary Clinton ab. Sie gilt damit bereits jetzt als wahrscheinliche Spitzenkandidatin ihrer Partei. Der just von einer Europareise zurückgekehrte Bush räumte in einem CNN-Interview ein, dass ein langer Weg vor ihm liege. Seine Kandidatur sei ein "langsames stetiges Projekt", bei dem es darauf ankomme, als Jeb bekannt und nicht mit seiner Familie in einen Topf geworfen zu werden. "Ich bin nicht George", sagte Bush. "Ich werde antreten, um zu gewinnen."

"Wir werden die Zukunft in diesem Land wieder in die Hand nehmen", rief Bush seinen Anhängern zu. Washington sei derzeit blockiert und erlahmt. Dem müsse man ein Ende setzen. "Ich weiß, dass ich es reparieren kann", sagte Bush, der mit Blick auf das wichtige Wählerpotenzial der Latinos auch auf Spanisch sprach. Sein zweiter Vorteil: Er hat eine mexikanische Ehefrau. Beides dürfte ihm bei der wichtigen Wählergruppe der Latinos beliebt machen.

In der Außenpolitik forderte er ein starkes Amerika. Er wolle vor allem das Militär stärken, das Amtsinhaber Barack Obama in die "Unterlegenheit" geführt habe. Ausdrücklich bekannte er sich zur Freundschaft mit Israel. Scharfe Kritik richtete er auch an Hillary Clinton.

Für harten Kurs gegen Russland

Beide - Clinton und Bush - haben ihren Wahlkampf längst begonnen. Clinton hielt am Wochenende eine große Rede in New York, Bush besuchte Deutschland, Polen und das Baltikum - um sich als Außenpolitiker zu profilieren. Er tritt für einen harten Kurs gegen Russland ein.

Bush war von 1999 bis 2007 Gouverneur im wichtigen Swing-State Florida, das bei Präsidentenwahlen oftmals eine entscheidende Rolle spielt. Allerdings ist ihm schon ein erster Fauxpas unterlaufen: Ausgerechnet beim Thema Irakkrieg änderte er innerhalb weniger Tag seine Meinung. Zunächst meinte er, er hätte ebenso gehandelt wie sein Bruder George W., der 2003 im Irak einmarschierte - später ruderte Jeb Bush zurück. Anhänger sind zudem besorgt, dass der eher introvertierte Bush im Vergleich zu Mitbewerbern wenig energiegeladen wirken könnte. Erst vor wenigen Tagen tauschte er seinen Wahlkampfmanager aus, was auf Probleme hindeutet.

Politisch hält "Bush3" eine Mittelposition im Spektrum der Republikaner. Als Gouverneur senkte er Steuern und privatisierte, was der konservativen "Tea Party" gefällt. Bei der geplanten Einwanderungsreform sieht das wohl anders aus.

Quelle: ntv.de, rpe/wne/dpa

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