Politik
Am 1. September organisierte die AfD zusammen mit dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida einen "Schweigemarsch" in Chemnitz.
Am 1. September organisierte die AfD zusammen mit dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida einen "Schweigemarsch" in Chemnitz.(Foto: picture alliance/dpa)
Dienstag, 11. September 2018

Forsa-Umfrage zu Chemnitz: Jeder dritte AfD-Anhänger billigt Angriffe

Das, was sich dieser Tage in der sächsischen Stadt Chemnitz abspielt, bewegt ganz Deutschland. Während viele Bürger ihre Bedenken über die Proteste rechter Gruppierungen kundtun, hält ein Großteil der AfD-Wähler diese Demonstrationen für legitim.

Für die Proteste rechter Gruppen in Chemnitz haben nur die wenigsten Bürger Verständnis; allerdings schwankt die Haltung je nach Parteizugehörigkeit stark. Das geht aus dem Trendbarometer für RTL und n-tv hervor. Demnach können nur 22 Prozent der Befragten nachvollziehen, dass nach dem gewaltsamen Tod eines 35-jährigen Mannes - mutmaßlich durch Messerstiche zweier Asylbewerber - Menschen mit rechter Gesinnung auf die Straße gingen. Für Drohungen und Attacken gegen Ausländer haben nur sieben Prozent Verständnis. Den Gegenprotest und das Konzert #wirsindmehr gegen Rassismus heißen dagegen drei von vier Befragten gut.

Zwischen Ost- und Westdeutschen und zwischen den Anhängern der etablierten Parteien gibt es bei dieser Einschätzung keine wesentlichen Unterschiede. Nur die befragten Anhänger der "Alternative für Deutschland" (AfD) haben in breiter Mehrheit (86 Prozent) Verständnis für die Proteste rechter Gruppen - den Gegenprotest halten nur 16 Prozent für legitim. Zum Vergleich: Die stärkste Zustimmung unter den anderen Parteien erfahren die rechten Proteste bei CSU-Anhängern. Unter ihnen äußern ein Viertel der Befragten in diesem Zusammenhang Verständnis.

Für Drohungen und Attacken gegen Ausländer können nur sieben Prozent der Befragten Verständnis aufbringen; unter den AfD-Anhängern billigt jeder Dritte (33 Prozent) dieses Verhalten. Die Angst davor, dass Ausländerhass und rechtsradikales Gedankengut in Deutschland zunehmen werden, teilen zwei Drittel der Befragten. Während diese Furcht bei den Anhängern der SPD und der Grünen besonders ausgeprägt ist (jeweils 81 Prozent), ist nur jeder fünfte AfD-Anhänger diesbezüglich besorgt.

Mehrheit befürwortet Beobachtung der AfD

Infolge der Ereignisse der vergangenen Tage will Angela Merkel voraussichtlich im Oktober nach Chemnitz fahren. Knapp die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass die Bundeskanzlerin früher in die Stadt hätte reisen sollen. Nur 25 Prozent meinen, der Besuch sei früh genug. Und 19 Prozent vertreten der Auffassung, Merkel müsse gar nicht hinfahren. Der Rest der Umfrage-Teilnehmer ist bei dieser Frage unentschlossen.

Nachdem sich die AfD den Demonstrationen in Chemnitz mit rechtsextremen Teilnehmern angeschlossen hat, ist eine mögliche Beobachtung der Partei durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in den Fokus der öffentlichen Diskussion gerückt. Die Bundesländer Bremen und Niedersachsen kündigten an, die Jugendorganisation der AfD beobachten zu wollen. 60 Prozent der Befragten sind laut Forsa-Erhebung dafür, dass der Verfassungsschutz künftig die AfD als Ganzes beobachtet, 31 Prozent sind dagegen. Auf Seiten der AfD-Anhänger sind 91 Prozent gegen entsprechende Maßnahmen durch das BfV.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte zwischen dem 5. und 6. September 1009 Menschen, 505 in West- und 504 in Ostdeutschland. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei plus/ minus drei Prozentpunkten.

Quelle: n-tv.de