Politik

Unpassender Vergleich mit Antisemitismus Juden reagieren empört

Ein hoher Geistlicher des Vatikans vergleicht in Anwesenheit des Papstes die Kritik an der katholischen Kirche wegen der Missbrauchsfälle mit dem Antisemitismus. Vertreter des Judentums reagieren empört auf die Äußerungen Cantalamessas, dessen Titel "Prediger des päpstlichen Hauses" lautet.

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Raniero Cantalamessa während des Karfreitagsgottesdienstes im Vatikan.

(Foto: AP)

Der persönliche Prediger von Papst Benedikt XVI. hat die im Zusammenhang mit der Missbrauchsaffäre gegen die katholische Kirche und ihr Oberhaupt erhobenen Vorwürfe mit dem Antisemitismus verglichen.

Die Juden seien in der Geschichte Opfer kollektiver Gewalt geworden, und die Anschuldigungen gegen die Kirche und den Papst erinnerten an die "schändlichsten Aspekte des Antisemitismus", sagte Pater Raniero Cantalamessa bei einem Karfreitagsgottesdienst im Vatikan in Anwesenheit Benedikts. Ein jüdischer Freund habe ihm geschrieben, dass er die "gewaltsamen und konzentrierten Angriffe" auf die Religionsgemeinschaft und ihr Oberhaupt mit Abscheu verfolge.

Er beziehe sich nicht weiter auf die Missbrauchsfälle, durch die sich "nicht wenige Mitglieder des Klerus befleckt haben", denn darüber werde andernorts genug geredet, sagte Cantalamessa.

Vertreter des Judentums reagierten empört auf die Äußerungen Cantalamessas, dessen Titel "Prediger des päpstlichen Hauses" lautet. "Schande über Pater Cantalamessa", sagte Elan Steinberg von der Vereinigung amerikanischer Holocaust-Überlebender und ihrer Nachkommen. Der Vatikan habe das Recht, sich zu verteidigen, doch der Vergleich sei beleidigend und nicht nachvollziehbar. "Wir sind zutiefst enttäuscht", sagte Steinberg.

Benedikt XVI. gedachte bei der Karfreitagszeremonie im Petersdom des Leidens und Sterbens Jesu. Der Papst steht in der Kritik, weil er bislang noch keine offizielle Erklärung zu den deutschen Missbrauchsfällen von Kindern durch katholische Priester abgegeben hat. Außerdem hatten Missbrauchsopfer aus den USA ihm vorgeworfen, Ende der 90er Jahre in seiner damaligen Position als Präfekt der Glaubenskongregation nichts gegen einen pädophilen Priester unternommen zu haben.

Der Vatikan hat Vorwürfe zurückgewiesen, den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche vertuscht zu haben. Den Medien warf die römisch-katholische Kirche ehrenrührige Motive vor.

Quelle: ntv.de, rts/AFP