Politik
Als Gefahrenquellen für Julien Assange gilt die britische Polizei - und er selbst.
Als Gefahrenquellen für Julien Assange gilt die britische Polizei - und er selbst.(Foto: AP)
Dienstag, 15. Mai 2018

Exil in Londoner Botschaft: Julian Assange kostet Ecuador Millionen

Seit 2012 erhält der Wikileaks-Gründer in der ecuadorianischen Botschaft Asyl, um einer möglichen Auslieferung in die USA zu entgehen. Einem Bericht zufolge ist Assanges Überwachung sehr teuer - jedoch sei er mehreren Bedrohungen ausgesetzt.

Ecuador schützt Wikileaks-Gründer Julian Assange in seiner Botschaft in London mit einem millionenschweren Überwachungsprogramm. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen, die sie gemeinsam mit dem britischen "Guardian" und dem ecuadorianischen Magazin "Focus" habe einsehen können. Die Geheimdienst-Operation läuft demnach seit mehr als fünf Jahren und kostet pro Monat durchschnittlich 66.000 Dollar. Die Dokumente zeigten, dass der Gründer der Enthüllungsplattform aus Sicht seiner Bewacher in seinem Exil mehreren Bedrohungen ausgesetzt sei.

Als eine Gefahrenquelle gilt demnach die britische Polizei, der zugetraut wird, dass sie unter einem medizinischen Vorwand in die Botschaft eindringen und Assange festnehmen könnte. Für die Überwachung beauftragte die Regierung Ecuadors dem Bericht zufolge eine europäische Sicherheitsfirma, die Assange rund um die Uhr überwacht. Als Stützpunkt für die Operation wurde demnach für mehr als 4000 Euro im Monat eine Wohnung nahe der Botschaft angemietet. Das Geld dafür stammt aus einem Sonderetat des Geheimdiensts, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Aber auch Assange selbst sei eine Gefahr, der offenbar sehr darunter leide, das Gebäude seit 2012 nicht verlassen zu dürfen.

Assange hatte sich 2012 in die Botschaft Ecuadors in London geflüchtet, um sich vor einer seiner Meinung nach drohenden Auslieferung die USA zu schützen. Hintergrund sind US-Geheimdokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan, die die Wikileaks verbreitet hatte.

Als Assange in die Botschaft flüchtete, lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Er befürchtete, nach Skandinavien und dann an die USA ausgeliefert zu werden. Im Mai 2017 stellte die Staatsanwaltschaft jedoch überraschend ihre Ermittlungen ein. Scotland Yard kündigte dennoch an, Assange festzunehmen, sobald er die Botschaft verlässt. Die britischen Behörden werfen ihm vor, seine Kautionsauflagen verletzt zu haben, als er in die Botschaft flüchtete.

Quelle: n-tv.de