Politik

"Sollte mehr Respekt haben" Katars Energieminister kritisiert Habeck

279510703.jpg

"Es sieht nur so aus, als hätte er sich verbeugt. Das hat er aber nicht", sagt der katarische Energieminister Al-Kaabi (r.) über das berühmte Foto mit Wirtschaftsminister Habeck (l.).

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschland setzt in Zukunft auf Flüssiggas aus Katar - allerdings wird erst ab 2026 geliefert. Der Energieminister des Golfstaates erklärt die Hintergründe und macht Hoffnung auf weitere Abkommen. Gleichzeitig kritisiert er Wirtschaftsminister Habeck für dessen Korruptions-Kommentar zur WM.

Kurz nach der Unterzeichnung des neuen Flüssiggas-Deals zwischen Katar und Deutschland hat sich der katarische Energieminister Saad Scherida Al-Kaabi in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung geäußert - und Kritik an Deutschlands Wirtschaftsminister Robert Habeck und Innenministerin Nancy Faeser geübt. Auch äußerte er sich zu dem späten Gas-Lieferbeginn ab 2026 und den Umgang seines Landes mit homosexuellen Menschen.

Auf die Frage, warum Katar erst ab dem Jahr 2026 Gas an Deutschland liefern könne, sagte Al-Kaabi: "Es muss viel geplant werden", so der Minister. Bohrungen seien nötig und eine große Schiffsflotte müsse gebaut werden. Die Investitionen dafür beliefen sich auf 20 Milliarden Dollar. "100 LNG-Schiffe, 125 Millionen Dollar pro Schiff, das dauert einfach zehn Jahre, so etwas vorzubereiten."

Was Katar tun könne, um die Zeit bis 2026 zu überbrücken? "Was wir bereits getan haben, ist, aufzuhören, all die Volumina an Gas, die eigentlich nach Europa sollten, woanders hinzuschicken", so der Energieminister. Diese Praxis würde beendet und auch der Vertrag mit Deutschland sei ein Teil davon.

Nach oben "kein Maximum"

Die Lieferungen aus Katar sollen bis zu zwei Millionen Tonnen Gas im Jahr umfassen und über mindestens 15 Jahre gehen. Mit den vereinbarten Liefermengen würden etwa drei Prozent des deutschen Bedarfs abgedeckt, schätzte Al-Kaabi. Aber dies sei in Zukunft noch ausbaufähig. Nach oben hin gebe es dabei "kein Maximum".

Den Kommentar vom deutschen Wirtschaftsminister Habeck, die WM in Katar bei einer solchen Hitze könne nur "durch Korruption erklärt werden", bezeichnete Al-Kaabi allerdings als "unverantwortlich". "Wenn man jemandem Korruption vorwirft, muss man erstmal Beweise liefern. Man kann verklagt werden dafür." Wenn Habeck dies tatsächlich gesagt habe, dann sei es falsch gewesen. "Er sollte mehr Respekt für Katar und sein Volk haben", sagte der Minister.

Auch auf das berühmte Foto aus dem März dieses Jahres, auf dem sich Habeck bei seinem Besuch im Emirat vor Al-Kaabi zu verbeugen scheint, reagierte der katarische Energieminister: "Ich mag das Bild nicht. Da sieht es so aus, als ob er sich vor mir verneigt. Das ist überhaupt nicht das, was passiert ist." Vielmehr habe Habeck seine Hand ausgestreckt, weil er selbst noch telefoniert habe. "Es sieht nur so aus, als hätte er sich verbeugt. Das hat er aber nicht", so Al-Kaabi. Er betonte: "Ich habe ein gutes Verhältnis zu Habeck und der gesamten deutschen Regierung. Wir respektieren sie und sie respektieren uns."

"Islamisches Gesetz akzeptiert LGBTQ nicht"

Al-Kaabi erteilte in dem Interview zudem Änderungen im Umgang mit homosexuellen Menschen in seinem Land infolge der Fußball-WM eine Absage. "Als Muslime glauben wir daran, dass LGBTQ nicht akzeptabel ist in unserer Religion", sagte Al-Kaabi. "Das islamische Gesetz akzeptiert LGBTQ nicht." Die englische Abkürzung LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer.

Mehr zum Thema

Internationale Kritik an der Haltung Katars in dieser Frage wies er zurück. "Der Westen will uns das diktieren, was er will", sagte er. Es werde verlangt, "dass wir als Kataris uns verändern müssen. Dass wir unsere Religion, unseren Glauben ändern müssen." Dies sei "nicht akzeptabel". Al-Kaabi warf dem Westen in dieser Hinsicht eine "große Doppelmoral" vor.

Auch den Stadionbesuch von Innenministerin Nancy Faeser mit der "One Love"-Binde kommentierte Al-Kaabi: "Ich glaube nicht, dass es von Menschen begrüßt wurde. Wenn ich als Regierungsvertreter ein anderes Land besuche und weiß, dass das Land von einer speziellen Geste (...) angegriffen ist, dann würde ich das respektieren."

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 30. November 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, kst

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen