Politik

Putin "spuckt UNO ins Gesicht" Kiew meldet Raketenangriff auf Hafen von Odessa

Am Freitag einigen sich Russland und die Ukraine auf ein Abkommen, das lebenswichtige Getreidelieferungen ermöglichen soll. Der Hafen von Odessa gehört zu den wichtigsten Umschlagplätzen. Nach Angaben der Kiewer Regierung schlagen dort plötzlich russische Raketen ein.

Einen Tag nach der Einigung auf eine Wiederaufnahme der blockierten Getreide-Lieferungen ist der für die Ausfuhr wichtige ukrainische Hafen von Odessa nach ukrainischen Angaben von russischen Raketen getroffen worden. "Der Feind hat den Hafen von Odessa mit Kalibr-Marschflugkörpern angegriffen. Zwei Raketen trafen die Infrastruktur des Hafens", teilt der militärische Führungsstab im Süden unter anderem auf Telegram mit. Zwei weitere Raketen seien von der Luftabwehr abgeschossen worden.

Damit habe Russlands Präsident Wladimir Putin den Vereinten Nationen und der Türkei "ins Gesicht gespuckt", heißt es von ukrainischer Seite. UN-Generalsekretär António Guterres und die türkische Regierung hatten das Getreideabkommen vermittelt, das Kiew und Moskau am Freitag in Istanbul unterzeichnet hatten.

Das Abkommen regelt, wie die Ukraine ihr für den Weltmarkt wichtiges Getreide über das Schwarze Meer durch den Bosporus ausliefern kann. Die Vereinbarung sieht fünf Monate nach Kriegsbeginn abgesicherte Transitrouten für Frachtschiffe aus drei ukrainischen Häfen im Raum Odessa vor. Die Ukraine und Russland haben außerdem zugesagt, kein Schiff auf diesen Routen anzugreifen.

"Putin ist nicht zu trauen"

Das ukrainische Außenministerium forderte die UN und die Türkei auf, sicherzustellen, dass Russland diese Zusagen einhält. Die US-Botschafterin in Kiew bezeichnete den Angriff als "ungeheuerlich" und fordert, dass Russland zur Rechenschaft gezogen wird. "Der Kreml fährt fort damit, Grundnahrungsmittel als Waffe einzusetzen", erklärt Bridget Brink auf Twitter.

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt pflichtet ihr bei. "Putin ist nicht zu trauen. Am Tag nach dem Getreideabkommen lässt er den Hafen von Odessa angreifen", sagt sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Das ist der nächste Bruch mit den Vereinten Nationen. Das kann nicht unbeantwortet bleiben", fordert die Grünen-Politikerin. "Putin täuscht die Ukraine und die Weltgemeinschaft. Das erleben wir seit 2014."

25 Millionen Tonnen Weizen warten auf Ausfuhr

Russland und die Ukraine gehören zu den weltweit größten Getreideproduzenten. Vor Beginn der russischen Invasion lieferten sie zusammen etwa 30 Prozent des weltweit gehandelten Weizens. Das Abkommen soll unter anderem die Ausfuhr von 20 bis 25 Millionen Tonnen Weizen ermöglichen, die durch den Krieg in ukrainischen Silos feststecken. Nach der Einigung fiel der Weizenpreis an den Handelsmärkten auf den Stand, den er vor Beginn des russischen Angriffs hatte.

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Die Unterzeichnungszeremonie in Istanbul war ein heikler Akt. Die Regierung in Kiew hatte sich wegen des russischen Angriffs geweigert, dasselbe Dokument zu unterzeichnen wie der Vertreter Moskaus. Deshalb setzten die Vertreter beider Länder, der ukrainische Infrastrukturminister Oleksandr Kubrakow und der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu, ihre Unterschriften unter zwei getrennte, aber inhaltlich identische Abkommen. Diese wurden ebenfalls von Vertretern der Türkei und der Vereinten Nationen unterzeichnet. UN-Generalsekretär Guterres und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan waren bei der Zeremonie im Dolmabahce-Palast zugegen.

Die russische Schwarzmeer-Blockade hatte in den vergangenen Monaten zunehmend zu Problemen bei der globalen Nahrungsmittelversorgung geführt. Laut dem UN-Ernährungsprogramm (WFP) stieg die Zahl der Menschen rund um den Globus, die "starken Hunger" leiden, seit Beginn der russischen Invasion um 47 Millionen Menschen.

Quelle: ntv.de, chr/AFP/rts

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