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Der Kriegstag im Überblick Kiew meldet "erfolgreichen" Angriff auf Brücken - Selenskyj spricht beim Gas von "Preisterror"

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Ukrainische Soldaten attackieren russische Truppen in der Region Charkiw.

(Foto: AP)

Die Ukraine kann weitere Erfolge in Cherson verbuchen: Sie hat die kleine Ortschaft Andrijiwka zurückerobert. Doch auch den Truppen des Kremls gelingen Geländegewinne. Zudem rüstet Kiew mit deutschem Kriegsgerät auf: Für insgesamt 1,7 Milliarden Euro kauft sie Systeme vom Typ "Panzerhaubitze 2000" des Rüstungsherstellers KMW. Auch Moskau und Warschau wollen ihr Militär stärken. Russlands Präsident Putin will in diesem Zusammenhang mit seinem türkischen Amtskollegen Erdogan über den Erwerb von Kampfdrohnen sprechen. Und Polen beschafft sich tausend südkoreanische Panzer. Derweil fordert Präsident Selenskyj vom Westen eine entschiedene Reaktion auf die von Russland gedrosselten Gasmengen nach Europa. Der 154. Kriegstag im Überblick.

Ukraine und Russland melden Geländegewinne

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben die kleine Ortschaft Andrijiwka im Gebiet Cherson im Süden des Landes vollständig erobert. Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte mit, von Russland gehaltene Brücken über den Fluss Dnipro seien "erfolgreich" angegriffen worden und drohte den russischen Einheiten in der Großstadt Cherson mit Vernichtung. Hingegen stießen russische Truppen in der Ostukraine vor. Söldner der sogenannten Wagner-Gruppe hätten vermutlich taktische Fortschritte rund um das wichtige Kohlekraftwerk Wuhlehirsk gemacht, teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Zuvor hatten Medien der Donezker Separatisten die Eroberung gemeldet. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen.

Bund genehmigt KMW Export von Haubitzen

Derweil hat die Bundesregierung den Verkauf von 100 modernen Panzerhaubitzen an die Ukraine genehmigt. Wie der "Spiegel" berichtet und der deutsche Rüstungshersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) inzwischen bestätigt, erteilte das zuständige Bundeswirtschaftsministerium bereits am 13. Juli eine Herstellungsgenehmigung für die Systeme vom Typ "Panzerhaubitze 2000". Damit ist auch der Export genehmigt, sagte ein KMW-Sprecher. Der Vertrag mit der Ukraine werde jetzt gemacht. KMW sei aber bereit, in Vorleistung zu gehen, damit keine Zeit verloren gehe. Dem "Spiegel" zufolge hatte die Ukraine bereits im April bei KMW angefragt, ob man die Haubitzen direkt vom Hersteller erwerben könne. Daraufhin hatte KMW umgehend ein entsprechendes Angebot abgegeben. Ein Sprecher sagte dem Magazin, KMW habe am 11. Juli einen entsprechenden Antrag beim Wirtschaftsressort gestellt und schon zwei Tage später eine Genehmigung erhalten.

Kreml interessiert sich für türkische Drohnen

Der Kriegsgegner der Ukraine begibt sich hingegen in der Türkei auf die Suche nach möglichen Waffenkäufen. So ist der Kreml interessiert an der auch von Kiew erfolgreich eingesetzten türkischen Kampfdrohne Bayraktar TB2. Auch das Thema der militär-technischen Zusammenarbeit werde beim Treffen des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan in Sotschi am Schwarzen Meer am 5. August besprochen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Zuvor hatte Russland Spekulationen zurückgewiesen, Drohnen vom Iran kaufen zu wollen. Putin und Erdogan hatten sich in der vergangenen Woche in der iranischen Hauptstadt Teheran getroffen. Nun sagte Peskow, dass sich beide Seiten auch über solch sensible Fragen unterhielten, zeige, wie eng die Zusammenarbeit beider Länder sei.

Polen kauft tausend Kampfpanzer aus Südkorea

Auch Polen rüstet sich im Angesicht der russischen Invasion im Nachbarland. Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak unterzeichnete Rahmenverträge über eine umfangreiche Lieferung und Produktion von schwerem Militärgerät aus Südkorea. Die Vereinbarungen sehen vor, dass Polen rund tausend Kampfpanzer, etwa 650 Haubitzen und 48 Kampfflugzeuge erhält. Angaben zum Gesamtvolumen des Rüstungsgeschäfts machten beide Seiten nicht. Polen ziehe die Lehren aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, sagte Blaszczak nach der Unterzeichnung der Verträge. "Die Zeit drängt, wir müssen die polnische Armee ausrüsten."

Durch Nord Stream 1 fließt weniger Gas

Und auch in Deutschland drängt die Zeit, hier ist allerdings der Gasmangel das Problem. Seit dem heutigen Mittwoch fließt durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 deutlich weniger russisches Erdgas nach Deutschland. Es wurden nur noch gut 14 Millionen Kilowattstunden pro Stunde geliefert, wie aus Netzdaten auf der Unternehmensseite hervorgeht. Der russische Staatskonzern Gazprom hatte angekündigt, die Auslastung von 40 Prozent auf 20 Prozent zu drosseln. Moskau macht dafür erneut technische Probleme wegen westlicher Sanktionen verantwortlich. Die Bundesregierung glaubt dem nicht. "Wir sehen dafür wie schon zuvor keine technischen Ursachen", sagte eine Regierungssprecherin. "Was wir hier sehen, ist tatsächlich ein Machtspiel, und davon lassen wir uns nicht beeindrucken."

Gas ist Teil russischer Kriegsstrategie

Angesichts der gedrosselten Gaslieferungen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den Westen zu neuen Sanktionen gegen Moskau aufgerufen. "Denn allen ist klar, dass dies ein bewusster Preisterror Russlands gegen Europa ist", sagte Selenskyj am Abend in seiner täglichen Videoansprache. Netzagentur-Chef Klaus Müller sagte im Deutschlandfunk, Erdgas sei inzwischen Teil der russischen Außenpolitik und womöglich auch Teil der Kriegsstrategie. Müller rechnet nicht damit, dass in den kommenden Wochen durch Nord Stream 1 noch 40 Prozent der möglichen Menge fließen. Der europäische Gaspreis stieg weiter.

Vorbereitungen für Getreideexporte beginnen

Russland behindert nicht nur den Gas-, sondern auch den Getreideexport. Die Ukraine lässt sich davon aber nicht beirren. Sie beginnt gemeinsam mit der Türkei mit den Vorbereitungen für die Ausfuhr von Millionen Tonnen ukrainischen Getreides, die aufgrund des russischen Angriffskriegs auf dem Weltmarkt fehlen. Am Mittwoch wurde das vereinbarte Kontrollzentrum zur Überwachung der Handelsschiffe in Istanbul offiziell eröffnet. Das Zentrum unter Beteiligung der Türkei und der Vereinten Nationen werde einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung der Nahrungsmittelkrise leisten, sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar. Derzeit liefen Vorbereitungen, damit das erste mit Getreide beladene Schiff die Ukraine über das Schwarze Meer verlassen könne, sagte Akar. Die Transporte sollen bei Ein- und Ausfahrt ins Schwarze Meer kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass sie keine Waffen geladen haben.

Probleme bei Getreideausfuhr lauern

In diesem Zusammenhang forderte Moskau, auch Hindernisse zum Export von russischem Getreide nun schnell zu beseitigen, damit die Ausfuhr zeitgleich mit den Lieferungen aus der Ukraine beginnen könne. Russland hatte die Beendigung der Blockade der ukrainischen Schwarzmeerhäfen von einer Lockerung der westlichen Sanktionen gegen sich abhängig gemacht. Experten sehen zudem die maritime Logistik vor einer Herausforderung. Die südwestukrainischen Häfen Odessa, Tschornomorsk und Juschne hätten "in den letzten fünf Jahren noch nie eine so große Menge Getreide umgeschlagen haben", teilte der internationale Reederverband Bimco mit. Vor allem die Notwendigkeit, die Schiffe in die Häfen zu eskortieren, werde wahrscheinlich zu einer gewissen Überlastung führen", sagte Bimco-Analyst Niels Rasmussen.

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Quelle: ntv.de, lve/dpa/AFP

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