Politik

Der Kriegstag im Überblick Kiews Stellungen auf ganzer Front unter Feuer - Kreml meldet Erfolge in Lyssytschansk

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Russischer Mehrfachraketenwerfer in der Ukraine.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Kaum haben die russischen Streitkräfte die Schlangeninsel geräumt, meldet die Ukraine einen Angriff mit Phosphorbomben auf das Eiland. Auch im Süden und Osten des Landes stehen die Verbände Kiews unter schwerem Beschuss. Zudem meldet Moskau die Einnahme der umkämpften Raffinerie von Lyssytschansk. Der 127. Kriegstag im Überblick.

Ukraine wirft Russland Phosphor-Angriff auf Schlangeninsel vor

Die Ukraine hat der russischen Armee vorgeworfen, die Schlangeninsel im Schwarzen Meer mit Phosphorbomben angegriffen zu haben. Moskaus Truppen hätten am Abend "zweimal einen Luftangriff mit Phosphorbomben ausgeführt", schrieb der ukrainische Armeechef Walerij Saluschny auf Telegram. Die Bomben seien von SU-30-Fliegern der russischen Armee abgeworfen worden.

Die Schlangeninsel gilt als ein strategisch wichtiger Posten zur Überwachung der Seewege im nordwestlichen Teil des Schwarzen Meeres. Erst am Donnerstag hatte die russische Armee ihren Rückzug von der ukrainischen Insel erklärt, die sie zuvor vier Monate lang besetzt gehalten hatte.

Ganze Frontlinie unter schwerem Beschuss

In der Ost- und in der Südukraine sind Stellungen der ukrainischen Armee entlang der ganzen Frontlinie mit Artillerie beschossen worden. Dutzende Orte in den Gebieten Charkiw, Donezk, Luhansk, Saporischschja, Mykolajiw und Cherson wurden in dem veröffentlichten Bericht des ukrainischen Generalstabs aufgezählt. Vereinzelt seien auch Angriffe von Flugzeugen und Hubschraubern geflogen worden, hieß es.

Ukrainische Einheiten hätten einen russischen Angriff bei einem Gelatine-Werk bei der Industriestadt Lyssytschansk im Gebiet Luhansk abgewehrt. Details zum Geschehen um die letzte unter ukrainischer Kontrolle stehende Stadt in dem Gebiet wurden jedoch nicht genannt.

Selenskyj: Bombardierung von Wohnhaus war gezielter Angriff

Unterdessen bezeichnete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen russischen Raketentreffer eines Wohnhauses im südukrainischen Gebiet Odessa als nicht versehentlich. "Das ist ein gezielter Raketenschlag Russlands, Terror Russlands gegen unsere Städte und Dörfer, gegen unsere Menschen, Erwachsene und Kinder", sagte Selenskyj laut Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine. Die eingesetzte Rakete sei eigentlich für die Bekämpfung von Flugzeugträgern und anderen Kriegsschiffen konzipiert worden.

In der Nacht zum Freitag hatten drei russische Raketen knapp 40 Kilometer südwestlich der Hafenstadt Odessa ein Wohnhaus und ein Erholungsheim getroffen. Dem Zivilschutz zufolge wurden dabei mindestens 21 Menschen getötet und 39 verletzt. Präsidentenberater Michail Podoljak nahm den Raketenangriff auf zum Anlass, erneut die Lieferung moderner Raketenabwehrsysteme vom Westen zu erbitten. Angriffe auf zivile Ziele seien eine "blutige Terrortaktik: absichtlicher chaotischer Beschuss und massenhafte Opfer."

Moskau erobert nach eigenen Angaben Raffinerie von Lyssytschansk

Russland hingegen meldete die Einnahme der umkämpften Ölraffinerie der Großstadt Lyssytschansk. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums erlitten die Ukrainer in und um Lyssytschansk hohe Verluste. Zuletzt seien pro Tag rund 200 gegnerische Soldaten getötet worden. "Es ist ein unorganisierter Abzug einzelner Einheiten der ukrainischen Streitkräfte aus Lyssytschansk zu beobachten", sagte ein Sprecher.

Lyssytschansk ist der letzte große Ort im Gebiet Luhansk, den die ukrainischen Truppen noch halten. Die Einnahme der Stadt würde es den Russen ermöglichen, tiefer in den Donbass vorzudringen, der seit der gescheiterten Einnahme Kiews im Februar zum Schwerpunkt ihrer Offensive geworden ist.

Kreml erwägt Abbruch der Diplomatie mit Bulgarien

Nach der angekündigten Ausweisung 70 russischer Diplomaten aus Bulgarien erwägt Moskau den kompletten Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Russlands Aufforderung an Bulgarien, die bislang größte Diplomaten-Ausweisung in dem EU-Land zurückzunehmen, sei ignoriert worden, kritisierte Russlands Botschafterin in Sofia, Eleonora Mitrofanowa, der Agentur Interfax zufolge. Deshalb werde nun die Schließung der gesamten russischen Botschaft diskutiert. Das wiederum würde "unweigerlich" auch das Ende für die Arbeit von Bulgariens Botschaft in Moskau bedeuten, so Mitrofanowa.

Russlands Industrie erholt sich - trotz Sanktionen

Die wegen westlicher Sanktionen unter Druck stehende russische Industrie hat sich im Juni stabilisiert. Der Einkaufsmanagerindex kletterte minimal um 0,1 auf 50,8 Punkte, wie der Finanzdienstleister S&P Global zu seiner monatlichen Umfrage unter Unternehmen mitteilte. Erst ab einem Wert über der Schwelle von 50 signalisiert das Barometer ein Wachstum. Zwar sank die Produktion im vergangenen Monat. Ein Anstieg der Aufträge aus dem Inland und vermehrte Neueinstellungen trugen aber dazu bei, den Exportrückgang im nunmehr fünften Monat infolge auszugleichen.

Ukraine meldet schwache Weizenernte

Die diesjährige Weizenernte in der Ukraine wird nach Angaben des Mischkonzerns Baywa schwächer als in den Vorjahren ausfallen. Derzeit reiften dort 22,48 Millionen Tonnen Brotweizen für die Ernte heran, das sei ein Rückgang um 17 Prozent zum Schnitt der vergangenen vier Jahre, sagt Baywa-Chef Klaus Josef Lutz. Basis für die Einschätzung sind aktuelle Satellitendaten. Diese zeigten, "dass eine unterdurchschnittliche Ernte nicht mehr zu vermeiden ist", betont er.

Grund für den erwarteten Rückgang sei nicht nur der Krieg, sondern vor allem die Trockenheit. Darüber hinaus sei der Transport ein Problem, so Lutz: "Ohne Öffnung der Häfen wird das Getreide nicht außer Landes kommen."

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Quelle: ntv.de, jpe/dpa/rts

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