Politik

Russen ziehen Ring enger Moskau meldet Einnahme der Raffinerie von Lyssytschansk

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Prorussische Kämpfer im Raum Lyssytschansk.

(Foto: IMAGO/SNA)

Für die Verteidiger von Lyssytschansk spitzt sich die Lage weiter zu. Aus mehreren Richtungen nähern sich russische Truppen und ziehen den Ring um den Ort enger. Die wichtigste Versorgungslinie der Großstadt soll aber noch offen stehen, berichtet das ukrainische Militär.

Russlands Militär rückt in der schwer umkämpften ostukrainischen Stadt Lyssytschansk eigenen Angaben zufolge immer weiter vor. Mittlerweile sei die sieben Kilometer westlich der Großstadt gelegene Ölraffinerie unter russischer Kontrolle, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow. Die ukrainische Seite hingegen bezeichnete das Raffineriegelände am Morgen weiter als umkämpft.

"Der Feind konzentriert seine Hauptanstrengungen auf die Einkreisung der ukrainischen Soldaten in Lyssytschansk von Süden und Westen her und die Herstellung der vollständigen Kontrolle über das Gebiet Luhansk", teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht mit. Auch in den Vororten von Lyssytschansk werde gekämpft. Nach Angaben von Konaschenkow erlitten die Ukrainer in und um Lyssytschansk hohe Verluste. Zuletzt seien pro Tag rund 200 gegnerische Soldaten getötet worden. "Es ist ein unorganisierter Abzug einzelner Einheiten der ukrainischen Streitkräfte aus Lyssytschansk zu beobachten."

Der ukrainische Regionalgouverneur Serhij Hajdaj bezeichnete die Lage in der Stadt als schwierig. "Man kann ganz einfach sagen, dass die Russen sehr zahlreich sind und von allen Seiten kommen. Es gibt eine unglaubliche Anzahl von Fahrzeugen und Artillerie", schrieb Hajdaj am Donnerstagabend bei Telegram. Bereits Donnerstag hatte das ukrainische Militär mitgeteilt, dass im Süden von Lyssytschansk stehende Truppen nach Norden vorrückten. Die Verteidiger der Stadt seien dadurch akut von einer Einschließung bedroht.

Russen nehmen Kramatorsk in den Fokus

Lyssytschansk ist der letzte große Ort im Gebiet Luhansk, den die ukrainischen Truppen noch halten. Zuletzt konnte er nur noch über wenige Versorgungsrouten aus dem Westen mit Nachschub versorgt werden. Die Einnahme der Stadt würde es den Russen ermöglichen, tiefer in den Donbass vorzudringen, der seit der gescheiterten Einnahme Kiews im Februar zum Schwerpunkt ihrer Offensive geworden ist. In der vergangenen Woche hatte das ukrainische Militär bereits die nur durch den Fluss Siwerskyj Donez von Lyssytschansk getrennte Großstadt Sjewjerodonezk aufgeben müssen.

Der russische Versuch, ein Teilstück der Versorgungsroute Bachmut-Lyssytschansk unter Kontrolle zu bringen, sei hingegen gescheitert, berichtete der ukrainische Generalstab. Zugleich haben die russischen Truppen nach Angaben aus Kiew ihre militärischen Aktivitäten Richtung Kramatorsk verstärkt. Die Großstadt Kramatorsk ist der südliche Punkt des Ballungsraums Slowjansk-Kramatorsk in der Region Donezk, der vor dem Krieg rund eine halbe Million Einwohner hatte.

Bisher hatten die russischen Truppen vor allem vom Norden her versucht, in das Gebiet vorzurücken. Auch an diesem Freitag wurden aus dieser Richtung Artilleriegefechte aus mehreren Vororten von Slowjansk gemeldet. Eine russische Bodenoffensive gab es hier nach ukrainischen Informationen allerdings nicht. Unabhängig konnten die Angaben nicht überprüft werden.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/rts

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