Politik

Kohleausstieg und CO2-Grenzwerte Klimaexperte sieht Deutschland in der Pflicht

110112346.jpg

Braunkohle ist laut Klimaforscher Schellnhuber der emissionsintensivste Brennstoff. Er fordert daher einen raschen Ausstieg.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ohne sofortiges Handeln wäre die Erderwärmung bald nicht mehr aufzuhalten, warnt der Weltklimarat. Die Bundesregierung tut laut Experten und Grünen allerdings zu wenig für den Klimaschutz - vor allem mit Blick auf zwei besonders umweltschädliche Industriezweige.

Der renommierte Klimaexperte Hans Joachim Schellnhuber hat der Bundesregierung angesichts des jüngsten Berichts des Weltklimarats IPCC Untätigkeit vorgeworfen. "Wir brauchen nicht immer ehrgeizigere Klimaziele in der Zukunft, sondern endlich ehrgeizige Maßnahmen zu deren Erreichung jetzt!", sagte der frühere Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung der "Neuen Osnabrücker Zeitung". In Deutschland gebe es beim Klimathema "eine erschreckende Kluft zwischen Reden und Handeln". Die Bundesregierung mache "das Problem leider immer größer".

Schellnhuber warb in der Zeitung für einen raschen Kohleausstieg: "Deutschland kann auf diesen Brennstoff innerhalb weniger Jahre verzichten", sagte der Klimaforscher. "Das würde für unser Klima richtig viel bringen, denn die Braunkohle ist der emissionsintensivste, manche sagen: der schmutzigste, Brennstoff von allen."

Deswegen müsse die Regierung nun gemeinsam mit der Kohlekommission "einen geordneten Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter organisieren". Die Proteste gegen die Rodung des Hambacher Forstes würden zeigen, "dass hier gesellschaftlich etwas Großes in Bewegung geraten ist", sagte Schellnhuber, der Mitglied der Kohlekommission ist.

Die Bundesregierung trage auch internationale Verantwortung, betonte der Experte. "Natürlich kann Deutschland nicht im Alleingang das Weltklima retten, aber die Welt schaut sehr genau hin, wie wir als technologiestarke Industrienation die Energiewende in den Griff kriegen - oder scheitern."

"Es wäre ein fatales Signal"

Auch die Grünen mahnten neuen Ehrgeiz beim Klimaschutz an. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter verlangte von der Bundesregierung, sich auf EU-Ebene für schärfere CO2-Vorgaben für Autos einzusetzen. Mit Blick auf den EU-Umweltministerrat am Dienstag sagte er der "Saarbrücker Zeitung", es wäre "maximal verantwortungslos, die Warnungen des Weltklimaberichts bei erster Gelegenheit in den Wind zu schlagen".

Konkret forderte Hofreiter Bundesumweltministerin Svenja Schulze von der SPD auf, sich der Forderung des Europaparlaments anzuschließen, wonach der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) durch Autos bis 2030 um 40 Prozent im Vergleich zu 2021 gesenkt werden soll. Die EU-Kommission hatte zuvor eine Absenkung um 30 Prozent vorgeschlagen. Die Bundesregierung unterstützt dies bislang.

"Die Bundesregierung muss dem demokratisch gewählten EU-Parlament folgen und sich für angemessene CO2-Grenzwerte einsetzen", sagte Hofreiter der Zeitung. "Wenn ausgerechnet die Umweltministerin sich ihr Stimmverhalten von den Autokonzernen diktieren lässt, wäre das ein fatales Signal und würde weiter an der Glaubwürdigkeit der deutschen Klimapolitik sägen." Der Verkehrssektor sei der große Bremser im Klimaschutz, monierte Hofreiter.

Die EU-Umweltminister suchen in Luxemburg eine gemeinsame Linie zu künftigen Klimaschutzvorgaben für Autos. Darüber hinaus wollen sie die Verhandlungsposition der EU für die nächste Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz festzurren. Beides ist intern sehr umstritten. Deutschland warnt bei beiden Themen vor zu ehrgeizigen und womöglich unrealistischen Zielen.

Der Weltklimarat IPP hatte am Montag seinen Bericht zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau vorgestellt. Die IPCC-Wissenschaftler fordern "schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen", um dieses im Pariser Klimaschutzabkommen festgelegte Ziel noch zu erreichen.

Quelle: n-tv.de, hny/dpa/AFP

Mehr zum Thema