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Hilfe eventuell nach Erntebilanz Klöckner lässt Bauern erst mal warten

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Die Pflanzen leiden unter der anhaltenden Hitze und die Bauern unter den daraus resultierenden Ernteausfällen.

picture alliance/dpa

Aufgrund der anhaltenden Dürre erwarten die Landwirte in Deutschland für dieses Jahr große Ernteverluste. Sie hoffen, dass der Staat ihnen möglichst schnell hilft. Doch die Landwirtschaftsministerin macht ihnen fürs Erste einen Strich durch die Rechnung.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat die Forderung nach Soforthilfen für die dürregeplagten Bauern entschieden zurückgewiesen. "Ich arbeite im Dienste des Allgemeinwohls und der Steuerzahler", sagte die Ministerin von der CDU dem Magazin "Spiegel". Die Auszahlung solcher Hilfen sei nur auf Grundlage gesicherter Fakten möglich: "Ich kann nicht ohne repräsentative Zahlen, Daten und Fakten den nationalen Notstand ausrufen und nach Gefühl Zahlungen veranlassen."

Der Deutsche Bauernverband hatte wegen der anhaltenden Dürre mit Nachdruck schnelle Unterstützung für die Landwirte gefordert und dabei die Summe von einer Milliarde Euro genannt. Klöckner machte klar, dass sie sich keinem Druck beugen werde: Als Landwirtschaftsministerin sei sie "Teil der Bundesregierung und nicht ausführendes Organ des Bauernverbandes".

Bereits vor zwei Wochen hatte Klöckner angekündigt, erst dann über Bundeshilfen für die Bauern zu entscheiden, wenn Ende August der Erntebericht ihres Ministeriums mit detaillierten Angaben zu den Schäden vorliegt. Im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" äußerte sich Klöckner ähnlich: "Staatliche Maßnahmen sollten weiterhin die Ausnahme bleiben." Steuergelder sollten behutsam und mit Bedacht ausgegeben werden.

Bauern seien zwar systemrelevant für die Gesellschaft, weil sie Lebensmittel produzierten. "Landwirte sind aber auch Unternehmer und müssen ein modernes Risikomanagement führen", sagte Klöckner. Sie verwies auf andere europäische Länder wie Italien oder Frankreich, die ihren Landwirten Zuschüsse für Versicherungen gewährten, die auch Dürre-Schäden abdecken.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur summieren sich die Dürre-Schäden der Länder mittlerweile auf 1,1 Milliarden Euro. Allein für Schleswig-Holstein meldete das dortige Agrarministerium einen geschätzten Dürre-Schaden von 422 Millionen Euro an den Bund. Sachsen übermittelte eine Schätzung von rund 308 Millionen Euro, Sachsen-Anhalt von 237 Millionen Euro. Für Hessen geht das Landesagrarministerium davon aus, dass die Bauern Ernteausfälle von bis zu 150 Millionen Euro zu verkraften haben. Für die Forstwirtschaft des Landes werden zudem Verluste von rund 30 Millionen prognostiziert.

Quelle: n-tv.de, kpi/AFP/dpa

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