Politik

Anreize zum CO2-Sparen Koalition will Spritschlucker höher besteuern

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Wer eine Spritschleuder fährt, könnte bald mehr Kfz-Steuer zahlen müssen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zuckerbrot und Peitsche sollen Bürger und Firmen dazu bringen, auf klimafreundliche Fahrzeuge umzusteigen. Wer im Verkehr die Umwelt schont, soll nach den Plänen der Großen Koalition höhere Zuschüsse bekommen. Andere Verkehrsteilnehmer müssen sich wohl auf höhere Abgaben einstellen.

Im Kampf gegen den Klimawandel will die Bundesregierung eine Verkehrswende mit Strafzahlungen und Förderung erzwingen. Dabei sind sowohl höhere Kaufprämien für E-Autos als auch indirekte Strafzahlungen über die Kfz-Steuer und die Lkw-Maut in Planung, wie ein 209-seitiges Papier zum Klimakonzept der Regierung zeigt.

Während Spritschlucker wie SUVs über die Kfz-Steuer mehr belastet würden, sollen im Gegenzug günstigere E-Autos unter 30.000 Euro mit bis zu 6000 Euro Kaufprämie gefördert werden. Die Spitzen der Koalition aus CDU, CSU und SPD wollen am Abend zusammenkommen, um das Paket abschließend zu beraten. Beschlossen und vorgestellt werden soll es dann am Freitag.

"Die bereits existierende staatliche Kaufprämie für Elektrofahrzeuge ('Umweltbonus') wird durch entsprechende Änderungen im Kraftfahrzeugsteuergesetz zu einem Bonus-Malus-System ausgebaut", heißt es in dem Papier. Die Maut für Lkw soll ab 2023 über eine stärkere Klima-Ausrichtung faktisch verdoppelt, dafür aber wiederum Prämien für den Kauf von E-Lieferwagen oder Gas- und Wasserstoff-Lkw gezahlt werden.

Mit den Beschlüssen des Klimakabinetts am Freitag will die Bundesregierung ihre Klimaziele für 2030 noch erreichen. Sie sehen eine Kürzung des CO2-Ausstoßes von 55 Prozent im Vergleich zu 1990 vor. Derzeit sind knapp 30 Prozent geschafft. Das Papier dient der Vorbereitung für die Beschlüsse, es dürften noch einige Änderungen gemacht werden. Es hat an vielen Stellen noch Leerstellen und legt sich in einer Reihe von Punkten nicht fest. So bleibt die Form des geplanten allgemeinen Preises auf den CO2-Ausstoß ebenso offen, wie die Kosten der zahlreichen Förderprogramme.

Mehr Öko-Strom, günstiger Bahn fahren

Strittig ist zum Beispiel noch das Kapitel des Flugverkehrs. Zwar wollen alle Parteien gegen Billigflüge im Inland vorgehen, etwa über eine höhere Ticketsteuer. Die Passagen zum Luftverkehr sind im Papier jedoch komplett gestrichen. Auf der anderen Seite findet sich aber die Mehrwertsteuersenkung für Fernbahntickets auf sieben von 19 Prozent.

Auch die Güterbahnen sollen durch eine stärkere Elektrifizierung gestärkt und klimafreundlicher werden. Vorgesehen ist laut Papier auch, dass der Schwerlast-Lkw-Verkehr auf Autobahnen teilweise über Oberleitung laufen soll. Gedacht wird an 4000 Kilometer bis 2030.

Die Bundesregierung erwägt für den Klimaschutz zudem neue Ausbauziele für Wind- und Solarenergie. So solle an Land jedes Jahr ein Gigawatt mehr Windenergie als bisher geplant gebaut werden, heißt es in dem Papier. Gleiches gilt für Sonnenstrom. Das Ausbauziel für Windkraftanlagen vor der Küste soll auf 20 Gigawatt Leistung im Jahr 2030 angehoben werden. Derzeit sind noch 15 Gigawatt geplant. Insgesamt will man am Ziel festhalten, bis 2030 rund 65 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen zu decken.

Förderung für Gebäudesanierung

Um die Sanierung und Dämmung von Häusern zu beschleunigen, soll die seit langem diskutierte steuerliche Förderung kommen. Details wie etwa eine zusätzliche Investitionszulage sind allerdings gerade zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium noch strittig.

Steuerliche Förderungen für Klimainvestitionen sind auch im Industriesektor geplant, etwa durch schnellere Abschreibungen. Da manche Industrieprozesse nur schwer auf Strom umzustellen sind, wird auch wieder über die umstrittene unterirdische Speicherung von CO2 (CCS) geredet.

Der Klimaforscher Ottmar Edenhofer warnte unterdessen vor milliardenschweren Subventionen. "Ich glaube, dass die Förderprogramme ganz wenig Wirkung haben werden", sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und plädierte für einen wirksamen, allgemeinen CO2-Preis. Man habe in der Vergangenheit mit Förderungen zu wenig erreicht. "Am Ende des Tages werden wir daran gemessen, wie stark die Emissionen sinken", sagte er.

Quelle: ntv.de, hul/rts

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