Politik

EU vor "Zerreißprobe" Kohl warnt Europäer vor Flüchtlingen

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Kommende Woche will Kohl den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban treffen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Altkanzler Kohl rechnet mit der Füchtlingspolitik Merkels ab - ausgerechnet in der ungarischen Ausgabe seines neuen Buches. Den nächsten Affront gegen seine Nachfolgerin hat er bereits vorbereitet.

Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl hat sich gegen die massenhafte Aufnahme von Flüchtlingen in Europa gewandt. "Europa kann nicht zur neuen Heimat für Millionen Menschen weltweit in Not werden", schreibt Kohl laut "Tagesspiegel am Sonntag" in einem Vorwort zur ungarischen Ausgabe seines Buches "Aus Sorge um Europa". Kohl trifft am Dienstag in seinem Haus in Oggersheim mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban zusammen. Da Orban einer der schärfsten Kritiker von Kanzlerin Angela Merkel in der Flüchtlingskrise ist, ist der Besuch in der CDU umstritten.

"Die Lösung liegt in den betroffenen Regionen. Sie liegt nicht in Europa", schreibt Kohl weiter. "Europa kann nur Hilfe zur Selbsthilfe leisten." Kohl mahnt zudem, neben humanitären Aspekten müsse Europa auch "wohlbegründete kulturelle und sicherheitspolitische Interessen berücksichtigen". So kämen viele Flüchtlinge "aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Sie folgen zu einem wesentlichen Teil auch einem anderen als dem jüdisch-christlichen Glauben, der zu den Grundlagen unserer Werte- und Gesellschaftsordnung gehört".

"Keine falschen Erwartungen wecken"

Der CDU-Politiker sieht die Europäische Union demnach in einer Zerreißprobe, denn durch den "Rückfall in altes, nationalstaatliches Denken" würden "unser Frieden und unsere Freiheit existenziell gefährdet". Den Regierungen der EU-Staaten empfiehlt der 86-Jährige "mehr Miteinander statt Gegeneinander, mehr Vertrauen als Misstrauen, mehr Verlässlichkeit und Berechenbarkeit im Umgang miteinander". Die Größe der Aufgabe mache es schwer genug. "Wir sollten weder bei unseren Bürgern noch bei den Flüchtlingen falsche Erwartungen wecken."

In der Flüchtlingskrise hatte sich Europa vergangenes Jahr nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können. Deutschland öffnete seine Grenze für Hunderttausende Flüchtlinge und setzte sich der Kritik der Partner aus, mit seinen vergleichsweise großzügigen Regelungen weitere Menschen anzulocken. Ungarn machte daraufhin als erstes EU-Land seine Grenzen für Flüchtlinge dicht, andere Balkan-Länder und Österreich folgten. Damit ist diese Route geschlossen, was zu einem teilweisen Rückgang des Flüchtlingsstroms aus der Türkei führte.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/AFP