Politik

Mehr Sicherheit am Eurotunnel Kommandozentrale bekämpft Schlepper

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Die Innenminister aus Frankreich und Großbritannien besuchen das Einsatz- und Kommandozentrum in Calais nahe des Eurotunnels.

(Foto: picture alliance / dpa)

Frankreich und Großbritannien wollen die Schlepperbanden am Eurotunnel zerschlagen. Wie? Durch mehr Videoüberwachung, Bewegungsmelder und ein gemeinsames Einsatzzentrum. Auch wenn sie Erfolg haben, könnte sich das Problem nur verlagern.

Millionen für die Sicherung des Eurotunnels

Schon in den vergangenen Wochen wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt:

- 400 Kameras überwachen das eingezäunte Eurotunnel-Gelände in Coquelles bei Calais

- 250 private Sicherheitsleute der Betreibergesellschaft Eurotunnel sichern das Gelände (Zu Beginn des Sommers noch 150).

- Vier Meter hohe Barrieren wurden an den Bahnsteigen errichtet

- In Calais sind 500 Beamte der französischen Grenzpolizei stationiert, außerdem 200 Polizisten in Kommissariaten. Dazu kommen 550 Bereitschaftspolizisten

Briten und Franzosen wollen künftig von einer gemeinsamen Kommandozentrale aus gegen Flüchtlingsschleuser am Ärmelkanal vorgehen. "Wir müssen diese kriminellen Banden zerschlagen", sagte die britische Innenministerin Theresa May. Sie und ihr französischer Amtskollege Cazeneuve haben in Calais eine Vereinbarung zum gemeinsamen Vorgehen in der Flüchtlingskrise unterzeichnet.

Die neue Einsatzzentrale am Ärmelkanaltunnel wird von einem britischen und einem französischen Beamten geleitet. Die Dienste beider Länder sollen Informationen zu Schleusern sammeln und auswerten und das gemeinsame Vorgehen gegen die Schleuserbanden koordinieren. Großbritannien stellt zudem Videoüberwachung und Bewegungsmelder zum Schutz des Zugterminals bereit.

Die beiden Länder verständigten sich zugleich auf mehr Hilfe für einen Teil der Migranten, die unter erbärmlichen Bedingungen in der nordfranzösischen Hafenstadt campieren - vor allem Frauen und Kinder. Laut Cazeneuve sollen für sie weitere Unterkünfte geschaffen werden – bisher gibt es für sie etwa rund 100 Plätze in Containern neben dem behelfsmäßigen Flüchtlingslager "Neuer Dschungel" in Calais. Die Regierung in London stellt dafür zehn Millionen Euro in zwei Jahren bereit. Damit will sie aber auch die Unterbringung außerhalb von Calais und freiwillige Rückkehrprogramme in die Heimatländer fördern.

Mehr Kontrollen und Spürhunde

Im Tunnel selbst wird künftig strenger kontrolliert. Dazu soll das Unternehmen Eurotunnel mit staatlicher Hilfe mehr Wachleute einsetzen. Zusätzliche Teams sollen Lastwagen und Lastzüge mit Spürhunden durchsuchen. "Hier muss ein sehr starkes Signal gesendet werden, dass man die Grenze, die wir gemeinsam verwalten, nicht passieren kann", sagte Cazeneuve.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen lobte die Ankündigung. Flüchtlingskommissar António Guterres erklärte aber, um Schleusern das Handwerk legen zu können, müssten auch mehr legale Fluchtrouten für Schutzbedürftige geschaffen werden. Die britische Opposition warnte davor, dass mehr Sicherheit in Calais das Problem in andere Städte verlagern könnte, etwa ins französische Dunkerque, aber auch ins belgische Seebrügge und ins niederländische Hoek van Holland.

Innenministerin May sagte, man sei deswegen bereits mit den Niederlanden und Belgien im Gespräch. Cazeneuve will sich in Berlin mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière treffen, um über den Umgang mit den zunehmenden Flüchtlingszahlen in Europa zu sprechen.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/AFP